Suspensive effect denied for temporary passport release

BP.2010.73Tribunale penale federale / Camera dei ricorsi16 dic 2010Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The President of the I. Criminal Complaint Chamber of the Federal Criminal Court rejected A.'s urgent request for provisional release of his identity card so he could travel to Germany for a job interview. The court held that interim relief under Art. 218 BStP requires a balancing of interests and that the applicant had not substantiated his need for travel with supporting documents. By contrast, the Federal Prosecutor's Office still relied on concrete flight risk in its investigation for qualified money laundering, fraud and other offences. Costs were reserved for the main proceedings.

Massima Omnilex

Art. 218 BStP; suspensive effect and provisional measures in criminal proceedings; interim relief is granted only after balancing the competing interests and only if the applicant makes the need for the measure credible. Where the measure would jeopardize the purpose of the investigation, particularly in the presence of concrete flight risk, suspensive effect or temporary release of seized travel documents is to be refused. Bare assertions concerning an employment opportunity, unsupported by documents, do not suffice to establish irreparable harm or entitlement to urgent relief (consid. 1).

Testo completo

Verfügung vom 16. Dezember 2010 Präsident der I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Marcel Buttliger,

Gesuchsteller

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Gesuchsgegnerin

Gegenstand Aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BP.2010.73 (Hauptverfahren: BH.2010.17)

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Der Präsident der I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Gesuchsgegnerin gegen den Gesuchsteller ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren führt wegen des Verdachts der qualifizierten Geldwä- scherei (Art. 305 bis Ziff. 2 StGB), des Betrugs (Art. 146 StGB) und weiterer Delikte;

  • sie am 15. April 2008 die sichergestellten, auf den Gesuchsteller lautenden Reisedokumente beschlagnahmte und den zuständigen Behörden unter- sagte, ihm Ausweisschriften, die ihm das Überschreiten der Landesgrenze ermöglichen, auszustellen oder herauszugeben (BH.2010.17, act. 1.3);

  • sie die Schriftensperre am 28. September 2010 – wenn auch unter einer Reihe von Bedingungen und Auflagen – lockerte, um dem Gesuchsteller die Teilnahme an einer oder mehrerer von den deutschen Strafverfol- gungsbehörden im Rahmen des eingangs erwähnten Ermittlungsverfah- rens rechtshilfeweise durchzuführenden Einvernahmen zu ermöglichen (BH.2010.17; act. 1.6);

  • der Gesuchsteller offenbar bei der Gesuchsgegnerin am 10. bzw. am

  1. Dezember 2010 einen Antrag auf vorübergehende Aushändigung sei- ner Identitätskarte zwecks Ausreise nach Deutschland zur Wahrnehmung eines Vorstellungsgesprächs stellte (die entsprechenden Eingaben wurden dem vorliegenden Gesuch nicht beigelegt);
  • die Gesuchsgegnerin diesen Antrag mit Verfügung vom 14. Dezem- ber 2010 abwies (BH.2010.17, act. 1.2);

  • der Gesuchsteller hiergegen mit Beschwerde vom 15. Dezember 2010 an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangte und diesbe- züglich im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die unverzügliche Her- ausgabe seiner Identitätskarte zwecks Teilnahme an einem Vorstellungs- gesprächs in Deutschland am 17. Dezember 2010 beantragte (act. 1);

  • auf Grund der zeitlichen Dringlichkeit auf die Einholung einer Stellungnah- me der Gesuchsgegnerin verzichtet wurde;

  • die Gewährung des Suspensiveffektes in der Regel von den konkreten Umständen und einer Abwägung der widerstreitenden Interessen abhängt (vgl. BGE 107 Ia 269 E. 1 S. 270), wobei der Vollzug der angefochtenen Verfügung nicht aufgeschoben werden darf, wenn damit der Zweck der Un-

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tersuchung bzw. der mit der Massnahme angestrebte Zweck gefährdet oder vereitelt würde (vgl. GUIDON/WÜTHRICH, Zur Praxis bei Beschwerden gegen das Bundesstrafgericht, plädoyer 4/2005, S. 34 ff., 39 f.; BÖSCH, Die Anklagekammer des Schweizerischen Bundesgerichts [Aufgaben und Ver- fahren], Diss. Zürich 1978, S. 87);

  • der Gesuchsteller geltend macht, dass ihm ein nicht wieder gut zu ma- chender Nachteil erwachse, wenn er nicht am erwähnten Vorstellungsge- spräch teilnehmen könne;

  • die Gesuchsgegnerin demgegenüber offenbar nach wie vor vom Vorliegen einer konkreten Fluchtgefahr ausgeht;

  • der Gesuchsteller hinsichtlich des Vorstellungsgesprächs zwar einige, we- nig spezifizierte Angaben zum möglichen Arbeitgeber und seiner möglichen Arbeitstätigkeit macht, diesbezüglich jedoch keinerlei Unterlagen beilegt, welche die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen untermauern würden;

  • sich nach dem Gesagten das Gesuch als unbegründet erweist, weshalb es abzuweisen ist;

  • die Kosten des vorliegenden Entscheides bei der Hauptsache verbleiben;

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und erkennt:

  1. Das Gesuch um Anordnung einer vorsorglichen Massnahme wird abgewie- sen.

  2. Die Kosten verbleiben bei der Hauptsache.

Bellinzona, 16. Dezember 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i. V. Emanuel Hochstrasser, Bundesstrafrichter

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Marcel Buttliger
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diese Verfügung ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Parole chiave

interim reliefsuspensive effectflight riskidentity documentscriminal investigationbalancing of interestsprovisional measure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether suspensive effect or a provisional measure should order immediate release of the identity card for the interview trip

Decisione estratta

No provisional measure was justified; the request failed because the applicant had not credibly substantiated the need for travel and the investigation's purpose and flight-risk concerns prevailed.

Motivazione estratta

Interim relief depends on balancing interests. The applicant alleged irreparable harm, but gave only vague information about a possible employer and work. No supporting documents were filed, while the prosecution still relied on concrete flight risk.

Questione giuridica chiave

Allocation of costs of the present order

Decisione estratta

Costs were left to be decided in the main proceedings.

Motivazione estratta

The order expressly reserved the costs to the main case.

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