No right to postpone interrogation for defense counsel availability

BB.2006.122Tribunale penale federale / Camera dei ricorsi15 nov 2006Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

A. challenged the investigating magistrate's refusal to postpone an interrogation scheduled for 20 November 2006 and asked for suspensive effect. The Criminal Appeals Chamber held that the accused had been notified in time, had no entitlement to a postponement, and that counsel's availability did not create such a right. It therefore dismissed the complaint summarily without exchange of briefs. The request for suspensive effect became moot. Because no application for legal aid was made in the complaint proceedings, A. was ordered to pay court costs of CHF 500.

Massima Omnilex

Art. 118 BStP; notice of interrogation and no entitlement to postponement because counsel is unavailable; persons entitled to attend must be notified in time, but they have no right to have the hearing rescheduled. The accused's right to be accompanied by defense counsel in an interrogation depends on the applicable procedural law and may be limited where the investigation must not be impaired. Where the complaint is manifestly unfounded, it may be dismissed immediately without exchange of briefs under Art. 219 Abs. 1 BStP. A request for suspensive effect then becomes moot. Legal aid in the complaint proceedings is not granted automatically and must be expressly requested.

Testo completo

Entscheid vom 15. November 2006 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Bernard Bertossa, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiberin Lea Unseld

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Hadrian Meister, Beschwerdeführer

gegen

SCHWEIZERISCHE BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin

Vorinstanz EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH- TERAMT,

Gegenstand Beschwerde betreffend Verletzung von Parteirechten und Gesuch um aufschiebende Wirkung (Art. 214 Abs. 1 und 218 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2006.122

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (nachfolgend “Untersuchungs- richteramt“) gegen A. und weitere Angeschuldigte eine Voruntersuchung führt (act. 1);

  • das Untersuchungsrichteramt mit Schreiben vom 31. Oktober 2006 den Par- teivertretern mitteilte, es würden in den kommenden Monaten zahlreiche Ein- vernahmen stattfinden;

  • A. vom Untersuchungsrichteramt mit bei dessen Vertreter am 6. November 2006 eingegangenem Schreiben zu einer Verhandlung vom 20. November 2006 vorgeladen wurde;

  • der Vertreter von A. mit Schreiben vom 6. November 2006 an das Untersu- chungsrichteramt gelangte und eine Verschiebung der Vorladung nach Ter- minabsprache mit seiner Kanzlei beantragte;

  • das Untersuchungsrichteramt mit Verfügung vom 8. November 2006 das Gesuch um Terminverschiebung abwies;

  • A. gegen die Verfügung vom 8. November 2006 mit Beschwerde vom

  1. November 2006 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ge- langt und beantragt, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Vorladung zu der auf den 20. November 2006 angesetzten Verhandlung ab- zunehmen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Bundes- kasse; A. zudem Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde stellt (act.1);
  • mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens auf die Durchführung eines Schrif- tenwechsels verzichtet wurde (Art. 219 Abs. 1 BStP);

  • die Möglichkeit des Beschuldigten, zu seiner Einvernahme einen Verteidiger beizuziehen, sich nach dem anwendbaren Verfahrensrecht bestimmt und weder aus Art. 8 Abs. 1 BV noch aus Art. 32 Abs. 2 BV oder aus Art. 6 EMRK hergeleitet werden kann (BGE 104 Ia 17, 19 E. 4; HAUSER/SCHWERI/ HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 393 N. 12);

  • gemäss Art. 118 BStP der Untersuchungsrichter dem Verteidiger gestatten kann, bei der Einvernahme des Beschuldigten anwesend zu sein, sofern da- durch die Untersuchung nicht beeinträchtigt wird;

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  • die zur Anwesenheit berechtigten Personen von Verhandlungsterminen rechtzeitig zu benachrichtigen sind, jedoch keinen Anspruch auf Verschie- bung der Tagfahrt haben (vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 396 N. 20; TPF BB.2006.43 vom 14. September 2006 E. 5.2, BB.2006.63 vom

  1. September 2006 und BK_B 016/04 vom 27. Mai 2004 E. 3.5);
  • A. vorliegend vom Untersuchungsrichteramt über die vorgesehene Einver- nahme vom 20. November 2006 rund zwei Wochen vorher und mithin recht- zeitig in Kenntnis gesetzt wurde;

  • A. keinen Anspruch auf Verschiebung der Einvernahme vom 20. November 2006 hat;

  • der amtliche Verteidiger nach dem Grundsatz der effektiven bzw. effizienten Verteidigung die Interessen des Angeschuldigten in ausreichender und wirk- samer Weise wahrnehmen muss und bei seiner Aufgabe die gleichen Rech- te und dieselben Sorgfaltspflichten wie ein privater, erbetener Verteidiger hat (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 165 f. N. 17 f.);

  • es daher dem amtlichen Verteidiger obliegt, für eine angemessene Verteidi- gung von A. anlässlich der Einvernahme vom 20. November 2006 besorgt zu sein;

  • sich die Beschwerde nach dem Gesagten sofort als unbegründet erweist und ohne vorgängigen Schriftenwechsel abzuweisen ist (Art. 219 Abs. 1 BStP);

  • das Gesuch um aufschiebende Wirkung somit gegenstandslos wird;

  • die Gewährung der amtlichen Verteidigung gemäss Art. 36 Abs. 1 BStP durch die Bundesanwaltschaft nicht automatisch im Beschwerdeverfahren gilt und der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege explizit beantragen muss (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 152 Abs. 1 und 2 OG; TPF BB.2004.23 vom 25. August 2004 E. 5);

  • der Beschwerdeführer vorliegend kein entsprechendes Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege gestellt hat;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer daher die Ge- richtskosten zu tragen hat (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 156 Abs. 1 OG), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- angesetzt wird (Art. 3 des Reglements vom

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  1. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32);
  • 5 -

Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

  2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird gegenstandslos.

  3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

Bellinzona, 16. November 2006

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

i.V. der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Bernard Bertossa, Bundesstrafrichter

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Hadrian Meister
  • Schweizerische Bundesanwaltschaft
  • Eidgenössisches Untersuchungsrichteramt

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Parole chiave

party rightsinterrogationdefense counselpostponementsuspensive effectlegal aidcourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the refusal to postpone the interrogation violated the accused's party rights and required cancellation of the summons.

Decisione estratta

The accused had no entitlement to a postponement; timely notice was sufficient and the defense had to ensure adequate representation at the hearing.

Motivazione estratta

Under the applicable criminal procedure rules, the right to have counsel present depends on the investigation not being impaired, and persons entitled to attend must be notified in time but cannot demand a rescheduling. A. was informed about two weeks in advance.

Questione giuridica chiave

Whether the request for suspensive effect should be granted.

Decisione estratta

The request became moot after the complaint was rejected without exchange of briefs.

Motivazione estratta

Because the complaint was found to be manifestly unfounded and decided immediately, there was no remaining practical purpose for interim suspension.

Questione giuridica chiave

Whether legal aid or waiver of court fees was available in the complaint proceedings.

Decisione estratta

No such request had been filed in the appeal proceedings, so no waiver could be granted automatically.

Motivazione estratta

Criminal legal aid granted by the prosecutor did not automatically extend to the complaint proceedings; an explicit request was required.

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