Refusal of notary counsel and legal aid; complaint inadmissible

BGH III ZR 89/11Bgh / III camera civile8 set 2011Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Court refused to appoint counsel of last resort and denied legal aid to the applicant in proceedings concerning a non-admission complaint. It held that the applicant had not made the reasonable efforts required by section 78b(1) ZPO because he failed to pay counsel’s advance costs in time for proper work on the file. Legal aid was also denied because the deadline for substantiating the complaint had expired and restoration to the prior state was unavailable. The court stated that it intended to reject the complaint as inadmissible.

Massima Omnilex

§ 78b Abs. 1 ZPO; § 114 Satz 1 ZPO; § 233, § 234, § 544 Abs. 2 ZPO: Appointment of notary counsel and legal aid for a non-admission complaint require timely, complete and reasonable efforts to secure representation and a procedure with sufficient prospects of success. Reasonable efforts include timely full payment of the counsel’s advance costs so that instructed counsel can still examine and conduct the matter properly. A legal-aid request filed on the last day of the period can justify restoration of the prior state only if it is complete and the applicant may reasonably expect approval; an incomplete declaration of personal and economic circumstances defeats that expectation. If the substantiation period has expired and restoration is unavailable, the complaint is to be treated as inadmissible (consid. 1-3).

Testo completo

BGH — III ZR 89/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-09-08

Aktenzeichen: III ZR 89/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 78b Abs 1 ZPO, § 114 S 1 ZPO, § 233 ZPO, § 234 ZPO, § 544 Abs 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Düsseldorf, 16. März 2011, Az: I-18 U 111/10, Urteilvorgehend LG Düsseldorf, 21. Mai 2010, Az: 2b O 279/08

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof: Ablehnung eines Antrags auf Bestellung eines Notanwalts; Ablehnung eines Prozesskostenhilfeantrags

Tenor

Der Antrag des Klägers, ihm einen Notanwalt zur Wahrnehmung seiner Rechte im Verfahren über seine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 18. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 16. März 2011 - I-18 U 111/10 - beizuordnen, wird abgelehnt.

Der Antrag des Klägers, ihm Prozesskostenhilfe für das vorbezeichnete Verfahren zu bewilligen, wird abgelehnt.

Der Senat beabsichtigt, die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers als unzulässig zu verwerfen. Es besteht Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb einer Frist von vier Wochen ab Zustellung dieses Beschlusses.

Gründe

1 1. Die Voraussetzungen für die Beiordnung eines Notanwalts gemäß § 78b Abs. 1 ZPO sind nicht erfüllt. Die Beiordnung eines Rechtsanwalts nach dieser Bestimmung setzt voraus, dass die Partei trotz zumutbarer Anstrengungen einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt nicht findet und die beabsichtigte Rechtsverfolgung nicht mutwillig oder aussichtslos erscheint. Zu den zumutbaren Anstrengungen gehört nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs insbesondere, dass die Partei den Kostenvorschuss zahlt, den sie dem mit ihrer Vertretung beauftragten Rechtsanwalt schuldet (vgl. z.B. BGH, Beschlüsse vom 13. April 1994 - XII ZR 222/93, BGHR ZPO § 78b Vertretungsbereitschaft 1 und vom 8. Juli 2010 - IX ZB 45/09, ZInsO 2010, 1662 Rn. 1 mwN). Der Partei obliegt es im Rahmen der ihr zumutbaren Anstrengungen weiterhin, diesen Vorschuss so rechtzeitig vollständig zu zahlen, dass der Rechtsanwalt die Vertretung nicht berechtigterweise mit der Begründung ablehnen kann, ihm verbleibe keine angemessene Zeit mehr, die Sache mit der gebotenen Sorgfalt zu bearbeiten. Diesen Anforderungen ist der Kläger nicht gerecht geworden.

2 Der Kläger hatte zunächst die Rechtsanwälte beim Bundesgerichtshof S. mit der Erhebung der Nichtzulassungsbeschwerde beauftragt. Diese haben mittlerweile das Mandat niedergelegt. Aus seinem eigenen Vorbringen und dem von ihm vorgelegten E-Mail-Verkehr mit seinen Rechtsanwälten, geht hervor, dass die Mandatsniederlegung darauf beruhte, dass der Kläger die Kostenvorschussforderung der Anwälte nicht vollständig beglichen hatte. Zwar mag er dies, wenn überhaupt, einen oder zwei Tage vor Ablauf der Frist zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde nachgeholt haben. Innerhalb dieser kurzen Zeit war aber eine sachgerechte Bearbeitung der Sache durch die Rechtsanwälte nicht mehr möglich, die aus diesem Grund auch die Wiederaufnahme des Mandats ablehnten.

3 2. Die Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren scheidet ebenfalls aus, da die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 Satz 1 ZPO). Die bereits verlängerte Frist zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde (§ 544 Abs. 2 ZPO) ist mittlerweile verstrichen, ohne dass die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Betracht kommt.

4 Allerdings ist einer Partei Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen der Versäumung der Frist zur Begründung eines Rechtsmittels zu gewähren, wenn sie um Prozesskostenhilfe nachsucht und vernünftigerweise nicht damit rechnen muss, dass ihr Antrag wegen fehlender Bedürftigkeit abgelehnt werde (st. Rspr. z.B. BGH, Beschlüsse vom 31. August 2005 - XII ZB 116/05, NJW-RR 2006, 140, 141; vom 11. Juni 2008 - XII ZB 184/05, NJW-RR 2008, 1313 Rn. 26 jew. mwN und vom 18. August 2009 - VIII ZR 153/09, WuM 2009, 691 Rn. 6). Dies setzt allerdings, worauf der Senat den Kläger hingewiesen hat, voraus, dass das Prozesskostenhilfegesuch bis zum Ablauf der Frist eingereicht wird und dem Antrag die ordnungsgemäß ausgefüllte Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie die insoweit nötigen Belege beigefügt sind (st. Rspr. z.B. BGH, Beschlüsse vom 31. August 2005 aaO und vom 11. Juni 2008 aaO Rn. 24; siehe auch BGH, Beschluss vom 9. Dezember 1954 - IV ZB 94/54, BGHZ 16, 1, 3). Dem hat der Kläger nicht genügt.

5 Zwar hat er noch am letzten Tag der Frist zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde per Telefax ein Prozesskostenhilfegesuch nebst Anlagen eingereicht, dessen fünf Seiten ausweislich der in den Kopfzeilen enthaltenen Sendedaten vollzählig beim Bundesgerichtshof eingegangen sind. Jedoch hat der Kläger die zweite Seite des Vordrucks der Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse nicht übermittelt, so dass die Antragsunterlagen unvollständig und damit nicht ordnungsgemäß sind. Bei dieser Sachlage konnte der Kläger auch aus inhaltlichen Gründen nicht damit rechnen, dass sein Antrag bewilligt werde. Er gibt an, bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.200 € abzüglich Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen sowie Werbungskosten in Höhe von insgesamt 650 € einen monatlichen Unterhalt von 1.000 € an seine Ehefrau zu entrichten. Dies ist, da Angaben zu möglichen weiteren Einkünften fehlen, bereits rechnerisch unschlüssig und lässt offen, wie der Kläger seinen Lebensunterhalt bestreitet. Darauf, dass überdies der französischsprachige Steuerbescheid der belgischen Finanzbehörde trotz entsprechenden Hinweises durch den Senat entgegen § 1078 Abs. 1 Satz 2 ZPO nicht von einer Übersetzung in die deutsche Sprache begleitet war, kommt es für die Entscheidung nicht mehr an.

6 3. Da die Frist zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde versäumt ist, beabsichtigt der Senat, diese zu verwerfen.

Schlick Dörr Herrmann

Seiters Tombrink

Parole chiave

notary counsellegal aidnon-admission complaintdeadlinerestorationadmissibilityadvance costsprospect of success

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether notary counsel should be appointed for the non-admission complaint proceedings

Decisione estratta

No; the applicant had not made all reasonable efforts, in particular he did not timely pay the advance costs owed to retained counsel, so no willing lawyer could properly be found.

Motivazione estratta

Section 78b(1) ZPO requires both unsuccessful reasonable efforts to find counsel and a non-frivolous, non-hopeless intended claim. Timely full payment of the required advance is part of those reasonable efforts; the applicant paid too late for proper review.

Questione giuridica chiave

Whether legal aid should be granted for the non-admission complaint proceedings

Decisione estratta

No; the intended complaint had no sufficient prospect of success because the time limit for substantiating the complaint had already expired and restoration of the prior state was not available.

Motivazione estratta

Legal aid under section 114(1) ZPO requires sufficient prospects of success. Because the substantiation deadline under section 544(2) ZPO had expired, the complaint could no longer succeed.

Questione giuridica chiave

Whether the applicant could obtain restoration of the prior state for the missed substantiation deadline

Decisione estratta

No; the conditions were not met because the legal-aid request was incomplete and did not justify a reasonable expectation of grant.

Motivazione estratta

Restoration may be available where a timely legal-aid application is complete and the applicant could reasonably expect it not to be refused for lack of need. Here the supporting declaration was incomplete and internally inconsistent, so such expectation was absent.

Questione giuridica chiave

Whether the court would proceed to dismiss the non-admission complaint as inadmissible

Decisione estratta

Yes; the Senate announced that it intended to reject the complaint as inadmissible because the substantiation period had been missed.

Motivazione estratta

With the deadline expired and no restoration possible, inadmissibility followed.

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