Asylum decision language must match place of residence

2009-56Tribunale amministrativo federale17 set 2009Partially Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Administrative Court held that, in asylum proceedings, the Federal Office for Migration must normally issue its decision in the official language of the applicant's place of residence. Departures under Art. 4 AsylV 1 are only permissible in the stated exceptional situations and require, where no professional representative exists, compensatory safeguards and a reasoned justification. Because the applicant lived in German-speaking Canton D., did not understand French, had no professional representative, and no corrective measures or sufficient reasons were provided, the French-language decision was annulled.

Massima Omnilex

Art. 16 Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 4 AsylV 1; Verfahrenssprache vor dem BFM: Die Verfügung ist grundsätzlich in der Amtssprache des Wohnorts der asylsuchenden Person zu erlassen. Von diesem Grundsatz darf nur in den gesetzlich vorgesehenen Ausnahmefällen abgewichen werden. Fehlt eine professionelle Rechtsvertretung, bedarf die Abweichung zusätzlicher geeigneter Korrektivmassnahmen zur Gewährleistung des rechtlichen Gehörs und des effektiven Rechtsschutzes; zudem ist die Abweichung im Einzelfall nachvollziehbar zu begründen. Andernfalls liegt ein wesentlicher Verfahrensmangel vor, der zur Kassation der Verfügung führt (E. 3.2 f.).

Testo completo

BVGE 2009/56

Entscheiddatum: 17.09.2009Publikationsdatum: 01.01.2009

Urteilskopf

2009/56

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V i. S. A. gegen Bundesamt für Migration

E-3946/2009 vom 17. September 2009

Regeste Deutsch Asylverfahren. Verfahrenssprache vor dem Bundesamt für Migration (BFM).

Art. 16 Abs. 2 AsylG i. V. m. Art. 4 AsylV 1.

Die Verfügung des BFM ist in der Regel in der Amtssprache am Wohnort der asylsuchenden Person zu erlassen. Ausnahmen von dieser Regel (E. 3.13.3).

Regeste en français Procédure d'asile. Langue de la procédure à l'Office fédéral des migrations (ODM).

Art. 16 al. 2 LAsi en relation avec l'art. 4 OA 1.

La décision de l'ODM doit en principe être rédigée dans la langue officielle du lieu de résidence du demandeur d'asile. Exceptions à cette règle (consid. 3.13.3).

Regesto in italiano Procedura d'asilo. Lingua della procedura davanti all'Ufficio federale della migrazione (UFM).

Art. 16 cpv. 2 LAsi in combinato diposto con l'art. 4 OAsi 1.

La decisione dell'UFM deve di regola essere redatta nella lingua ufficiale del luogo di residenza del richiedente l'asilo. Eccezioni a tale regola (consid. 3.13.3).

Aus den Erwägungen:

3.1 Art. 16 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) statuiert, dass das Verfahren vor dem Bundesamt für Migration (BFM) in der Regel in der Amtssprache geführt wird, in welcher die kantonale Anhörung stattfand oder die am Wohnort der asylsuchenden Person Amtssprache ist.

Laut Art. 4 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) kann von dieser Regel dann abgewichen werden, wenn die asylsuchende Person oder deren Rechtsvertreter einer anderen Amtssprache mächtig ist (Bst. a), dies unter Berücksichtigung der Gesuchseingänge oder der Personalsituation vorübergehend für eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung erforderlich ist (Bst. b) oder die asylsuchende Person nach Art. 29 AsylG in einer Empfangsstelle direkt angehört und einem Kanton mit einer anderen Amtssprache zugewiesen wird (Bst. c).

3.2 Die vormals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat in ihrer Rechtsprechung, der sich das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) anschliesst, die Tragweite von Art. 4 AsylV 1 konkretisiert. Sie hat ausgeführt, dass eine Ausnahme von der in Art. 16 Abs. 2 AsylG statuierten Regel gestützt auf Art. 4 Bstn. b und c AsylV 1 zulässig ist, wenn die asylsuchende Person von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten wird. Fehlt ein professioneller Rechtsvertreter, rechtfertigt sich eine Abweichung von der Regel dann, wenn gleichzeitig im Gegenzug geeignete Korrektiv-Massnahmen getroffen werden, die das Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewährleisten. Eine der möglichen Korrektiv-Massnahmen besteht darin, dass das BFM die ergangene Verfügung der asylsuchenden Person in eine ihr verständliche Sprache übersetzt. Zudem ist die Vorinstanz verpflichtet, die Abweichung von der Regel in Art. 16 Abs. 2 AsylG im konkreten Einzelfall entsprechend zu begründen. In allen anderen Fällen liegt ein Verfahrensmangel vor, der die Kassation der angefochtenen Verfügung nach sich zieht (Entscheidungen und Mitteilungen der ARK EMARK 2004 Nr. 29 S. 189 ff., EMARK 2005 Nr. 22 E. 3 S. 207 f.).

Wird eine asylsuchende Person einem zweisprachigen Kanton zugewiesen, so bestimmt sich die vom Bundesamt anzuwendende Verfahrenssprache im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AsylG nach den kantonalen Vorschriften, die für den Aufenthaltsort der betroffenen Person gelten EMARK 2005 Nr. 22 E. 2).

3.3 Das BVGer stellt vorliegend fest, dass die Voraussetzungen von Art. 4 AsylV 1 für eine Abweichung von der in Art. 16 Abs. 2 AsylG statuierten Regel zur Verfahrenssprache vor dem Bundesamt nicht erfüllt sind.Die Beschwerdeführerin war zum Zeitpunkt der Eröffnung der in französischer Sprache ergangenen Verfügung nach deren Zuweisung im Kanton D., wo die Amtssprache Deutsch ist, wohnhaft. Sie war zum fraglichen Zeitpunkt nicht von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten und ist der französischen Sprache nicht mächtig (...). Zudem hat die Vorinstanz weder anlässlich der Eröffnung der Verfügung geeignete Korrektiv-Massnahmen wie beispielsweise die Übersetzung der erVerfügung in eine der Beschwerdeführerin verständliche Sprache getroffen noch diesen Verfahrensfehler auf Beschwerdeebene im Rahmen der Vernehmlassung korrigiert. Des Weiteren hat es das BFM unterlassen, zu begründen, weshalb aus seiner Sicht der Erlass einer französischsprachigen Verfügung gerechtfertigt erscheint.

Parole chiave

asylum procedureprocedural languageofficial languageright to be heardeffective remedyprocedural defect

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the Federal Office for Migration could issue its asylum decision in French despite the applicant's residence in a German-speaking canton.

Decisione estratta

As a rule, the decision had to be issued in the official language of the applicant's place of residence; the requirements for an exception were not met.

Motivazione estratta

Art. 16(2) AsylG applies the language of the canton of residence unless an exception under Art. 4 AsylV 1 is justified. Here the applicant lacked a professional representative, did not understand French, and no corrective measures were taken or sufficiently justified.

Questione giuridica chiave

Whether the language defect required annulment of the challenged decision.

Decisione estratta

Yes. The failure to observe the procedural-language rule constituted a procedural defect requiring annulment.

Motivazione estratta

Because no professional representative existed, no compensating measures were adopted, and the authority gave no adequate reasons for departing from the rule, the defect was not cured on appeal.

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