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BGH 4 StR 347/10 ΓÇó Unzuständiges Erwachsenengericht in youth case is absolute revision ground
BGH 4 StR 347/10Bgh / Criminal Chamber 417 ago 2010Annulled
The Federal Court of Justice allowed the accused's revision. The Regional Court of Essen had convicted her to a total term of six years and nine months for drug offenses, but the judgment was set aside because the case should have been heard by a youth chamber. The court held that the lack of youth-court jurisdiction constituted an absolute ground for revision under § 338 Nr. 4 StPO and that no prior objection was required. The matter was remitted for a new trial and decision, including costs, before the competent youth chamber.
§ 338 Nr. 4 StPO; §§ 107, 108 Abs. 1, 33 JGG; jurisdiction of the adult court in proceedings against a young adult: If a case that must be tried by a youth court is heard and decided by an adult criminal chamber lacking youth-court competence, an absolute ground for revision exists. The objection is admissible even if the defendant did not raise the jurisdictional issue in the trial court, because no provision equivalent to § 6a StPO applies to the allocation between adult and youth jurisdiction. Where the accused was a young adult at the time of the first established offense, the youth court has jurisdiction under the JGG; a judgment rendered by the wrong court is to be set aside and the case remitted for a new hearing and decision (consid. 2-4).
Entscheidungsdatum: 2010-08-17
Aktenzeichen: 4 StR 347/10
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 6a StPO, § 338 Nr 4 StPO, § 33 JGG, § 107 JGG, § 108 Abs 1 JGG
Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 16. Februar 2010, Az: 26 KLs 19/10 - 71 Js 274/08, Urteil
Spruchkörper: 4. Strafsenat
Revision im Strafverfahren: Entscheidung des unzuständigen Erwachsenengerichts in einem Verfahren gegen Heranwachsende
Auf die Revision der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 16. Februar 2010 mit den Feststellungen aufgehoben.
Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine Jugendkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat die Angeklagte wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen Verabredung zur unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Dagegen wendet sich die Angeklagte mit ihrer auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat mit einer Verfahrensrüge Erfolg.
2 Die Beschwerdeführerin beanstandet zu Recht, dass nicht das Erwachsenen-, sondern das Jugendgericht zuständig gewesen wäre. Es liegt der absolute Revisionsgrund des § 338 Nr. 4 StPO vor.
3 a) Die Rüge ist zulässig. Ihr steht nicht entgegen, dass die Angeklagte in dem Verfahren vor der Strafkammer keinen Einwand gegen die Zuständigkeit des Erwachsenengerichts erhoben hat. Eine dem § 6 a StPO entsprechende Vorschrift sieht das Gesetz für das Verhältnis von Erwachsenen- und Jugendgericht nicht vor (BGH, Beschluss vom 9. Oktober 2002 – 2 StR 344/02, BGHR StPO § 338 Nr. 4 Jugendgericht 3; BGH, Urteil vom 23. Mai 2002 – 3 StR 58/02, BGHSt 47, 311, 313 m.w.N.).
4 b) Die Rüge ist auch begründet. Die – zunächst auch gegen drei erwachsene Mitangeklagte geführte – Hauptverhandlung fand vor der VI. Strafkammer des Landgerichts Essen statt, der keine Zuständigkeiten als Jugendkammer zugewiesen waren. Die am 20. Januar 1985 geborene Angeklagte hat die erste festgestellte Kurierfahrt im November 2005 unternommen, war mithin bei dieser Tat Heranwachsende. Aus diesem Grund wäre für die Verhandlung und Entscheidung der Sache gemäß §§ 107, 108 Abs. 1, 33 JGG das Jugendgericht zuständig gewesen.
Ernemann Solin-Stojanović Roggenbuck
Cierniak Franke