No reconsideration of Federal Criminal Court appeal decision

RR.2009.136Tribunale penale federale / Camera dei ricorsi14 apr 2009Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Public Prosecutor requested reconsideration of a previous appeal decision of the Federal Criminal Court, arguing that a mistake in the redacted mutual legal assistance file meant the requesting Dutch authority had in fact sought an asset freeze. The II. Criminal Appeals Chamber held that judicial appeal decisions are not subject to reconsideration; only revision could be relevant, but the request could not be converted into a revision request because the decision was not yet final. The request was therefore not entered into and no costs were charged.

Massima Omnilex

Art. 58 Abs. 1 VwVG, Art. 31 SGG, Art. 121–129 BGG; reconsideration of a judicial appeal decision of the Federal Criminal Court is inadmissible for reasons of legal certainty. Whereas the executing authority may, under conditions, reconsider its own mutual legal assistance decision, a decision rendered by a court is not open to reconsideration. If revision is the only conceivable extraordinary remedy, it presupposes a final, legally binding judgment; a pending appeal period before the Federal Supreme Court excludes revision. An improperly filed reconsideration request cannot be converted into revision when the statutory prerequisites are absent (consid. 2).

Testo completo

Entscheid vom 14. April 2009 II. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, Andreas J. Keller und Roy Garré, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

BUNDESANWALTSCHAFT, Gesuchstellerin

Gegenstand Wiedererwägung des Entscheids der Beschwerde- kammer des Bundesstrafgerichts RR.2008.212 vom 3. April 2009 betreffend Dispositiv Ziffer 2

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: RR.2009.136

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Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • die Staatsanwaltschaft in Schiphol/NL (nachfolgend „Staatsanwaltschaft Schiphol“) gegen A. sowie weitere Personen ein Strafverfahren führt wegen Geldwäscherei sowie Beteiligung an einer kriminellen Organisation und in diesem Zusammenhang mit einem Rechtshilfeersuchen vom 10. Mai 2007, ergänzt am 18. Juni 2007, an die Schweiz gelangt ist;

  • die Bundesanwaltschaft mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom

  1. Juni 2007, ergänzt am 23. Juli 2007, sowie mit Schlussverfügung vom
  2. Juli 2008 dem Rechtshilfeersuchen entsprochen und in beiden Verfü- gungen entschieden hat, u.a. die auf B. lautenden Konten zu sperren (RR.2008.212 act. 1.1 bzw. 8.1, 11.1, 11.2);
  • B. gegen die genannte Schlussverfügung am 18. August 2008 bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend „Bundes- strafgericht“) Beschwerde hat einreichen lassen (RR.2008.212 act. 1);

  • sich aus den von der Bundesanwaltschaft im Verfahren RR.2008.212 ein- gereichten Akten, worunter sich eine durch die Bundesanwaltschaft teilwei- se abgedeckte Version des Rechtshilfeersuchens befindet (RR.2008.212 act. 8.3), lediglich ergibt, dass die Staatsanwaltschaft Schiphol um Be- schlagnahme und Übermittlung von Bankunterlagen u.a. betreffend Konten lautend auf B., nicht jedoch um deren Sperrung ersucht hat;

  • das Bundesstrafgericht mit Entscheid RR.2008.212 vom 3. April 2009 die Beschwerde von B. abgewiesen, aber die Bundesanwaltschaft aus obge- nanntem Grund (Übermassverbot) angewiesen hat, sich bei der ersuchen- den Behörde zu erkundigen, ob sie die Vermögenssperre tatsächlich bean- tragt oder nicht (Ziff. 2 des Dispositivs; RR.2008.212 act. 12);

  • die Bundesanwaltschaft betreffend diese Ziffer 2 des Dispositivs am 6. April 2009 ein Wiedererwägungsgesuch stellt und festhält, dass aufgrund eines Kanzleifehlers dem Bundesstrafgericht lediglich eine abgedeckte Version des Rechtshilfeersuchen vom 10. Mai 2007 eingereicht worden sei, sich der Antrag der ersuchenden Behörde auf Vermögenssperre aber aus der versehentlich (zuviel) abgedeckten Ziffer 7 des Rechtshilfeersuchens erge- be, sich daher ein Nachfragen bei der ersuchenden Behörde erübrige (act. 1, 1.1);

  • Art. 12 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) sowie Art. 30 lit. b des Bun-

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desgesetzes vom 4. Oktober 2002 über das Bundesstrafgericht (SGG; SR 173.71) für das Verfahren auf die Bestimmungen des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) verweisen;

  • das VwVG die Möglichkeit der Wiedererwägung in Art. 58 Abs. 1 erwähnt, wobei es dabei allerdings um die Wiedererwägung des Entscheids der Vor- instanz durch diese selbst während eines hängigen Beschwerdeverfahrens geht, während mit dem vorliegenden Gesuch die Wiedererwägung eines richterlichen Beschwerdeentscheids verlangt wird;

  • Wiedererwägung und Revision zunächst immer dort zulässig sind, wo sie gesetzlich vorgesehen sind bzw. Wiedererwägungsgesuche a fortiori be- rechtigt sind, wenn ein Revisionsgrund vorliegt (BGE 113 Ia 146 E. 3a);

  • die Wiedererwägung durch die ausführende Behörde gemäss bundesge- richtlicher Praxis grundsätzlich auch im Rechtshilferecht möglich ist, selbst wenn eine Justizbehörde die Schlussverfügung erlassen hat, weil der Ent- scheid selbst verwaltungsrechtlicher Natur ist, sofern der Entscheid rechts- widrig erscheint, seine Änderung keine überwiegenden schutzwürdigen In- teressen verletzt und der Entscheid nicht bereits der Überprüfung einer richterlichen Behörde unterlag, immer unter Vorbehalt wohlerworbener Rechte Dritter (BGE 121 II 93 E. 3b);

  • es sich beim Beschwerdeentscheid RR.2008.212 vom 3. April 2009 indes- sen um einen Entscheid eines Gerichts handelt (Art. 1 SGG), derartige Ent- scheide aus Gründen der Rechtssicherheit nicht der Wiedererwägung zu- gänglich sind (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,

  1. Auflage, Zürich 2006, S. 391 N. 1830; TPF RR.2009.49 vom 5. März 2009), diesbezüglich jedoch die Revision gestützt auf Art. 31 SGG i. V. m. Art. 121 – 129 BGG verlangt werden kann (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufla- ge, Zürich 1998, S. 162 N. 444; TPF RR.2008.123-124 vom 11. Juni 2008);
  • dementsprechend auf das Wiedererwägungsgesuch betreffend Ziffer 2 des Dispositivs des Entscheides des Bundesstrafgerichtes vom 3. April 2009 nicht einzutreten ist;

  • dieses in Anbetracht des Umstandes, dass das Wiedererwägungsgesuch von der Bundesanwaltschaft eingereicht worden ist, auch nicht in ein Revi- sionsgesuch uminterpretiert werden kann und die Revision zudem nur rechtskräftige Urteile beschlägt (ELISABETH ESCHER in NIG-

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GLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, Art. 121 N. 1), was vorliegend nicht der Fall ist, da die Rechtsmittelfrist ans Bundesgericht noch läuft;

  • die ausführende Behörde vielmehr eine neue Verfügung zu erlassen hat, mit welcher festgestellt wird, dass das Begehren um Sperre der Vermö- genswerte gemäss Dispositiv Ziffer 2 des Entscheides RR.2008.212 vom
  1. April 2009 im nicht abgedeckten Ersuchen vom 10. Mai 2007 enthalten ist;
  • die Gesuchstellerin bei diesem Ausgang des Verfahrens als unterliegende Partei zu gelten hat, Vorinstanzen oder beschwerdeführenden und unter- liegenden Bundesbehörden jedoch keine Verfahrenskosten auferlegt wer- den (Art. 63 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG).

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Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer:

  1. Auf das Gesuch um Wiedererwägung des Entscheids der Beschwerdekam- mer des Bundesstrafgerichts RR.2008.212 vom 3. April 2009 betreffend Dispositiv Ziffer 2 wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Kosten erhoben.

Bellinzona, 15. April 2009

Im Namen der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Roland Bühler
  • Bundesanwaltschaft
  • Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Parole chiave

mutual legal assistancereconsiderationrevisionlegal certaintyasset freezecostsfinal judgment

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether reconsideration of the appeal decision of April 3, 2009 was admissible

Decisione estratta

The reconsideration request was inadmissible because judicial appeal decisions are not subject to reconsideration for reasons of legal certainty.

Motivazione estratta

The court held that, unlike reconsideration of administrative decisions by the executing authority, a judicial decision of the Federal Criminal Court may not be reopened by way of reconsideration; only revision under the applicable statutory framework could be considered.

Questione giuridica chiave

Whether the reconsideration request should be treated as a revision request

Decisione estratta

The request could not be recharacterized as a revision request because revision concerns final judgments and the request was filed by the Federal Public Prosecutor while the appeal period to the Federal Supreme Court was still running.

Motivazione estratta

Revision applies only to final, legally binding judgments; the challenged decision was not yet final.

Questione giuridica chiave

Court costs

Decisione estratta

No court costs were imposed on the unsuccessful federal authority.

Motivazione estratta

Under the applicable procedural rules, federal authorities acting as appellants or unsuccessful parties are not charged procedural costs.

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