No jurisdiction determination before full inter-cantonal consultation

BG.2005.35Tribunale penale federale / Camera dei ricorsi6 feb 2006Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Criminal Court’s Complaints Chamber refused to entertain Basel-Landschaft’s request to designate Aargau as the competent canton for the prosecution of A., because the inter-cantonal exchange of views had not yet been completed with all seriously relevant cantons. The court noted that responses from potentially involved cantons were still outstanding, so the prerequisites for deciding the jurisdictional conflict were missing. As Basel-Landschaft had failed to create the necessary procedural basis, it was ordered to pay a court fee of CHF 300.

Massima Omnilex

Art. 279 Abs. 1 BStP; inter-cantonal determination of venue in criminal matters requires a genuine conflict and a completed exchange of views among all cantons seriously in question. The complaints chamber will not enter a request for venue determination while this consultation remains incomplete, even if one canton has already taken a position. The requesting canton bears the burden of clarifying and assembling the relevant factual and procedural elements; if it omits to do so, costs may be charged to it by way of exception to the general costs rule (consid. 2–4).

Testo completo

Entscheid vom 6. Februar 2006 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiberin Petra Williner

Parteien

KANTON BASEL-LANDSCHAFT, Bezirksstatthalter- amt Arlesheim,

Gesuchsteller

gegen

KANTON AARGAU, Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau,

Gesuchsgegner

Gegenstand Bestimmung des Gerichtsstandes i.S. A. (Art. 279 Abs. 1 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BG.2005.35

  • 2 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • das Bezirksstatthalteramt Arlesheim am 27. Dezember 2005 an die Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangt und verlangt, es seien die Behörden des Kantons Aargau zur gesamthaften Verfolgung und Beurteilung der Delikte von A. für berechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 1);

  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau mit Gesuchsantwort vom 4. Ja- nuar 2006 auf Abweisung des Gesuchs schliesst (act. 3);

  • das Bezirksstatthalteramt Arlesheim mit spontaner Eingabe vom 11. Janu- ar 2006 eine weitere Stellungnahme zu den Akten gab (act. 4);

  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 31. Januar 2006 hierzu Stel- lung nahm (act. 7)

  • diese Eingabe dem Bezirksstatthalteramt Arlesheim am 1. Februar 2006 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 8);

  • sich die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid in Verfahren betreffend Gerichtsstandsstreitigkeiten aus Art. 351 StGB i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP und Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG ergibt;

  • Voraussetzung für die Anrufung der Beschwerdekammer ist, dass ein Streit über den interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt haben (SCHWE- RI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen,

  1. Aufl., Bern 2004, N. 599);
  • die Beschwerdekammer vor Abschluss des Meinungsaustausches zwischen sämtlichen, ernstlich in Frage kommenden Kantonen auf ein Gesuch um Be- stimmung des Gerichtsstands nicht eintritt (Entscheide des Bundesstrafge- richts BG.2005.31 vom 9. Januar 2006 und BG.2006.1 vom 13. Januar 2006; GUIDON/BÄNZIGER, Alter Wein in neuen Schläuchen? – Die Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, in: Jusletter 19. September 2005, N. 5);

  • der Kanton Basel-Landschaft darlegt, A. sei nicht nur daselbst, sondern auch in den Kantonen Aargau, Luzern, Bern, Jura und Genf straffällig geworden (act. 1);

  • 3 -

  • der Kanton Aargau in seiner Stellungnahme vom 31. Januar 2006 erklärt, die polizeilichen Recherchen nach Strafanzeigen, für welche A. und Co. in Frage kommen könnten, seien derzeit noch nicht in sämtlichen Kantonen abge- schlossen, was die Gerichtsstandsbestimmung im jetzigen Zeitpunkt unmög- lich mache (act. 7);

  • den Akten zwar zu entnehmen ist, dass der ebenfalls involvierte Kanton Genf am 15. Dezember 2005 eine Gerichtsstandsanfrage betreffend A. an ver- schiedene Kantone sowie die Schweizerische Bundesanwaltschaft richtete, wobei die allfälligen diesbezüglichen Antworten mehrheitlich nicht aktenkun- dig sind, weshalb davon auszugehen ist, dass diese noch ausstehen (Akten Basel-Landschaft Haftsache A., DO_Nr. SAR 010 05 3589 ff., Ordner 1, Fas- zikel 5, Reg. Nebenakten, Schreiben des Generalprokurators des Kantons Genf vom 15. Dezember 2005);

  • folglich zumindest mit einem Teil der ernstlich in Frage kommenden Kanto- nen der Meinungsaustausch betreffend A. nicht vollständig durchgeführt wur- de;

  • somit auf das Gesuch mangels vollständig durchgeführten Meinungsaustau- sches nicht eingetreten wird;

  • ein künftiger Gesuchsteller bei einer allfälligen, neuerlichen Anrufung der Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts in derselben Angelegenheit in seinem Gesuch von sich aus sämtliche Parteien und alle für die Bestimmung des Gerichtsstandes wesentlichen Fakten zu eruieren und übersichtlich zu- sammenzutragen hat, andernfalls auf das Gesuch nicht eingetreten wird;

  • in Abweichung von Art. 156 Abs. 2 OG gemäss Praxis einem Kanton die Kos- ten überbunden werden können, wenn er es pflichtwidrig unterlassen hat, die für die verlangte Gerichtsstandsentscheidung erforderlichen tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen (vgl. Entscheide des Bundes- strafgerichts BG.2005.31 vom 9. Januar 2006 und BG.2006.1 vom 13. Janu- ar 2006; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 649 f.);

  • es dem Kanton Basel-Landschaft als verfahrensabtretenden Kanton obgele- gen hätte, mit sämtlichen ernstlich in Frage kommenden Kantonen einen voll- ständigen Meinungsaustausch durchzuführen (vgl. Entscheide des Bundes- strafgerichts BG.2005.31 vom 9. Januar 2006 und BG.2006.1 vom 13. Janu- ar 2006; SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 562);

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  • er dieser Pflicht nicht nachgekommen ist und es damit unterlassen hat, die für die Beschwerdekammer notwendigen Entscheidgrundlagen zu schaffen, weshalb ihm die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen ist (Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32).

Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

  1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- wird dem Kanton Basel-Landschaft aufer- legt.

Bellinzona, 7. Februar 2006

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Bezirksstatthalteramt Arlesheim
  • Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Parole chiave

jurisdictioninter-cantonal conflictadmissibilityexchange of viewscostscriminal procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the court could determine inter-cantonal jurisdiction before all seriously relevant cantons had completed the exchange of views.

Decisione estratta

The request was inadmissible because the exchange of views had not been completed with all seriously relevant cantons.

Motivazione estratta

The court only enters such requests after a genuine jurisdictional dispute exists and the cantons have fully exchanged views. Here, several potentially relevant cantons still lacked confirmed responses, so the factual basis for a jurisdiction ruling was incomplete.

Questione giuridica chiave

Who must bear the court fee after the inadmissibility ruling.

Decisione estratta

The fee was imposed on Basel-Landschaft because it failed to establish the necessary procedural prerequisites.

Motivazione estratta

A canton that omits the required full consultation and thus does not create the evidentiary basis for the decision may be charged costs by practice, notwithstanding the general rule on costs.

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