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BGH 4 StR 159/11 ΓÇó Juvenile sentence may be omitted when inpatient treatment is ordered
BGH 4 StR 159/11Bgh / Criminal Chamber 426 mag 2011Partially Granted
The Federal Court of Justice partly upheld the defendant’s revision. It found no error in the conviction for bodily injury resulting in death, so the challenge to the merits was rejected. However, the sentencing part could not stand because the trial court had ordered inpatient addiction treatment under Section 64 StGB without addressing Section 5(3) JGG. The court stressed that juvenile punishment must be omitted if the measure alone makes additional sanctioning unnecessary. The youth sentence and related findings were therefore annulled and the case remitted for a new sentencing decision.
§ 5 Abs. 3 JGG, § 64 StGB; juvenile sentence may be dispensed with when an inpatient addiction measure is ordered and suffices to make punishment unnecessary. The sentencing court must expressly examine whether, in light of the measure, an additional youth sentence is dispensable. If such consideration is absent from the judgment, the sentencing portion is unlawful and must be set aside. The principle of the single custodial response in juvenile criminal law requires a specific, case-by-case assessment; even in serious offences, the appellate court may not substitute its own sentencing discretion for that of the trial court (consid. 2).
Entscheidungsdatum: 2011-05-26
Aktenzeichen: 4 StR 159/11
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 5 Abs 3 JGG, § 64 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Magdeburg, 6. Dezember 2010, Az: 22 Ks 164 Js 43525/09 (2/10), Urteil
Spruchkörper: 4. Strafsenat
Jugendstraftat: Absehen von einer Jugendstrafe bei Unterbringung in einer Entziehungsanstalt
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere als Jugendkammer zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den zur Tatzeit 20jährigen Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu der Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Mit seiner Revision rügt der Angeklagte die Verletzung materiellen Rechts; die Unterbringung nach § 64 StGB hat er wirksam (vgl. BGH, Beschluss vom 3. Januar 1997 - 3 StR 549/96, BGHR JGG § 5 Abs. 3 Absehen 2) von seinem Revisionsangriff ausgenommen. Die Revision ist, soweit sie sich gegen den Schuldspruch richtet, unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO; insoweit hat die Überprüfung des Urteils anhand der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Der Ausspruch über die Jugendstrafe hat dagegen keinen Bestand.
2 Wird aus Anlass der Straftat eines Jugendlichen dessen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet, so wird gemäß § 5 Abs. 3 JGG von Jugendstrafe abgesehen, wenn die Maßregelanordnung eine solche Ahndung entbehrlich macht. Diese spezifisch jugendstrafrechtliche Vorschrift ermöglicht es, dem Gedanken der Einspurigkeit freiheitsentziehender Maßnahmen im Jugendstrafrecht Rechnung zu tragen (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 1992 - 3 StR 434/92, BGHSt 39, 92, 95 m.w.N.). Eine entsprechende Prüfung und Entscheidung ist dem angefochtenen Urteil auch in seinem Gesamtzusammenhang nicht zu entnehmen. Dies ist rechtsfehlerhaft (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Januar 1993 - 5 StR 682/92, BGHR JGG § 5 Abs. 3 Absehen 1). Zwar mag in dem hier gegebenen Fall eines Kapitaldelikts ein Absehen von Jugendstrafe eher fern liegen; jedoch handelt es sich um eine tatrichterliche Entscheidung, die der Senat nicht ersetzen kann. Das Rechtsmittel des Angeklagten führt daher zur Aufhebung des Ausspruchs über die Jugendstrafe.
3 Wenn die neu zur Entscheidung berufene Jugendkammer wiederum Jugendstrafe von über drei Jahren verhängt, wird sie zu beachten haben, dass § 67 Abs. 2 Satz 2, 3 StGB gemäß § 7 Abs. 1 JGG i.V.m. § 61 Nr. 2 StGB auch bei der Verhängung von Jugendstrafe gilt (BGH, Beschluss vom 26. Mai 2009 - 4 StR 134/09, NStZ 2010, 93, 94).
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