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BGH 5 StR 210/12 ΓÇó Conviction set aside for reliance on unexamined witness evidence
BGH 5 StR 210/12Bgh / Criminal Chamber 57 mag 2012Annulled
The Federal Court upheld the defendant’s procedural complaint under § 261 StPO. The Landgericht Bautzen had convicted him of eight narcotics-possession offenses and imposed a total prison sentence of three years and six months. The conviction was set aside because the trial court had relied on statements attributed to witness D. by reference to supposed testimony of police officer S., although S. had not been examined as a witness. The case was remitted to another criminal chamber for a new trial and decision, including the costs of the remedy. The court also indicated that the new trial should examine possible diminished responsibility and placement under § 64 StGB with expert assistance.
§ 261 StPO; evidentiary basis of conviction and reliance on an unexamined witness; a conviction cannot rest on decisive findings that are attributed in the judgment to testimony not actually introduced at trial. If the written reasons indicate a witness-based factual foundation that is not borne out by the record, the judgment is vulnerable to Inbegriffsrüge. Where the attacked findings concern the quantity and number of narcotics offenses, the defect is material and requires setting aside the judgment and remittal under § 349 Abs. 4 StPO. In the new trial, the court must also consider, where indicators exist, whether §§ 21 and 64 StGB warrant expert assessment (consid. 2–3).
Entscheidungsdatum: 2012-05-07
Aktenzeichen: 5 StR 210/12
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 261 StPO
Vorinstanz: vorgehend LG Bautzen, 12. Januar 2012, Az: 340 Js 4895/11 - 1 KLs
Spruchkörper: 5. Strafsenat
Inbegriffsrüge im Strafverfahren: Stützung des Schuldspruchs auf die Angaben eines nicht vernommenen Zeugen
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bautzen vom 12. Januar 2012 nach § 349 Abs. 4 StPO mit den Feststellungen aufgehoben.
Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen acht Fällen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Revision des Angeklagten hat mit einer Verfahrensrüge (Inbegriffsrüge nach § 261 StPO) Erfolg.
2 Die vom Angeklagten bestrittenen Feststellungen zur Anzahl der Taten und zu den Mengen des hierbei erworbenen Rauschgifts hat das Landgericht maßgeblich auf die Angaben des Zeugen D. , des gesondert verfolgten Lieferanten, gestützt. Dabei hat es die Konstanz seines Aussageverhaltens ausweislich des Urteils (UA S. 6) dem Zeugnis der ermittelnden Kriminalbeamtin S. entnommen, die indes, wie die Revision zutreffend beanstandet, in dieser Sache gar nicht zeugenschaftlich vernommen worden ist. Das Landgericht mag eine entsprechende Stützung der für den Schuldspruch zentralen Angaben des einzigen hierfür herangezogenen Zeugen – entgegen dem Urteilsinhalt – allein durch von dem Zeugen selbst bestätigte Vorhalte gewonnen haben. Dies entgegen dem Urteilsinhalt festzustellen, sieht sich der Senat indes außerstande (vgl. auch BGH, Beschluss vom 9. Februar 2010 – 4 StR 355/09, NStZ 2010, 409).
3 Angesichts der bislang getroffenen Feststellung, dass der Angeklagte innerhalb von dreieinhalb Monaten 8.500 Gramm Marihuana allein zu seinem Eigenkonsum erworben hat, und im Blick auf weitere auf eine Rauschmittelsucht hindeutende Urteilsangaben (UA S. 2, 8) wird das neue Tatgericht unter Heranziehung eines Sachverständigen (§ 246a StPO) auch dem etwaigen Vorliegen der Voraussetzungen der §§ 21 und 64 StGB nachzugehen haben.
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