No liability for unpaid family allowance contributions

AK.2003.00031Tribunale delle assicurazioni sociali21 mag 2007Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Zurich Social Insurance Court dealt with appeals by three former organs of the bankrupt A.___ AG against damage decisions of the cantonal family allowance fund requiring payment of unpaid contributions. After related proceedings in Zug had ended with a final finding that the organs bore no fault for the corresponding social insurance damage, the respondent withdrew from the claim and maintained the objections decisions no longer. The court held that the missing fault element also defeated liability for the cantonal family allowance contributions, allowed the appeals, annulled the objection decisions, declared the proceedings free of charge, and awarded party costs to all three appellants.

Massima Omnilex

Art. 52 AHVG; Art. 81 f. AHVV; § 33 Gesetz über Kinderzulagen für Arbeitnehmer: The liability regime for employer damage caused by intentional or grossly negligent violation of insurance obligations applies by analogy to cantonal family allowance contributions. In addition to damage, liability requires fault and adequate causation. If a final judgment in related proceedings excludes culpable conduct of the responsible organs in respect of the same factual complex, the fault prerequisite is also lacking for the cantonal claim, so the damage decision cannot stand (consid. 1-2). Prevailing appellants are entitled to party costs under cantonal procedural law and Art. 61 lit. g ATSG; costs are assessed according to complexity and judicial discretion, irrespective of the amount in dispute (consid. 3).

Testo completo

AK.2003.00031

Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich

I. Kammer

Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende

Sozialversicherungsrichter Spitz

Ersatzrichterin Maurer Reiter

Gerichtssekretärin Häny

Urteil vom 22. Mai 2007

in Sachen

1. S.___

2. K.___

3. R.___

Beschwerdeführer

Beschwerdeführer 1 vertreten durch Rechtsanwältin Gabriela Grimm Zwicky

c/o S.___ & Grimm, Rechtsanwälte

Rigistrasse 1, 6300 Zug

Beschwerdeführer 2 und 3 vertreten durch Rechtsanwalt Rolf Kuhn

c/o Lutz Rechtsanwälte

Forchstrasse 2/Kreuzplatz, Postfach, 8032 Zürich

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse

Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich

Beschwerdegegnerin

Sachverhalt:

1. Mit Schadenersatzverfügungen vom 16. und vom 22. Januar 2003 hatte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, die ehemaligen Organe der konkursiten A.___ AG (mit Sitz in B.___; Urk. 4/3), S.___, K.___ und R.___, zur Bezahlung nicht abgelieferter Beiträge an die Familienausgleichskasse in der Höhe von Fr. 23’097.75 (Urk. 3/2 = 13/30; Urk. 13/28 und 13/29) für die Zeit vom 1. September 2000 bis zum 31. Mai 2001 (Urk. 13/47) verpflichtet. Auf Einsprache hin hatte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse, an dieser Forderung mit Einspracheentscheiden vom 2. und vom 3. April 2003 festgehalten (Urk. 2/1-3).

2. Dagegen erhoben die Verpflichteten am 24. und am 30. April 2003 Beschwerde (Urk. 1/1-3). In der Beschwerdeantwort vom 8. September 2003 (Urk. 12) schloss die Familienausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerden. In den Replikschriften vom 22. Oktober 2003 (Urk. 21 und 23) sowie vom 29. Dezember 2003 (Urk. 29) liessen sich die Beschwerdeführer nochmals vernehmen und verschiedene prozessuale Anträge stellen. Mit Zuschrift vom 21. Januar 2004 (Urk. 33) verzichtete die Ausgleichskasse auf eine Duplik. Mit Verfügung vom 23. Januar 2004 (Urk. 34) wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen.

Aus den Parteidarstellungen und den Akten ergab sich, dass die Ausgleichskasse des Kantons Zug S.___ - unter solidarischer Haftbarkeit mit K.___ und R.___ - zur Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe von Fr. 117'460.50 verpflichtet hatte (vgl. Verfügung vom 11. Juni 2003; Urk. 30/1). Die Forderung beinhaltete der Ausgleichskasse des Kantons Zug entgangene Sozialversicherungsbeiträge (bundesrechtliche und FAK-Beiträge) für die Zeit vom 7. September 2000 bis zum 29. Mai 2001 (Urk. 30/1 S. 2).

Da die Betroffenen auch gegen diese Verfügung Einsprache erhoben hatten, und sich sowohl im Verfahren gegenüber der Ausgleichskasse des Kantons Zug als auch in dem am hiesigen Gericht hängigen Verfahren unter anderem die Frage des Verschuldens der subsidiär haftenden Organe der konkursiten Gesellschaft stellte, wurde das vorliegende Verfahren mit Verfügung vom 8. Juli 2004 bis zur rechtskräftigen Erledigung der von der Ausgleichskasse des Kantons Zug geltend gemachten Schadenersatzforderung sistiert (Urk. 39).

Mit Zuschrift vom 19. März 2007 (Urk. 43) liessen K.___ und R.___ die Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 24. November 2005 sowie den Entscheid des Bundesgerichts (sozialrechtliche Abteilung) vom 12. Februar 2007 einreichen (Urk. 44/1-3). Das Gericht zog das S.___ betreffende Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug bei (Urk. 45 und 46), hob die Sistierung des Verfahrens auf und setzte der Familienausgleichskasse mit Verfügung vom 10. April 2007 (Urk. 47) Frist zur Stellungnahme an. Mit Zuschrift vom 25. April 2007 teilte diese nun mit, an der Schadenersatzforderung und damit an den angefochtenen Einspracheentscheiden vom 2. und 3. April 2003 werde nicht mehr festgehalten (Urk. 49).

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG).

Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG und Art. 81 f. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts finden mangels eigener Bestimmungen auch auf die kantonalrechtlichen Beiträge für die Familienausgleichskasse Anwendung (§ 33 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer; nicht publiziertes Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts in Sachen A. vom 30. Juni 1997, 2P.251/1996).

Nebst dem Vorliegen eines Schadens sind als weitere Voraussetzungen ein Verschulden sowie der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem pflichtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers beziehungsweise der subsidiär haftenden Organe und dem Eintritt des Schadens notwendig.

2. Der Schadenersatzforderung der Familienausgleichskasse liegt die Auffassung zugrunde (Urk. 2/1-3 und 12), die A.___ AG habe in der Zeit vom 1. September 2000 bis zum 31. Mai 2001 in grobfahrlässiger Weise die geschuldeten Beiträge an die Familienausgleichskasse nicht abgeliefert, weshalb die ehemaligen Organe des Unternehmens für den entstandenen Schaden subsidiär haftbar seien.

Mit Urteilen vom 24. November 2005 hat das Verwaltungsgericht des Kantons Zug mit Bezug auf die von der kantonalen Ausgleichskasse geltend gemachten bundesrechtlichen Sozialversicherungsbeiträge entschieden, es sei der Ausgleichskasse mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schaden entstanden, allerdings in einem deutlich reduzierteren Ausmass als eingefordert werde (Urk. 44/2+3 je S. 25 f. und Urk. 46 S. 27). Ein den ehemaligen Organen der konkursiten Firma anzulastendes Verschulden hat das Gericht verneint (Urk. 44/2+3 je S. 29 und Urk. 46 S. 30 f.). Das Bundesgericht hat die von der Ausgleichskasse des Kantons Zug erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit Urteil vom 12. Februar 2007 abgewiesen (Urk. 44/1). Damit steht rechtskräftig fest, dass die ehemaligen Organe an dem der Ausgleichskasse des Kantons Zug entstandenen Schaden hinsichtlich bundesrechtlicher Sozialversicherungsbeiträge kein haftungsbegründendes Verschulden trifft.

Mit dem fehlenden Verschulden entfällt jedoch auch die Voraussetzung für die Haftbarkeit und Verpflichtung zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Beiträge an die kantonale Familienausgleichskasse.

Die Beschwerden sind daher gutzuheissen und die Einspracheentscheide vom 2. und 3. April 2003 sind aufzuheben.

3. Die obsiegenden Beschwerdeführer haben gestützt auf § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) in Verbindung mit Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese sind ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts in Sachen L. vom 13. Dezember 2005, C 28/05) und nach richterlichem Ermessen, basierend auf dem gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 200.-- pro Stunde, auf Fr. 2'900.-- zugunsten des Beschwerdeführers 1 und auf je Fr. 2'000.-- zugunsten der Beschwerdeführer 2 und 3 (je einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin festzusetzen.

Das Gericht erkennt:

1. In Gutheissung der Beschwerden werden die angefochtenen Einspracheentscheide vom 2. und vom 3. April 2003 aufgehoben.

2. Das Verfahren ist kostenlos.

3. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, die Beschwerdeführer wie folgt zu entschädigen:

  •     den Beschwerdeführer 1 mit Fr. 2'900.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
    
  •      den Beschwerdeführer 2 mit Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) und
    
  •      den Beschwerdeführer 3 mit Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
    

4. Zustellung gegen Empfangsschein an:

  •  Rechtsanwältin Gabriela Grimm Zwicky unter Beilage einer Kopie von Urk. 49
    
  •  Rechtsanwalt Rolf Kuhn unter Beilage einer Kopie von Urk. 49
    
  •  Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Familienausgleichskasse
    
  •  Bundesamt für Sozialversicherungen
    

5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).

Parole chiave

social insurance liabilityfamily allowance contributionsfaultdamage claimsubsidiary liabilityannulmentparty costsstay of proceedings

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the former organs were liable under Art. 52 AHVG and cantonal law for unpaid family allowance contributions.

Decisione estratta

No. Once the required fault element was absent, the prerequisite for liability and damages for the cantonal family allowance fund also failed.

Motivazione estratta

The court followed the final findings in the related Zug proceedings that the former organs bore no liability-triggering fault for the corresponding social insurance damage. Without fault, there can be no subsidiary damages liability for the family allowance contributions.

Questione giuridica chiave

Whether the contested objection decisions had to be annulled.

Decisione estratta

Yes. The objection decisions of 2 and 3 April 2003 were set aside.

Motivazione estratta

Because the substantive basis for the damage claim no longer existed, the challenged decisions could not stand.

Questione giuridica chiave

Whether the appellants were entitled to party costs.

Decisione estratta

Yes. Each appellant received a costs indemnity payable by the respondent.

Motivazione estratta

As prevailing parties, they were entitled to reimbursement of their legal costs under cantonal procedural law and the ATSG.

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