No Retroactive Constitutional Complaints Against Earlier Final Judgments

4/92Corte costituzionale30 giu 1992Diritto costituzionaleInammissibile

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The complainant filed a Berlin constitutional complaint on 6 April 1992 against judgments of the Berlin Regional Court, Tempelhof-Kreuzberg Local Court, Berlin Court of Appeal, and Schöneberg Local Court. The challenged judgments had become final before the State Constitutional Court Act entered into force on 2 December 1990. The Constitutional Court held that the newly created state-law constitutional complaint did not apply retroactively to judgments already final, and that no transitional provision extended review to those decisions. It therefore rejected the complaint as inadmissible under § 23 sentence 1 VerfGHG.

Massima Omnilex

§ 58(1) sentence 2 VerfGHG; temporal application of the Berlin constitutional complaint. New procedural provisions generally govern pending proceedings from their entry into force, but do not affect proceedings already concluded with finality under the previous procedural law unless a transitional rule provides otherwise. The possibility of challenging final judgments of Berlin courts by a state-law constitutional complaint arose only upon the entry into force of the VerfGHG on 2 December 1990. Neither the Act nor Art. II(2) of the First Amendment Act created a transitional remedy against judgments that had become final before that date; a rule postponing the commencement of filing periods presupposes a decision subject to review and does not reopen earlier final judgments.

Testo completo

Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin — 4/92 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 1992-06-30

Aktenzeichen: 4/92

ECLI: ECLI:DE:VERFGBE:1992:0630.4.92.0A

Dokumenttyp: Beschluss

Rechtskraft: ja

Orientierungssatz

  1. Die Möglichkeit, eine landesrechtliche Verfassungsbeschwerde gegen rechtskräftige Urteile von Berliner Gerichten zu erheben, ist erst durch das Inkrafttreten des VGHG BE am 1990-12-02 eröffnet worden (VGHG BE § 58 Abs 1 S 2).

  2. Hier: Die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers ist unzulässig, da sie sich gegen Urteile richtet, die bereits vor dem Inkrafttreten des VGHG BE rechtskräftig geworden waren.

Verfahrensgang

vorgehend LG Berlin, 2. Mai 1960, 71 S 121/59, Urteil vorgehend AG Tempelhof-Kreuzberg, 17. Februar 1959, 10 C 126/58, Urteil vorgehend KG Berlin, 7. April 1959, 3 U 4393/77, Urteil vorgehend AG Schöneberg, 10. Oktober 1977, 8/9 C 669/76, Urteil

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig; sie wird gemäß § 23 Satz 1VerfGHG verworfen.

2 Der Beschwerdeführer wendet sich mit seiner Verfassungsbeschwerde vom 6. April 1992 gegen die Urteile des Landgerichts Berlin vom 2. Mai 1960 (71 S 121/59) und des Amtsgerichts Tempelhof- Kreuzberg vom 17. Februar 1959 (10 C 126/58) einerseits sowie die Urteile des Kammergerichts vom 7. April 1978 (3 U 4393/77) und des Amtsgerichts Schöneberg vom 10. Oktober 1977 (8/9 C 669/76) andererseits. Durch Schreiben des Gerichts vom 27. April 1992 ist er auf Bedenken gegen die Zulässigkeit seiner Beschwerde hingewiesen worden. Aus diesem Grunde bedarf dieser Beschluß insoweit § 23 Satz 2 VerfGHG keiner weiteren Begründung.

3 Unabhängig davon aber ist die Verfassungsbeschwerde auch deshalb unzulässig, weil die Urteile, gegen die sie sich richtet, bereits rechtskräftig geworden waren, bevor das Gesetz über den Verfassungsgerichtshof vom 8. November 1990 (GVBl. S. 2246/GVABl. S. 510) am 2. Dezember 1990 in Kraft getreten ist (§ 58 Abs. 1 Satz 2 VerfGHG).

4 Nach allgemeinen Grundsätzen des Verfahrensrechts gelten neue Verfahrensvorschriften auch für anhängige Verfahren. Verfahren hingegen, die beim Inkrafttreten eines neuen Gesetzes nach den bisher geltenden Verfahrensvorschriften bereits rechtskräftig abgeschlossen waren, werden von neuen Vorschriften nicht mehr berührt, es sei denn, daß besondere Übergangsvorschriften dies anordnen. Diese Grundsätze sind maßgebend auch für Verfassungsbeschwerden des Bundesrechts (vgl. dazu BVerfG, u.a. Beschlüsse vom 27. September 1951 - 1 BvR 61/51 - BVerfGE 1, 4 f. und vom 18. September 1952 - 1 BvR 49/51 - BVerfGE 1, 433, 435) und des Berliner Landrechts.

5 Die Möglichkeit, eine landesrechtliche Verfassungsbeschwerde gegen rechtskräftige Urteile von Berliner Gerichten zu erheben, ist erst durch das Inkrafttreten des Gesetzes über den Verfassungsgerichtshof vom 8. November 1990 eröffnet worden. Von der Aufnahme einer Übergangsregelung, die anordnet, selbst vor Inkrafttreten dieses Gesetzes wirksam gewordene gerichtliche Entscheidungen könnten mit einer Verfassungsbeschwerde angegriffen werden, hat der Gesetzgeber abgesehen. Um eine solche Übergangsregelung handelt es sich auch nicht bei Art. II Abs. 2 des Ersten Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über den Verfassungsgerichtshof vom 11. Dezember 1991 (GVBl. S. 280). Diese Vorschrift läßt zwar die zur Geltendmachung von Rechten aufgrund des Gesetzes über den Verfassungsgerichtshof einzuhaltenden Fristen erst einen Monat nach der Wahl der Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes beginnen, setzt aber eine der Überprüfung durch den Verfassungsgerichtshof unterliegende gerichtliche Entscheidung voraus, betrifft mithin keine Entscheidungen, die vor dem 2. Dezember 1990 rechtskräftig geworden sind.

6 Die Entscheidung über die Kosten beruht auf §§ 33 f. VerfGHG.

7 Dieser Beschluß ist unanfechtbar.

Permalink

Parole chiave

constitutional complainttemporal application of procedural lawfinality of judgmentstransitional provisionsadmissibility

The complaint could not challenge judgments that had already become final before the Act took effect.

New procedural rules apply to pending cases, but ordinarily do not reopen cases already concluded with finality. The Act contained no transitional provision extending constitutional review to earlier final judgments.

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