Reading medical report as official document in criminal appeal

BGH 5 StR 336/14Bgh / Criminal Chamber 513 ago 2014Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the accused's revision against the LG Itzehoe conviction. It held that the reading of the forensic medicine institute's report was not shown to violate the immediacy principle, because the document was identifiable as an official report of the University of Hamburg institute and thus admissible under § 256 StPO. The complaint about reading the psychological certificate also failed, since it was not proven that the document had been improperly used as evidence under § 250 StPO. The accused had to bear the costs of his revision; the private accessory prosecutor bore the costs of her withdrawn revision.

Massima Omnilex

§ 256 Abs. 1 Nr. 1 lit. a StPO; § 250 StPO; admissibility of reading forensic reports and certificates in criminal proceedings; a document qualifies as an official record when its external appearance, signature, letterhead and accompanying materials clearly identify a public authority as issuer. In assessing an alleged breach of the immediacy principle, the decisive question is whether the document was introduced as evidence or merely as a confrontation or preparatory clarification in the taking of testimony. A revision fails where no proven procedural error exists or where any possible defect could not affect the conviction as a whole (consid. 2 and 3).

Testo completo

BGH — 5 StR 336/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-08-13

Aktenzeichen: 5 StR 336/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 238 Abs 2 StPO, § 250 StPO, § 256 Abs 1 Nr 1 Buchst a StPO, § 337 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Itzehoe, 11. Februar 2014, Az: 5 Ks 5/13

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Verfahrensrüge der Verletzung des Unmittelbarkeitsgrundsatzes: Verlesung des Gutachtens eines rechtsmedizinischen Instituts einer Universität

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Itzehoe vom 11. Februar 2014 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Die Nebenklägerin trägt die Kosten ihrer zurückgenommenen Revision.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Der Beschwerdeführer lässt außer Acht, dass bereits das Überschütten der in diesem Zeitpunkt fraglos arg- und infolgedessen wehrlosen Nebenklägerin von Tötungsabsicht getragen war (UA S. 8 u./9 m.). Ungeachtet des Umstands, dass der Angeklagte damit „nur" die Entstellung der Nebenklägerin sowie eine weitere Herabsetzung von deren Wehrfähigkeit und nicht schon deren Tod herbeiführen wollte, bildete der Angriff bereits den ersten Akt des vom Angeklagten geplanten mehraktigen Tötungsgeschehens. Im Hinblick darauf, dass es der Nebenklägerin nicht gelang, bis zu den danach verübten Messerstichen „Waffengleichheit" herzustellen (UA S. 30), wird die Annahme des Mordmerkmals der Heimtücke unproblematisch von den Feststellungen getragen (vgl. zum Ganzen LK/Jähnke, 11. Aufl., § 211 Rn. 41 f. mwN). Es beschwert den Angeklagten nicht, dass die Schwurgerichtskammer das Mordmerkmal des sonst niedrigen Beweggrundes nicht erörtert hat.

  2. Der Senat entnimmt - ungeachtet der ungewöhnlichen, offenbar dem vom Gutachter gewünschten Abrechnungsmodus geschuldeten Ausgestaltung des Briefkopfs - der äußeren Form des rechtsmedizinischen Gutachtens (Absenderangabe und Unterzeichnung durch den als solchen durch einen Stempel gekennzeichneten Institutsdirektor), auch in Verbindung mit der Mitteilung des vorläufigen Untersuchungsergebnisses vom 21. Juli 2013 durch das Institut sowie dem Deckblatt der Lichtbilder, die jeweils eindeutig das Institut als gutachtende Stelle ausweisen, mit noch hinreichender Deutlichkeit, dass es sich um das Gutachten des rechtsmedizinischen Instituts der Universität Hamburg und damit einer Behörde im Sinne von § 256 Abs. 1 Nr. 1a StPO (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 57. Aufl., § 256 Rn. 13) handelte. Er kann deshalb offenlassen, ob bereits die Zulässigkeit der Rüge an einem fehlenden Antrag nach § 238 Abs. 2 StPO scheitern müsste (a.A. freilich BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2011 - 3 StR 315/11, NStZ 2012, 585). Offenbleiben kann auch, ob mit Ausnahme des konkreten Verletzungsbildes auf einem etwaigen Rechtsfehler überhaupt etwas beruhen könnte. Dagegen spricht, dass sowohl der versuchte Mord als auch die gefährliche Körperverletzung in den Varianten des § 224 Abs. 1 Nr. 1 und 2 StGB und damit der Schuldspruch insgesamt ungeachtet des Gutachtens rechtsfehlerfrei festgestellt sind. Das Verletzungsbild könnte allenfalls für die Annahme des § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB relevant sein. Bei der Bemessung der - überaus milden - Strafe hat das Landgericht die Verwirklichung dreier Tatbestandsvarianten des § 224 StGB indessen nicht strafschärfend berücksichtigt.

  3. Die Rüge zur Verlesung des Attests über die psychischen Folgen der Tat für die Nebenklägerin greift nicht durch. Für die Annahme, dass das Attest nicht zu Beweiszwecken, sondern im Wege des Vorhalts zum Gegenstand der Hauptverhandlung gemacht worden ist, spricht nicht nur, dass diese während der Vernehmung der Nebenklägerin erfolgt ist, sondern auch, dass der Vorsitzende - anders als bei Verlesung des rechtsmedizinischen Gutachtens - nicht auf § 256 StPO verwiesen hat. Auch eine Verlesung im Freibeweisverfahren zur Frage, ob weiterer Sachverständigenbeweis zu erheben sei, ist denkbar. Eine Verletzung des § 250 StPO ist daher nicht bewiesen.

Basdorf Dölp König

Berger Bellay

Parole chiave

immediacy principlereading of documentsofficial documentforensic reportoral evidence rulecriminal revisioncosts

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the revision based on alleged violation of the immediacy principle by reading the forensic report succeeded.

Decisione estratta

The challenge failed because the report was sufficiently identifiable as an official document of the University of Hamburg forensic medicine institute under § 256(1) no. 1a StPO; any objection was therefore unfounded.

Motivazione estratta

The report's external form, institutional letterhead, director's signature and accompanying materials made clear that it originated from the institute, a public authority; the court could leave open whether the procedural objection was properly raised and whether any error affected the judgment.

Questione giuridica chiave

Whether the reading of the certificate on the victim's psychological consequences violated § 250 StPO.

Decisione estratta

No violation was proven; the certificate may have been introduced as a confrontation during the victim's examination or as part of preliminary proof on whether further expert evidence was needed.

Motivazione estratta

The manner and context of introduction did not establish that the document was read for proof in a way contrary to the oral-evidence rule.

Questione giuridica chiave

Whether the accused's revision against the LG Itzehoe judgment should be rejected.

Decisione estratta

The revision was unfounded and was dismissed under § 349(2) StPO.

Motivazione estratta

The conviction for attempted murder and dangerous bodily harm was otherwise free of reversible error; the challenged report did not undermine the findings, and any potential error could at most concern one variant of § 224 StGB without affecting the overall conviction or sentence.

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