Single judge may not decide fundamental-importance appeal alone

BGH IX ZB 298/11Bgh / Civil Chamber 928 giu 2012Annulled

Sintesi

The debtor and another participant challenged a district court order that had reduced the fee of the provisional insolvency administrator. The Federal Court of Justice held that the Rechtsbeschwerde was admissible and that the original single judge’s decision was invalid because he treated the matter as one of fundamental importance but did not refer it to the panel. The challenged order was therefore vacated and the case remanded to the Landgericht for a fresh decision, including costs of the further appeal.

Regest

§ 568 Abs. 3, § 574, § 577 Abs. 1, 4 ZPO; Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG: If the original single judge decides an appeal in a matter he himself deems to have fundamental importance and at the same time allows the Rechtsbeschwerde, the leave to appeal is effective; however, the decision is tainted by an improper composition of the appellate court. In such a case the single judge must refer the matter to the collegiate chamber. Failure to do so is objectively arbitrary and infringes the guarantee of the lawful judge. The violation is taken into account ex officio and leads to annulment of the appellate decision and remittal for a new decision by the properly constituted court (consid. 3, 4).

Testo completo

BGH — IX ZB 298/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-06-28

Aktenzeichen: IX ZB 298/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 568 Abs 3 ZPO, § 574 ZPO, § 577 Abs 1 ZPO, § 11 InsVV, Art 101 Abs 1 S 2 GG

Vorinstanz: vorgehend LG Lüneburg, 1. November 2011, Az: 3 T 59/11vorgehend AG Lüneburg, 14. Mai 2011, Az: 46 IN 101/09

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Zulassung der Rechtsbeschwerde wegen Grundsatzbedeutung durch den originären Einzelrichter

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerden des Schuldners und der weiteren Beteiligten wird der Beschluss der 3. Zivilkammer des Landgerichts Lüneburg vom 1. November 2011 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 7.544,31 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Das Insolvenzgericht hat, nachdem der Beschluss über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners aufgehoben worden war, die Vergütung der weiteren Beteiligten für ihre Tätigkeit als vorläufige Insolvenzverwalterin antragsgemäß auf 7.544,31 € einschließlich Auslagen und Umsatzsteuer festgesetzt. Auf die sofortige Beschwerde des Schuldners hat das Landgericht durch den Einzelrichter die Vergütung auf insgesamt 3.486,87 € herabgesetzt und die Rechtsbeschwerde zugelassen. Hiergegen wenden sich der Schuldner und die weitere Beteiligte mit der Rechtsbeschwerde.

II.

2 Die Rechtsbeschwerden sind gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch im Übrigen zulässig. Sie führen zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht.

3 Entscheidet der originäre Einzelrichter - wie hier - in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Bedeutung beimisst, über die Beschwerde und lässt er die Rechtsbeschwerde zu, so ist die Zulassung wirksam. Auf die Rechtsbeschwerde unterliegt die Entscheidung jedoch wegen fehlerhafter Besetzung des Beschwerdegerichts der Aufhebung von Amts wegen, weil der Einzelrichter in Rechtssachen, denen er grundsätzliche Bedeutung beimisst, zwingend das Verfahren an das Kollegium zu übertragen hat. Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (BGH, Beschluss vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200, 201 ff; vom 3. Februar 2011 - IX ZB 168/10; vom 22. November 2011 - VIII ZB 81/11, NJW-RR 2012, 125 Rn. 8 f mwN).

III.

4 Die angefochtene Entscheidung ist daher aufzuheben und die Sache zur erneuten Entscheidung an den Einzelrichter zurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO), damit er die gegebenenfalls nach § 568 Satz 2 ZPO erforderliche Übertragungsentscheidung treffen kann.

Vill Raebel Pape

Grupp Möhring

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