Insolvency avoidance of repayment of shareholder loans

BGH IX ZR 116/13Bgh / Civil Chamber 916 gen 2014Dismissed

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The Federal Court of Justice rejected the defendant’s complaint against denial of leave to appeal. It held that repayment of the two short-term shareholder loans was avoidable under § 135(1) No. 2 InsO. The defendant’s attempt to characterize the two loans as a single current-account credit failed because the loans were only two separate advances, lacked close temporal and factual linkage, were not tied to a specific purpose, and were subject to different security conditions. The court also rejected the argument that avoidance should be reduced by the hypothetical scenario that the first loan had remained outstanding.

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§ 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO; qualification of repayment of shareholder bridging loans and delimitation from current-account credits: Short-term shareholder loans used to bridge liquidity shortages are subject to avoidance under § 135 Abs. 1 No. 2 InsO. Multiple individual loans may exceptionally be treated as a current-account credit only where they are linked by recurring, closely connected advances and repayments under substantially uniform conditions, with a close temporal and factual nexus and a recognizable current-account structure. Absent such circumstances, separate loans remain separately avoidable. A hypothetical counterfactual that the first loan might have remained outstanding is irrelevant in insolvency avoidance law (consid. 1-3).

Testo completo

BGH — IX ZR 116/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-16

Aktenzeichen: IX ZR 116/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 129 Abs 1 InsO, § 135 Abs 1 Nr 2 InsO

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 19. März 2013, Az: 5 U 4332/12vorgehend LG Passau, 25. Oktober 2012, Az: 3 O 21/12

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzanfechtung der Rückführung von Gesellschafterdarlehen: Anfechtungsrechtliche Behandlung von kurzfristigen Überbrückungskrediten; Abgrenzung zu Kontokorrentverhältnissen

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 19. März 2013 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Der Streitwert wird auf 25.065,75 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde ist nicht begründet. Das Berufungsgericht hat der Klage, ohne dass ein Zulassungsgrund eingreift, zutreffend auf der Grundlage von § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO stattgegeben. Von dieser Vorschrift werden die hier in Rede stehenden Überbrückungsdarlehen erfasst (BGH, Urteil vom 7. März 2013 - IX ZR 7/12, WM 2013, 708 Rn. 14; vom 4. Juli 2013 - IX ZR 229/12, WM 2013, 1615 Rn. 29). Ohne Erfolg beruft sich der Beklagte darauf, dass die in Rede stehenden beiden Darlehensgewährungen vom 4. April 2011 und vom 5. Juli 2011 als einheitlicher Kontokorrentkredit zu behandeln sind.

2 1. In einem echten Kontokorrent mit vereinbarter Kreditobergrenze scheidet eine Gläubigerbenachteiligung durch einzelne Kreditrückführungen aus, weil ohne sie die Kreditmittel, die der Schuldner danach tatsächlich noch erhalten hat, ihm nicht mehr zugeflossen wären. Nach der Kreditabrede stehen dort die Leistungen des Schuldners an den Gläubiger in einem unmittelbaren rechtlichen Zusammenhang mit der dem Schuldner eingeräumten Möglichkeit, einen neuen Kredit zu ziehen. Anfechtbar sind solche Kreditrückführungen daher nicht in ihrer Summe, sondern bis zu der eingeräumten Kreditobergrenze (BGH, Urteil vom 7. März 2013, aaO Rn. 16; vom 4. Juli 2013, aaO Rn. 33).

3 2. Handelt es sich - wie hier - um Einzelkredite, können diese nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen zu einem Kontokorrentkredit zusammengefasst werden. Eine solche Gestaltung ist vorliegend nicht gegeben.

4 a) Mehrere Gesellschafterdarlehen können als Kontokorrentkredit zu behandeln sein, wenn die der Gesellschaft fortlaufend gewährten Kredite durch ihre gleichbleibenden Bedingungen, ihre kurze Dauer, den mit ihrer Ausreichung verfolgten Zweck und das zwischen den Vertragspartnern bestehende Gesellschaftsverhältnis nach der Art eines Kontokorrentkredits miteinander verbunden sind (BGH, Urteil vom 7. März 2013, aaO Rn. 17). Dies hat der Senat angenommen, wenn ein Gesellschafter seiner Gesellschaft zur Tilgung monatlich fällig werdender Sozialversicherungsbeiträge jeweils ein Darlehen gewährt, das die Gesellschaft vereinbarungsgemäß alsbald mit Hilfe ihr zur Finanzierung der Sozialversicherungsbeiträge gewährter öffentlicher Mittel zurückerstattet. Infolge der jeweils nur vorübergehend benötigten Liquidität und des engen zeitlichen Zusammenhangs von Zahlung und Rückzahlung erfolgte die Abwicklung der zwecks Wahrung der Zweckbindung gewährten Einzeldarlehen (BGH, aaO Rn. 21) in der Art eines Kontokorrents (BGH, aaO Rn. 19). Ebenso kann es sich bei wechselseitigen Aus- und Einzahlungen auf ein Gesellschaftskonto handeln, das der Gesellschafter gegenüber der Bank besichert hat (BGH, Urteil vom 4. Juli 2013, aaO Rn. 35).

5 b) Der vorliegende Sachverhalt ist in wesentlichen Punkten anders gelagert, so dass die Kreditgewährung nicht einem Kontokorrent gleichgestellt werden kann.

6 Es handelt sich hier nicht um eine Vielzahl einander ablösender Staffelkredite, sondern lediglich um zwei Darlehensverträge. Außerdem besteht zwischen den Kreditverhältnissen kein enger zeitlicher und sachlicher Zusammenhang. Der Kredit vom 4. April 2011 über 25.000 € war am 27. April 2011 zurückbezahlt worden. Mehr als zwei Monate später gewährte der Beklagte den weiteren Kredit von 30.000 €, der am 22. Juli 2011 beglichen wurde. Beide Darlehen waren nicht auf einen bestimmten Zweck, sondern den allgemeinen Liquiditätsbedarf der Schuldnerin bezogen. Ein sachlicher Grund, die Darlehen zu stückeln, war nicht gegeben. Es handelt sich ferner nicht um ein von dem Beklagten besichertes Bankdarlehen. Schließlich waren keine einheitlichen Kreditbedingungen vereinbart, weil für den Kredit vom 5. Juli 2011 umfassendere Sicherungen als für den vorherigen Kredit gegeben wurden. Bei dieser Sachlage ist für ein Kontokorrentverhältnis kein Raum.

7 3. Ohne Erfolg beruft sich der Kläger darauf, die Anfechtbarkeit hätte vermindert werden können, wenn er das erste Darlehen stehen gelassen hätte.

Diese hypothetische Betrachtungsweise ist im Insolvenzanfechtungsrecht unzulässig (BGH, Urteil vom 14. Mai 2009 - IX ZR 63/08, BGHZ 181, 132 Rn. 28).

Kayser Gehrlein Pape

Grupp Möhring

Parole chiave

insolvency avoidanceshareholder loanbridging loancurrent accountcredit repaymentliquiditysecurityhypothetical comparison

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether repayment of short-term bridging loans falls under avoidance under § 135(1) No. 2 InsO.

Decisione estratta

Yes. The loans are covered by § 135(1) No. 2 InsO.

Motivazione estratta

The court confirmed that the provision applies to the bridging loans at issue and saw no ground for leave to appeal.

Questione giuridica chiave

Whether the two separate loans had to be treated as a single current-account credit.

Decisione estratta

No. The case did not justify treating the two individual loans as a current-account relationship.

Motivazione estratta

There was no real current account with agreed credit limit, no close temporal and factual connection, no series of alternating tranches, no specific purpose, and no uniform credit terms; the later loan also had broader security.

Questione giuridica chiave

Whether avoidance would be reduced if the first loan had hypothetically been left outstanding.

Decisione estratta

No. Such hypothetical consideration is impermissible in insolvency avoidance law.

Motivazione estratta

The court rejected the argument as an inadmissible hypothetical comparison.

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