Insolvency stay and unlawful single-judge referral

BGH VIII ZB 81/09Bgh / Civil Chamber 827 apr 2010Granted

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Sintesi Omnilex

The landlord's appeal against the stay of an eviction-and-rent action was successful. The Federal Court of Justice held that the appeal remained admissible even though leave had been granted by a single judge contrary to the referral rule. However, the appellate decision was unlawful because the single judge, having considered the case to be of fundamental importance, should have referred it to the panel. This violated the constitutional right to the lawful judge. The matter was remitted to the District Court of Schwerin for a fresh decision, and no court fees were charged for the appeal proceedings.

Massima Omnilex

§ 568 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, § 574 Abs. 3 S. 2 ZPO; Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG: Grants of leave to appeal issued by a single judge in breach of the mandatory referral to the panel remain binding on the reviewing court. If the single judge, in granting leave, at the same time treats the matter as of fundamental importance, the decision is objectively arbitrary and infringes the right to the lawful judge; this defect must be taken into account ex officio. A case may be stayed under § 240 ZPO only if it was already pending at the time insolvency proceedings were opened.

Testo completo

BGH — VIII ZB 81/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-04-27

Aktenzeichen: VIII ZB 81/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 240 ZPO, § 574 Abs 3 S 2 ZPO, § 568 S 2 Nr 2 ZPO, Art 101 Abs 1 S 2 GG

Vorinstanz: vorgehend LG Schwerin, 15. Oktober 2009, Az: 5 T 242/09, Beschlussvorgehend AG Grevesmühlen, 17. Juli 2009, Az: 5 C 353/08

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Mietrechtstreit auf Räumung und Zahlung rückständiger Miete: Verfahrensunterbrechung in der Insolvenz des Mieters; Folgen der Zulassung einer Rechtsbeschwerde durch den Einzelrichter

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluss des Einzelrichters der 5. Zivilkammer des Landgerichts Schwerin vom 15. Oktober 2009 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.

Gerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden nicht erhoben.

Beschwerdewert: bis 1.000 €

Gründe

I.

1 Die Beklagten zu 2 und 3 haben im Jahr 2004 vom Kläger ein Haus in B. zu einer monatlichen Miete von 610 € gemietet. Der (frühere) Beklagte zu 1 ist in dem am 13. März 2008 eröffneten Insolvenzverfahren über das Vermögen des Beklagten zu 3 zum Insolvenzverwalter bestellt worden.

2 Mit Schreiben vom 2. September 2008 kündigte der Kläger das Mietverhältnis wegen eines zwei Monatsmieten übersteigenden Zahlungsrückstands fristlos. Die von ihm erhobene Räumungsklage hat der Kläger zunächst gegen den Beklagten zu 1 als Insolvenzverwalter sowie gegen die Beklagte zu 2 gerichtet. Letztere hat er darüber hinaus auf Zahlung rückständiger Miete und Nutzungsentschädigung bis zur Herausgabe der Wohnung in Anspruch genommen. Die Klage ist der Beklagten zu 2 am 15. Dezember 2008 zugestellt worden. Kurz zuvor, am 10. Dezember 2008, war auch über ihr Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

3 Nach dem Hinweis des Beklagten zu 1, dass er das Mietobjekt nicht in Besitz genommen habe, hat der Kläger die Klage gegen diesen zurückgenommen und die Räumungsklage auf den Beklagten zu 3 erweitert.

4 Das Amtsgericht hat mit Beschluss vom 17. Juli 2009 die Unterbrechung des Verfahrens gemäß § 240 ZPO festgestellt. Das Landgericht hat die Beschwerde des Klägers mit Beschluss des Einzelrichters vom 15. Oktober 2009 zurückgewiesen. Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde wendet sich der Kläger gegen die Feststellung, dass der Rechtsstreit unterbrochen sei.

II.

5 Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch im Übrigen (§ 575 ZPO) zulässig. Die Zulassung der Rechtsbeschwerde ist nicht deshalb unwirksam, weil der Einzelrichter sie zugelassen hat, obwohl er bei Annahme einer grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache das Verfahren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Richtern besetzten Kammer hätte übertragen müssen. An eine unter Verstoß gegen § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO erfolgte Zulassung ist das Rechtsbeschwerdegericht gemäß § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO gleichwohl gebunden (BGHZ 154, 200, 201).

6 Das Rechtsmittel ist auch begründet. Die angefochtene Entscheidung unterliegt bereits deshalb der Aufhebung, weil sie unter Verletzung des Verfassungsgebots des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ergangen ist. Der Einzelrichter hat bei Rechtssachen, denen er - wie hier - grundsätzliche Bedeutung beimisst, zwingend das Verfahren an das Kollegium zu übertragen. Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters. Dieser Verstoß ist vom Rechtsbeschwerdegericht von Amts wegen zu berücksichtigen (BGHZ aaO, 202 ff.).

7 Die Sache ist deshalb unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses an das Beschwerdegericht zurückzuverweisen. Hinsichtlich der Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens macht der Senat von der Möglichkeit des § 21 GKG Gebrauch.

8 Für das weitere Verfahren weist der Senat darauf hin, dass nur ein im Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bereits rechtshängiger Prozess gemäß § 240 ZPO unterbrochen werden kann (BGH, Beschluss vom 11. Dezember 2008 - IX ZB 232/08, WM 2009, 332, Tz. 9 ff.).

Ball Dr. Frellesen Dr. Milger

Dr. Achilles Dr. Fetzer

Parole chiave

insolvency staylawful judgesingle judgeremittalcivil procedureappeal admissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the complaint appeal was admissible despite the single judge's improper authorization of the appeal

Decisione estratta

The appeal was admissible; the Federal Court of Justice is bound by the single judge's authorization even if it violated the transfer rule.

Motivazione estratta

A violation of section 568(2) no. 2 ZPO does not invalidate the authorization of the appeal for the court of appeal; under section 574(3) sentence 2 ZPO the reviewing court remains bound.

Questione giuridica chiave

Whether the appellate decision had to be set aside because it was issued by the single judge despite the case's fundamental importance

Decisione estratta

Yes. The decision violated the constitutional right to the lawful judge and had to be quashed ex officio.

Motivazione estratta

If a single judge deems a case of fundamental importance, he must refer it to the panel. Granting leave to appeal while simultaneously assuming fundamental importance is objectively arbitrary and breaches Article 101(1) sentence 2 GG.

Questione giuridica chiave

Whether the case had to be remitted for a new decision and how costs of the appeal were to be handled

Decisione estratta

The matter was remitted to the appellate court for a new decision, including on the costs of the appeal proceedings; no court fees were charged for the appeal proceedings.

Motivazione estratta

Because the appellate decision was set aside, the case had to be returned. The Senate also used the discretion under section 21 GKG regarding costs.

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