Inclusion of prior juvenile measure requires fresh review

BGH 4 StR 49/11Bgh / Criminal Chamber 417 mar 2011Partially Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The BGH partially granted the defendant’s revision. The conviction itself remained untouched, but the sentencing portion of the LG Rostock judgment was set aside because the court had included an earlier juvenile judgment without freshly examining the prerequisites for the drug-treatment measure under § 64 StGB and without addressing §§ 5(3), 105(1) JGG. The matter was remitted to another juvenile chamber of the Landgericht for a new decision, including costs. The further revision was dismissed.

Massima Omnilex

§ 31 Abs. 2 S. 1 JGG; inclusion of an earlier juvenile judgment and consequences for previously ordered measures; when an earlier judgment is included, its legal consequences lapse as if it had not been rendered. This also applies to measures ordered therein. The trial court must therefore independently re-examine the prerequisites for a measure, in particular under § 64 StGB, and decide anew; a mere order of "maintaining" the measure is impermissible. If the court fails to consider the juvenile-law provisions governing the sentencing framework, the sentence and the measure order cannot stand (consid. 2-6).

Testo completo

BGH — 4 StR 49/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-03-17

Aktenzeichen: 4 StR 49/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 5 Abs 3 JGG, § 31 Abs 2 S 1 JGG, § 55 Abs 2 StGB, § 64 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Rostock, 11. Oktober 2010, Az: 12 KLs 30/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Leitsatz

(Jugendgerichtsurteil: Einbeziehung einer Maßregelanordnung aus einem früheren Urteil)

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Rostock vom 11. Oktober 2010 im Rechtsfolgenausspruch mit den Feststellungen aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere als Jugendkammer zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weiter gehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und wegen versuchter Nötigung unter Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts Schwerin vom 20. Juli 2007 zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt und die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt aufrechterhalten. Hiergegen richtet sich die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Sie hat zum Rechtsfolgenausspruch Erfolg; zum Schuldspruch ist sie dagegen unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Wird ein früheres Urteil gemäß § 31 Abs. 2 Satz 1 JGG in die nunmehrige Entscheidung einbezogen, so entfallen die in dem einbezogenen Urteil verhängten Rechtsfolgen, als wäre diese Entscheidung nicht ergangen. Dies gilt auch, wenn in dem früheren Urteil Maßregeln verhängt worden waren (BGH, Urteil vom 27. Oktober 1993 - 3 StR 432/93; Beschluss vom 12. Juni 1996 - 2 ARs 130/96, NStZ 1997, 100, 101; zur Zulässigkeit der Einbeziehung, wenn - wie vorliegend - in dem einbezogenen Urteil im Hinblick auf eine angeordnete Unterbringung gemäß § 5 Abs. 3 JGG von der Verhängung einer Jugendstrafe abgesehen wurde: BGH, Urteil vom 9. Dezember 1992 - 3 StR 434/92, BGHSt 39, 92, 93).

3 Der die Entscheidung einbeziehende Tatrichter hat deshalb die Voraussetzungen für die Anordnung der Maßregel neu zu prüfen und sie gegebenenfalls neu festzusetzen (BGH, Beschluss vom 1. Dezember 1987 - 4 StR 577/87, BGHR JGG § 31 Abs. 2 Einbeziehung 1).

4 2. Dem hat das Landgericht nicht entsprochen.

5 Es hat vielmehr - wie in den Fällen des § 55 Abs. 2 StGB - ausgesprochen, dass die Maßregel aufrechtzuerhalten sei. Auch die Entscheidungsgründe lassen nicht erkennen, dass die Jugendkammer die Voraussetzungen des § 64 StGB erneut vollständig geprüft hat, wozu jedoch schon deshalb Anlass bestand, weil der Angeklagte weder die nunmehr abgeurteilte, noch einen Großteil der mehr als 30 in der einbezogenen Entscheidung abgeurteilten Taten unter dem Einfluss berauschender Mittel begangen hat. Soweit das Urteil dies wiedergibt, stand der Angeklagte lediglich bei den mehr als vier Jahre zurückliegenden Taten vom 14. August und vom 25. November 2006 unter Alkoholeinfluss (Tatzeit-BAK von ca. 0,7 bzw. 1,3 Promille).

6 Hinzu kommt, dass die Jugendkammer - weshalb auch die von ihr verhängte Jugendstrafe aufzuheben ist - §§ 5 Abs. 3, 105 Abs. 1 JGG unerörtert gelassen hat.

7 3. Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat darauf hin, dass die zur neuen Entscheidung berufene Jugendkammer auch zu prüfen haben wird, ob die Verurteilung zu einer Geldstrafe in dem Urteil des Amtsgerichts Stralsund vom 27. Mai 2009 erledigt ist (vgl. BGH, Beschluss vom 1. Juni 2010 - 4 StR 208/10).

Ernemann Roggenbuck Cierniak

Mutzbauer Bender

Parole chiave

juvenile criminal lawinclusion of prior judgmentmeasuredrug treatment detentionrevisionsentencingremand

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether a previously ordered measure can be left in place when an earlier juvenile judgment is included under § 31(2) JGG.

Decisione estratta

No. Inclusion under § 31(2) JGG extinguishes the legal consequences of the included judgment; any measure previously ordered must be reassessed and newly decided.

Motivazione estratta

The court held that inclusion makes the earlier decision legally as if it had never been issued. This also applies to measures. The trial court therefore had to examine the prerequisites of § 64 StGB anew instead of merely maintaining the measure.

Questione giuridica chiave

Whether the juvenile sentence and related findings could stand despite the trial court's failure to consider §§ 5(3), 105(1) JGG and to reassess the measure under § 64 StGB.

Decisione estratta

No. Because the measure was not freshly examined and the JGG provisions were not addressed, the sentencing portion including the findings had to be set aside.

Motivazione estratta

The court found that the lower court treated the measure like a continued order under § 55(2) StGB and did not fully recheck the statutory basis; this error tainted the youth sentence as well.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.