Failure to examine placement in addiction treatment facility

BGH 4 StR 241/10Bgh / Criminal Chamber 429 giu 2010Partially Granted

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Sintesi Omnilex

The Federal Court of Justice partially upheld the defendant's revision against a Regional Court of Essen judgment for robbery theft. The trial court had sentenced him to two years' imprisonment but failed to consider placement in an addiction treatment facility under Section 64 StGB. Because the findings suggested a drug-dependent motivation and a treatment prospect was not excluded, the omission required reversal on that point. The prison sentence itself was not affected. The case was remitted to another criminal chamber of the Regional Court, which must also decide the costs of the appeal.

Massima Omnilex

§ 64 StGB; duty to examine placement in an addiction treatment facility after the 2007 amendment; the court must ordinarily order the measure where its prerequisites are met and may refrain only in exceptional cases. A failure to consider the measure constitutes a reversible legal error when the findings indicate a drug addiction nexus and do not rule out a concrete prospect of treatment success. The fact that placement is no longer mandatory does not dispense with judicial examination and decision (consid. 2-5). A partial reversal limited to the omitted measure leaves the sentence intact where it can be excluded that the trial court would have imposed a lower punishment if the measure had been ordered (consid. 6).

Testo completo

BGH — 4 StR 241/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-06-29

Aktenzeichen: 4 StR 241/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 64 S 1 StGB vom 16.07.2007

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 5. Februar 2010, Az: 51 KLs 38/09 - 58 Js 466/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: Absehen von der Unterbringungsanordnung nach Gesetzesänderung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 5. Februar 2010 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit eine Entscheidung über die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterblieben ist.

  2. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen räuberischen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Hiergegen richtet sich die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Das Urteil kann nicht bestehen bleiben, soweit eine Entscheidung über die Frage der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) unterblieben ist.

3 Nach den Feststellungen kam der Angeklagte bereits frühzeitig mit Drogen in Kontakt. Er konsumierte ab seinem vierzehnten Lebensjahr Haschisch. Erstmals im Jahr 1991 kam der Angeklagte mit Heroin in Berührung, das er zunächst rauchte und später spritzte. Zuletzt lag sein Bedarf bei 0,4 Gramm pro Tag. Die abgeurteilte Tat beging der Angeklagte zur Finanzierung seines Heroinkonsums.

4 Angesichts dieser Feststellungen liegt es nahe, dass die abgeurteilte Tat auf einen Hang des Angeklagten zurückgeht, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen (vgl. BGH, Beschl. vom 7. Oktober 2008 - 4 StR 257/08 m.w.N.). Daher hätte das Landgericht prüfen und entscheiden müssen, ob die Voraussetzungen für die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt gegeben sind. Die vom Landgericht unterlassene Prüfung erweist sich auch nicht deshalb als entbehrlich, weil nach § 64 Satz 1 StGB in der Fassung des Gesetzes zur Sicherung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus und in einer Entziehungsanstalt vom 16. Juli 2007 (BGBl I 1327) die Maßregel nicht mehr zwingend angeordnet werden muss (BGH, Beschl. vom 17. November 2009 - 4 StR 375/09; Beschl. vom 13. November 2007 - 3 StR 452/07, NStZ-RR 2008, 73; Beschl. vom 31. März 2010 - 2 StR 76/10). Denn das Gericht "soll" die Unterbringung anordnen, wenn die Voraussetzungen des § 64 StGB vorliegen. Lediglich in besonderen Ausnahmefällen darf es von der Unterbringungsanordnung absehen (BTDrucks. 16/5137, S. 10; 16/1344, S. 12). Bei der ausdrücklich erklärten Therapiebereitschaft des Angeklagten ist nicht anzunehmen, dass es an der hinreichend konkreten Aussicht eines Behandlungserfolges (§ 64 Satz 2 StGB) fehlt (vgl. BGH, Beschl. vom 5. Mai 1995 - 2 StR 150/95, BGHR StGB § 64 Abs. 1 Erfolgsaussicht 6).

5 Dass nur der Angeklagte Revision eingelegt hat, hindert die Nachholung der Unterbringungsanordnung nicht (BGHSt 37, 5). Der Beschwerdeführer hat die Nichtanwendung des § 64 StGB durch das Tatgericht nicht von seinem Rechtsmittelangriff ausgenommen.

6 Der Rechtsfehler führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils insoweit. Der Strafausspruch wird von der Teilaufhebung nicht berührt. Der Senat kann ausschließen, dass das Landgericht bei Anordnung der Unterbringung eine geringere Strafe verhängt hätte.

ErnemannSolin-StojanovićRoggenbuck
RiBGH Dr. Franke befindet
sich im Urlaub und ist daher
gehindert zu unterschreiben.
ErnemannBender

Parole chiave

addiction treatmentplacement measuredrug dependencyrevisionsentencingremandtherapy prospect

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the trial court had to examine placement in an addiction treatment facility under Section 64 StGB

Decisione estratta

The conviction could not stand because the trial court failed to examine and decide on placement under Section 64 StGB, although the findings made such a measure appear likely.

Motivazione estratta

The facts indicated a longstanding drug addiction and that the offense financed heroin use. Under the amended Section 64 StGB, placement is no longer mandatory, but the court must order it unless exceptional cases justify departure; such exceptional circumstances were not shown, and treatment success was not excluded given the defendant's stated willingness to undergo therapy.

Questione giuridica chiave

Whether the sentence could remain unaffected despite the partial reversal

Decisione estratta

The term of imprisonment remained unaffected because the appellate court excluded that the trial court would have imposed a lower sentence if the measure had been ordered.

Motivazione estratta

The error concerned only the omitted measure; it did not affect the sentencing assessment.

Questione giuridica chiave

Whether the remainder of the revision was well founded

Decisione estratta

The remaining complaints were unfounded.

Motivazione estratta

Outside the omitted Section 64 examination, no reversible legal error was identified.

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