Appeal admissible despite voluntary surrender after seizure warning

OG 1993 49Altro tribunale5 set 1993Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

In a criminal investigation, the Amtsstatthalter ordered the police to demand the surrender of potential evidence and warned that seizure would follow if delivery was refused. The accused appealed. The private complainant argued that the appeal was inadmissible because the accused had voluntarily handed over the objects, so the threatened seizure never took effect. The court held that, as a matter of practice, an appeal remains available even where the requested objects are surrendered after such a warning: the compliance is only relative, because the handover is prompted by the impending seizure and possible search. The court therefore admitted the appeal.

Massima Omnilex

§ 115 Abs. 3 StPO; admissibility of appeal against a handover order with threatened seizure after delivery of the requested items; even where the addressee surrenders objects after being warned of seizure, the compliance is only relative and does not eliminate the right to challenge the order. The practical coercive effect of the threatened seizure, and possibly a house search, means that the person affected retains a legal interest in review. Where the objects requested are not described in detail, the surrendering person cannot generally be accused of having produced more or different items than requested, save for clearly unrelated objects (consid. ...).

Testo completo

Im Zusammenhang mit einer Strafuntersuchung erliess der Amtsstatthalter am 19. Juli 1993 an die Kantonspolizei eine Herausgabeverfügung. In der Rechtsbelehrung wies er darauf hin, der Betroffene sei aufzufordern, alle als Beweismittel in Frage kommenden Gegenstände, Dokumente usw. herauszugeben (§ 114 Abs. 1 StPO). Werde die Herausgabe verweigert, so werde die Beschlagnahme angeordnet (§ 115 Abs. 1 StPO).

Gegen die Herausgabeverfügung bzw. Anordnung der Beschlagnahme reichte X. Rekurs ein. In der Vernehmlassung beantragte die Privatklägerin, der Rekurs sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Sie machte geltend, in der angefochtenen Verfügung sei die Beschlagnahme der herauszugebenden Sachen nur für den Fall der nicht freiwilligen Herausgabe angedroht worden. Der Angeschuldigte habe die Gegenstände freiwillig ausgehändigt, so dass der Beschlagnahmebefehl nicht zum Tragen gekommen sei. Wenn der Angeschuldigte bei dieser Sachlage wegen der vorsorglichen Anordnung der Beschlagnahme eine Verletzung der §§ 114 und 115 StPO in formeller Hinsicht geltend mache, sei der Rekurs abzuweisen. Sollte der Angeschuldigte beanstanden, dass der Gegenstand Y. beschlagnahmt worden sei, obwohl er den fraglichen Gegenstand freiwillig herausgegeben habe, könnte auf den Rekurs nicht eingetretcn werden, weil es am Rechtsschutzinteresse fehle.

Dazu wurde festgehalten:

Es entspricht der Praxis, dass auch diejenige Person, die auf eine Herausgabeverfügung mit Androhung der Beschlagnahme hin die herausverlangten Gegenstände freiwillig übergibt, nach § 115 Abs. 3 StPO rekurrieren kann. Es liegt auf der Hand, dass der Herausgabeverfügung nur Folge geleistet wird, weil ansonst die Beschlagnahme (mit Hausdurchsuchung) vollzogen wird. Das ist für den Betroffenen unangenehm und ausserordentlich peinlich. Vor einer Beschlagnahme ist dem Inhaber denn auch die Möglichkeit zu geben, die Gegenstände von sich aus herauszugeben (LGVE 1987 I Nr. 62). In diesem Sinn kann daher - wenn überhaupt - nur von einer "relativen" (unechten) Freiwilligkeit gesprochen werden. Sind die herausverlangten Gegenstände nicht detailliert genannt, kann der herausgebenden Person nicht entgegengehalten werden, sie habe mehr und/oder anderes ausgehändigt als verlangt. Ein solcher Vorhalt wäre höchstens dann berechtigt, wenn der Inhaber Gegenstände übergibt, die ohne weiteres erkennbar mit der Sache nichts zu tun haben.

Entgegen der Auffassung der Privatklägerin ist daher auf den Rekurs einzutreten.

Parole chiave

criminal procedureseizurevoluntary surrenderlegal interestappeal admissibilityevidence collection

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether an appeal is admissible against a handover order with threatened seizure after voluntary surrender of the items

Decisione estratta

Yes. A person may appeal under § 115(3) StPO even if the items were voluntarily handed over after a handover order accompanied by a threat of seizure.

Motivazione estratta

Compliance is typically only relative and not truly voluntary, because the handover occurs to avoid seizure and possibly a search. If the requested items are not specified in detail, the person handing them over cannot be reproached for delivering more or different objects than requested, unless obviously unrelated objects were handed over.

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