Insolvency opening petition with discharge request remains admissible

BGH IX ZB 86/13Bgh / Civil Chamber 917 lug 2014Annulled

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The debtor sought opening of regular insolvency proceedings, discharge from remaining debts, and deferral of costs. The Amtsgericht and the Landgericht rejected the request. On Rechtsbeschwerde, the Federal Court of Justice set aside the appellate decision because the single judge could not decide the matter after treating it as one of fundamental importance. For the further proceedings, the court clarified that a debtor's insolvency opening petition combined with a discharge request is not inadmissible merely because a prior creditor petition was rejected for lack of assets, and that the debtor is not compelled to request cost deferral.

Massima Omnilex

§ 568 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, § 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO; Insolvency petition combined with discharge request after prior rejection for lack of assets: a debtor's own opening petition is not inadmissible merely because an earlier creditor petition was rejected for lack of assets. The debtor need not first or also request deferral of costs; the statute provides no compulsory duty to file such a motion, and the time limit of §§ 20(2), 287(1) sentence 2 InsO does not extend to the cost-deferral request. If a single judge grants leave on the basis of fundamental importance but nevertheless decides the matter himself, the decision violates the lawful judge guarantee and must be set aside and remanded (consid. 2-5).

Testo completo

BGH — IX ZB 86/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-07-17

Aktenzeichen: IX ZB 86/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 13 InsO, § 26 Abs 1 S 1 InsO, § 287 InsO

Vorinstanz: vorgehend LG Aurich, 22. Oktober 2013, Az: 4 T 276/13vorgehend AG Leer, 13. April 2013, Az: 8 IN 35/13

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzeröffnungverfahren: Zulässigkeit eines mit einem Antrag auf Restschuldbefreiung verbundenen Eröffnungsantrags des Schuldners

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des Schuldners wird der Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Aurich vom 22. Oktober 2013 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.

Der Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Der Schuldner beantragte im Februar 2013, über sein Vermögen das Regelinsolvenzverfahren zu eröffnen. Gleichzeitig beantragte er, ihm Restschuldbefreiung zu erteilen und die Verfahrenskosten zu stunden. Das Amtsgericht hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens und auf Stundung der Verfahrenskosten zurückgewiesen. Die sofortige Beschwerde des Schuldners ist erfolglos geblieben. Mit seiner vom Beschwerdegericht - Einzelrichter -zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt der Schuldner seine Anträge weiter.

II.

2 Die nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO, §§ 6, 4d Abs. 1, § 34 Abs. 1 InsO statthafte und auch im Übrigen zulässige Rechtsbeschwerde führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht. Der Beschluss des Beschwerdegerichts kann schon aus verfahrensrechtlichen Gründen keinen Bestand haben. Misst der Einzelrichter einer Rechtssache grundsätzliche Bedeutung zu, hat er sie nach § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO dem Beschwerdegericht zur Entscheidung in der im Gerichtsverfassungsgesetz vorgeschriebenen Besetzung zu übertragen. Entscheidet er selbst und bejaht mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (BGH, Beschluss vom 7. Mai 2013 - IX ZB 51/12, NZI 2013, 846 Rn. 5; vom 13. Februar 2014 - IX ZB 91/12, NZI 2014, 414 Rn. 5). Die Entscheidung unterliegt der Aufhebung und Zurückverweisung (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO).

III.

3 Für das weitere Verfahren weist der Senat auf Folgendes hin:

4 Der Insolvenzantrag des Schuldners und sein Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten sind nicht aus den vom Beschwerdegericht angenommenen Gründen unzulässig. Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, dass der Zulässigkeit eines mit einem Antrag auf Restschuldbefreiung verbundenen Antrags des Schuldners auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht entgegensteht, dass zuvor der Antrag eines Gläubigers mangels Masse abgewiesen worden ist. Dies gilt auch dann, wenn das Insolvenzgericht in dem früheren Verfahren den Schuldner darauf hingewiesen hat, dass er einen Antrag auf Restschuldbefreiung nur dann stellen könne, wenn er selbst auch die Eröffnung des Verfahrens beantrage. Mit diesen Anträgen hätte der Schuldner nämlich eine Restschuldbefreiung in dem früheren Verfahren nicht erreichen können. Denn auch ein eigener Eröffnungsantrag hätte gemäß § 26 Abs. 1 Satz 1 InsO mangels Masse abgewiesen werden müssen. Zwar hätte der Schuldner gemäß § 26 Abs. 1 Satz 2 InsO dieses Ergebnis unter Umständen mit dem Antrag auf Stundung der Kosten des Insolvenzverfahrens gemäß § 4a Abs. 1 Satz 1 InsO verhindern können. Das Gesetz sieht aber einen Zwang zur Stellung eines Stundungsantrags nicht vor. Auf diesen Antrag bezieht sich auch nicht die Fristsetzung gemäß § 20 Abs. 2, § 287 Abs. 1 Satz 2 InsO (BGH, Beschluss vom 1. Dezember 2005 - IX ZB 186/05, NZI 2006, 181 Rn. 14).

5 Diese Entscheidung ist auch nicht durch die spätere Rechtsprechung des Senats zur Annahme von Sperrfristen (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Mai 2014 - IX ZB 51/12, NZI 2013, 846 Rn. 9 ff) überholt. Die Entscheidungen des Senats vom 21. Januar 2010 (IX ZB 174/09, NZI 2010, 195 Rn. 8) und vom 11. Februar 2010 (IX ZA 45/09, NZI 2010, 263 Rn. 6 f) betreffen andere Sachverhalte.

Kayser Lohmann Pape

Grupp Möhring

Parole chiave

insolvency openingdischarge from remaining debtscost deferrallawful judgeremandadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the single judge could decide after granting leave on grounds of fundamental importance.

Decisione estratta

No. Once the single judge considered the matter of fundamental importance, he had to refer it to the panel; deciding it himself was objectively arbitrary and violated the lawful judge guarantee.

Motivazione estratta

A single judge who recognizes fundamental importance must transfer the case under § 568(2) No. 2 ZPO; otherwise the decision cannot stand and must be set aside and remanded.

Questione giuridica chiave

Whether a debtor's insolvency opening petition combined with a discharge request and cost deferral request is inadmissible after a prior creditor petition was rejected for lack of assets.

Decisione estratta

No. Such a petition is not inadmissible for the reasons assumed by the appellate court; the debtor was not obliged to file a cost deferral request.

Motivazione estratta

A prior rejection of a creditor's petition for lack of assets does not bar a later debtor petition with discharge request. Although cost deferral may avoid rejection for lack of assets, the law imposes no duty to seek it, and the time limit in §§ 20(2), 287(1) sentence 2 InsO does not cover that request.

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