No legal aid or stay in appeal against eviction dismissal

BGH VIII ZB 3/12Bgh / Civil Chamber 814 feb 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BGH rejected the defendant’s request for legal aid and his request to suspend enforcement of the eviction judgment. It held that the intended Rechtsbeschwerde against the Berlin appellate court’s dismissal of the appeal for late reasoning had no prospect of success because it was inadmissible under § 574 Abs. 2 ZPO. The court also confirmed that the lawyer’s illness did not justify reinstatement, since there had been enough time before expiry of the extended deadline to arrange a substitute or ask the bar association to appoint one; counsel’s fault is attributable to the party under § 85 Abs. 2 ZPO.

Massima Omnilex

§§ 114, 233, 520 Abs. 2 S. 3, 570 Abs. 3 Hs. 1, 574 Abs. 2, 575 Abs. 5 ZPO; Wiedereinsetzung wegen Fristversäumung durch erkrankten Prozessbevollmächtigten und Aussetzung der Vollziehung im Rechtsbeschwerdeverfahren: Eine krankheitsbedingte Verhinderung des als Einzelanwalt tätigen Prozessbevollmächtigten entschuldigt die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist nicht, wenn bis zum Ablauf der verlängerten Frist noch ausreichend Zeit bestand, einen Vertreter zu bestellen oder die Anwaltskammer um Bestellung zu ersuchen. Das Verschulden des Bevollmächtigten wird dem Mandanten nach § 85 Abs. 2 ZPO zugerechnet. Eine einstweilige Einstellung der Vollziehung setzt voraus, dass das Rechtsmittel nicht von vornherein aussichtslos erscheint; fehlt es an der Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde, ist auch der Aussetzungsantrag abzulehnen. Grundsätzliche Bedeutung liegt nicht vor, wenn § 520 Abs. 2 S. 3 ZPO die Fristverlängerung klar regelt und der Sachverhalt keine verallgemeinerungsfähige Rechtsfrage aufwirft.

Testo completo

BGH — VIII ZB 3/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-02-14

Aktenzeichen: VIII ZB 3/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 85 ZPO, § 114 ZPO, § 233 ZPO, § 520 Abs 2 S 3 ZPO, § 570 Abs 3 Halbs 1 ZPO, § 574 Abs 2 ZPO, § 575 Abs 5 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 15. Dezember 2011, Az: 67 S 446/11vorgehend AG Wedding, 18. Juli 2011, Az: 21b C 105/11

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Wiedereinsetzung in den vorigen Stand: Verschuldete Berufungsbegründungsfristversäumung wegen Erkrankung des Prozessbevollmächtigten; Aussetzung der Räumungsvollstreckung im Rechtsbeschwerdeverfahren gegen die Berufungsverwerfung

Tenor

Der Antrag des Beklagten zu 2 auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe zur Durchführung des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird abgelehnt.

Der Antrag des Beklagten zu 2, die Vollziehung des Urteils des Amtsgerichts Wedding vom 18. Juli 2011 einstweilen auszusetzen, wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

1 Das Amtsgericht hat den Beklagten zu 2 zur Räumung und Herausgabe einer Vierzimmerwohnung verurteilt. Die dagegen gerichtete Berufung des Beklagten zu 2 hat das Landgericht - unter Zurückweisung seines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist - als unzulässig verworfen. Hiergegen hat der Beklagte zu 2 frist- und formgerecht Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof - verbunden mit einem Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe - eingelegt. Mit am 1. Februar 2012 beim Bundesgerichtshof eingegangenem Schriftsatz hat er die Rechtsbeschwerde begründet und beantragt, die Zwangsvollstreckung aus dem Räumungs- und Herausgabeurteil des Amtsgerichts Wedding vom 18. Juli 2011 bis zur Entscheidung des Senats über die Rechtsbeschwerde einzustellen. Er hat vorgetragen und belegt, dass Räumungstermin für den 22. Februar 2012 angesetzt ist.

II.

2 Die beantragte Prozesskostenhilfe ist abzulehnen, weil die gegen den Beschluss des Landgerichts Berlin vom 15. Dezember 2011 gerichtete Rechtsbeschwerde des Beklagten zu 2 keine Aussicht auf Erfolg bietet (§ 114 ZPO). Die nach §§ 238 Abs. 2 Satz 1, 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig; die Voraussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO sind nicht erfüllt. Im Hinblick auf die mangelnde Erfolgsaussicht der Rechtsbeschwerde ist auch der Antrag des Beklagten zu 2 auf Einstellung der Zwangsvollstreckung zurückzuweisen.

3 1. Das Rechtsbeschwerdegericht kann zwar im Wege der einstweiligen Anordnung gemäß § 570 Abs. 3 Halbsatz 1 ZPO, § 575 Abs. 5 ZPO auch die Vollziehung einer Entscheidung der ersten Instanz aussetzen, wenn durch die Vollziehung dem Rechtsbeschwerdeführer größere Nachteile drohen als dem Gegner, die Rechtsbeschwerde zulässig erscheint und die Rechtsmittel des Rechtsbeschwerdeführers nicht von vornherein ohne Erfolgsaussicht sind (vgl. Senatsbeschlüsse vom 18. Mai 2010 - VIII ZB 9/10, GE 2010, 1055; vom 4. Februar 2010 - VIII ZB 84/09, WuM 2010, 52 mwN).

4 2. Diese Voraussetzungen sind hier jedoch nicht erfüllt. Denn die nach § 522 Abs. 1 Satz 4, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 2 ZPO unzulässig.

5 Der Rechtssache kommt keine grundsätzliche Bedeutung zu (§ 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO), weil die Voraussetzungen, unter denen eine Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist um mehr als einen Monat in Betracht kommt, in § 520 Abs. 2 Satz 3 ZPO unmissverständlich geregelt sind (vgl. BGH, Beschluss vom 4. März 2004 - IX ZB 121/03, NJW 2004, 1742 unter 2) und sich die vom Beklagten zu 2 weiter aufgeworfene Frage, ob im Falle einer vom Berufungsgegner rechtsmissbräuchlich verweigerten Zustimmung zur Fristverlängerung etwas anders zu gelten habe, einer generalisierenden Betrachtung entzieht. Zudem lässt der vom Beklagten zu 2 vorgetragene Sachverhalt nicht den Schluss zu, die Klägerin habe ihm entgegen den Geboten von Treu und Glauben die Zustimmung zur zweiten Fristverlängerung versagt. Aus den genannten Gründen besteht auch keine Veranlassung für eine rechtsfortbildende Entwicklung höchstrichterlicher Leitsätze (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 ZPO).

6 Eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts ist auch nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 ZPO) geboten. Das Berufungsgericht hat unter Beachtung der von der höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätze rechtsfehlerfrei das Vorliegen eines Wiedereinsetzungsgrundes (§ 233 ZPO) verneint und die Berufung des Beklagten zu 2 im Hinblick auf die versäumte Begründungsfrist als unzulässig verworfen. Es hat die Anforderungen an die Darlegung eines Wiedereinsetzungsgrundes nicht überspannt und dem Beklagten daher den Zugang zur Rechtsmittelinstanz nicht in unzumutbarer, aus Sachgründen nicht mehr zu rechtfertigender Weise erschwert (zu diesen Kriterien vgl. BGH, Beschluss vom 24. Juni 2010 - V ZB 170/09, WuM 2010, 592 Rn. 4 mwN).

7 Der als Einzelanwalt tätige Beklagtenvertreter wäre in Anbetracht der am 8. Oktober 2011 erlittenen Handgelenksfraktur gehalten gewesen, entweder selbst einen Vertreter einzuschalten (§ 53 Abs. 1 BRAO) oder die zuständige Anwaltskammer um eine Vertreterbestellung zu bitten (§ 53 Abs. 2 BRAO). Zur Vornahme dieser - ihm und seinem Mandaten zumutbaren - Maßnahmen stand ihm ausreichend Zeit zur Verfügung, da die verlängerte Berufungsbegründungsfrist erst am 26. Oktober 2011 ablief. Der vorliegende Fall unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den Sachverhaltsgestaltungen, die den Entscheidungen des Senats (Senatsbeschluss vom 5. April 2011 - VIII ZB 81/10, NJW 2011, 1601 Rn. 18) und des II. Zivilsenats vom 6. Juli 2009 (II ZB 1/09, NJW 2009, 3037 Rn. 10) zugrunde lagen. Denn in den dortigen Fällen waren die Erkrankungen erst wenige Tage vor Fristablauf aufgetreten. Das Verschulden seines Prozessbevollmächtigten ist dem Beklagten nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzurechnen.

Ball Dr. Milger Dr. Hessel

Dr. Achilles Dr. Fetzer

Parole chiave

legal aidreinstatementappeal deadlinecounsel faultevictionstay of enforcementinadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether legal aid should be granted for the intended appeal proceedings.

Decisione estratta

Legal aid was refused because the Rechtsbeschwerde had no prospect of success.

Motivazione estratta

The appeal was inadmissible under § 574 Abs. 2 ZPO, so the statutory success requirement of § 114 ZPO was not met.

Questione giuridica chiave

Whether enforcement of the first-instance eviction judgment should be stayed pending the appeal.

Decisione estratta

The request for a stay of enforcement was rejected.

Motivazione estratta

A stay under §§ 570 Abs. 3, 575 Abs. 5 ZPO requires a potentially admissible and promising appeal; that was lacking here.

Questione giuridica chiave

Whether the appeal against the appellate court’s dismissal for late reasoning was admissible.

Decisione estratta

The appeal was inadmissible.

Motivazione estratta

No ground for admission existed under § 574 Abs. 2 ZPO; the legal questions were settled and the facts did not show a constitutional or uniformity concern.

Questione giuridica chiave

Whether reinstatement was due because counsel was ill when the deadline ran.

Decisione estratta

Reinstatement was rightly denied.

Motivazione estratta

The lawyer’s wrist fracture occurred well before expiry of the extended deadline, leaving sufficient time to appoint a substitute or seek appointment by the bar association; the client must bear counsel’s fault under § 85 Abs. 2 ZPO.

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