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BGH IX ZR 219/12 ΓÇó Anfechtung: No voidable transfer if property is fully encumbered
BGH IX ZR 219/12Bgh / Civil Chamber 921 feb 2013Dismissed
The Federal Court dismissed the complaint against the non-admission of revision in a voidance action. It held that the alleged failure to apply section 4 AnfG caused no harm because the transfer became relevant only upon completion of acquisition, when the property was already fully encumbered. In such a situation, no unentgeltful transfer and no creditor prejudice exist, since a forced sale would not have produced any proceeds for unsecured creditors. The court also rejected the complaint's Article 103(1) GG argument, noting that the appellate court had obtained an additional expert opinion and that further evidence requests were not maintained.
Art. 4 AnfG; creditor prejudice and gratuitous transfer in relation to a fully encumbered property. For the assessment of unentgeltfulness, the decisive moment is the completion of the acquisition; if the property is already wertausschöpfend encumbered at that time, there is no gratuitous disposition. A transfer of encumbered real estate constitutes creditor prejudice only if, in enforcement, the realizable value exceeds prior charges and the costs of foreclosure; the objective market value is irrelevant. No violation of Art. 103(1) GG occurs where the appellate court has taken the contested evidentiary issue into account by obtaining a supplementary expert opinion and the party later abandons further evidence requests (consid. 3-7).
Entscheidungsdatum: 2013-02-21
Aktenzeichen: IX ZR 219/12
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 3 AnfG, § 4 AnfG
Vorinstanz: vorgehend OLG Bamberg, 6. August 2012, Az: 4 U 134/10vorgehend LG Würzburg, 11. Juni 2010, Az: 21 O 1964/07
Spruchkörper: 9. Zivilsenat
Anfechtung außerhalb der Insolvenz: Bewertung der Unentgeltlichkeit einer Zuwendung; Gläubigerbenachteiligung bei wertausschöpfender Belastung des übertragenen Grundstücks
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 6. August 2012 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.
Der Streitwert wird auf 81.000 € festgesetzt.
1 Die Beschwerde deckt keinen Zulassungsgrund auf.
2 1. Die Nichtanwendung des § 4 AnfG durch das Berufungsgericht hat sich nicht zum Nachteil des Klägers ausgewirkt.
3 In diesem Versäumnis liegt kein entscheidungserheblicher Rechtsfehler, weil die Unterscheidung zwischen einer unmittelbaren und einer mittelbaren Gläubigerbenachteiligung im Blick auf die einseitige Zuwendung des Schuldners an die Beklagte im Streitfall keine Bedeutung gewinnt. Die Frage, ob eine Gläubigerbenachteiligung vorliegt, beurteilt sich nach dem Zeitpunkt der letzten tatrichterlichen mündlichen Verhandlung (MünchKomm-AnfG/Kirchhof, § 4 Rn. 67). Für die im Rahmen des § 4 AnfG vorrangige Bewertung der Unentgeltlichkeit einer Zuwendung ist hingegen auf die Vollendung des Rechtserwerbs abzustellen (BGH, Urteil vom 3. März 2005 - IX ZR 441/00, BGHZ 162, 276, 281; MünchKomm-AnfG/Kirchhof, § 4 Rn. 26). Vor diesem Hintergrund fehlt es wegen der im Zeitpunkt der Übertragung des Miteigentumsanteils bereits bestehenden wertausschöpfenden Belastung des Grundstücks an einer unentgeltlichen Zuwendung des Schuldners an die Beklagte.
4 2. Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass im Falle einer wertausschöpfenden Belastung des übertragenen Grundstücks eine Gläubigerbenachteiligung ausscheidet.
5 Die Übertragung eines belasteten Grundstücks kann nur dann eine Benachteiligung des Gläubigers zur Folge haben, wenn der in der Zwangsvollstreckung erzielbare Wert des Grundstücks die vorrangigen Belastungen und die Kosten des Zwangsversteigerungsverfahrens übersteigt. Eine Gläubigerbenachteiligung kommt also nicht in Betracht, wenn das Grundstück wertausschöpfend belastet ist und eine Zwangsversteigerung nicht zu einer auch nur teilweisen Befriedigung des Gläubigers geführt hätte (BGH, Urteil vom 20. Oktober 2005 - IX ZR 276/02, ZIP 2006, 387 Rn. 7; vom 23. November 2006 - IX ZR 126/03, ZIP 2007, 588 Rn. 21; vom 3. Mai 2007 - IX ZR 16/06, ZIP 2007, 1326 Rn. 15; vom 15. November 2007 - IX ZR 232/03, JurBüro 2008, 269). Auf den objektiven Verkehrswert ist entgegen der Auffassung der Beschwerde nicht abzustellen.
6 3. Art. 103 Abs. 1 GG ist nicht wegen Übergehens erheblicher Beweisanträge verletzt.
7 Das Berufungsgericht hat auf das von der Beschwerde als übergangen gerügte Vorbringen des Klägers antragsgemäß ein zweites ergänzendes Sachverständigengutachten eingeholt, das sich mit den aufgeworfenen Fragen auseinandersetzt. Auf etwaige weitere Beweisanträge hat der Kläger jedenfalls in der mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht verzichtet, weil er sie nicht aufrechterhielt, obwohl das Berufungsgericht seine Sachaufklärung ersichtlich abgeschlossen hatte (BGH, Urteil vom 2. November 1993 - VI ZR 227/92, NJW 1994, 329, 330; Beschluss vom 7. April 2011 - IX ZR 206/10, nv Rn. 6; vom 10. November 2011 - IX ZR 27/11, nv Rn. 6).
8 4. Die Rüge der Beschwerde, das Berufungsgericht habe die Belastungen des Grundstücks nicht ordnungsgemäß festgestellt, wird nicht durch einen Zulassungsgrund unterlegt.
Kayser Gehrlein Fischer
Grupp Möhring