Non-entry on cassation complaint concerning curfew offence

6S.305/2002Tribunale federale / Divisione penale12 ago 2002Inadmissible

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Sintesi Omnilex

X. was twice fined by cantonal summary penalty orders for failing to observe the curfew in hospitality. The first instance acquitted him because of legal error, but the Bern appellate court upheld the acquittal for the February incident and convicted him for the May 19, 2001 incident, imposing a CHF 300 fine. On federal cassation, X. asked for acquittal and cantonal costs. The Federal Court held that the cassation complaint is purely cassatory and cannot seek such relief, and that the alleged misapplication of Art. 20 StGB concerned cantonal substitute law and was not reviewable. The complaint was therefore not entered into, and court costs of CHF 2,000 were imposed on X.

Massima Omnilex

Art. 277ter Abs. 1, Art. 269 Abs. 1 und Art. 278 Abs. 1 BStP; cassation complaint against a cantonal conviction for failure to observe curfew in hospitality: the federal cassation complaint is of purely cassatory nature and may only seek annulment of the last-instance judgment; requests for acquittal or allocation of cantonal procedural and defence costs are inadmissible. Cantonal criminal law remains outside federal cassation review even where it refers to the general part of the StGB; the alleged non-application of Art. 20 StGB as substitute cantonal law cannot be invoked as a federal-law violation. Costs of the federal procedure follow the outcome against the appellant (consid. 1-3).

Testo completo

{T 0/2}
6S.305/2002 /bri

Urteil vom 12. August 2002
Kassationshof

Bundesrichter Schubarth, Präsident, Bundesrichter Schneider und Karlen, Gerichtsschreiberin Krauskopf.

X.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher Bernhard Hodler, Elfenstrasse 19, Postfach, 3000 Bern 16,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Postfach 7475, 3001 Bern.

Nichteinhalten der Polizeistunde im Gastgewerbe; Rechtsirrtum Art. 20 StGB,

Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil der 1. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Bern vom 24. Juni 2002.

Sachverhalt:
A.
Mit Strafmandat vom 2. März 2001 wurde X.________ (geb. 1959) wegen Nichteinhaltens der Polizeistunde am 24. Februar 2001 zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Er erhob dagegen Einspruch. Am 29. Mai 2001 wurde er erneut wegen Nichteinhaltens der Polizeistunde, begangen am 19. Mai 2001, zu einer Busse von Fr. 400.-- verurteilt. Er erhob auch gegen das zweite Strafmandat Einspruch.
B.
Am 17. Januar 2002 sprach der Gerichtspräsident 13 des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen X.________ von der Anklage des mehrfachen Nichteinhaltens der Polizeistunde frei, da dieser sich in einem Rechtsirrtum befunden habe.
C.
Auf Appellation der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hin bestätigte das Obergericht des Kantons Bern am 24. Juni 2002 den Freispruch für die vorgehaltene Tat vom 24. Februar 2001. Sie erklärte jedoch X.________ des Nichteinhaltens der Polizeistunde im Gastgewerbe, begangen am 19. Mai 2001, für schuldig und büsste ihn mit Fr. 300.--.
D.
X.________ führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, er sei von der Anklage des Nichteinhaltens der Polizeistunde freizusprechen. Er beantragt ebenfalls die Verurteilung des Kantons Bern zur Zahlung sämtlicher kantonaler Verfahrens- und Verteidigungskosten.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde ist kassatorischer Natur (Art. 277ter Abs. 1 BStP). Insofern der Beschwerdeführer einen Freispruch und die Festlegung der kantonalen Verfahrens- und Verteidigungskosten beantragt, also mehr als die Aufhebung des letztinstanzlichen Urteils, kann auf sein Begehren nicht eingetreten werden.
2.
Die Nichtigkeitsbeschwerde kann nur damit begründet werden, dass die angefochtene Entscheidung eidgenössisches Recht verletze (Art. 269 Abs. 1 BStP). Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Verurteilung beruhe zwar auf kantonalem Recht, die Nichtanwendung von Art. 20 StGB stelle jedoch eine Bundesrechtsverletzung dar. Seine Nichtigkeitsbeschwerde sei daher zulässig. Diese Argumentation geht fehl. Kantonales Strafrecht kann nicht mittels einer Nichtigkeitsbeschwerde überprüft werden, selbst wenn dieses direkt oder indirekt auf den allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches verweist (BGE 117 IV 14 E. 4b S. 18; Martin Schubarth, Nichtigkeitsbeschwerde 2001, Bern 2001, N. 166 mit Nachweisen). Im Kanton Bern sieht Art. 1 des Gesetzes betreffend die Einführung des schweizerischen Strafgesetzbuches vom 6. Oktober 1940 vor, dass dessen allgemeine Bestimmungen auf die nach kantonalem Strafrecht strafbaren Handlungen entsprechend Anwendung finden. Art. 20 StGB ist vorliegend somit als kantonales Ersatzrecht angewandt worden, dessen Verletzung nicht mit Nichtigkeitsbeschwerde gerügt werden kann. Auch die Frage, wer die kantonalen Verfahrens-und Verteidigungskosten zu tragen hat, beschlägt kantonales Recht. Auf die Nichtigkeitsbeschwerde kann somit nicht eingetreten werden.
3.
Da der Beschwerdeführer mit der Nichtigkeitsbeschwerde unterliegt, sind ihm die bundesgerichtlichen Kosten aufzuerlegen (Art. 278 Abs. 1 BStP).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Generalprokurator des Kantons Bern und der 1. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 12. August 2002
Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Parole chiave

cassation complaintinadmissibilitycurfew offencecantonal criminal lawlegal errorcourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the federal cassation complaint could seek an acquittal and allocation of cantonal costs.

Decisione estratta

No. The cassation complaint is purely cassatory and cannot seek substantive relief or cantonal cost allocation.

Motivazione estratta

Under Art. 277ter para. 1 BStP, only annulment of the last-instance judgment may be requested; requests for acquittal and cantonal costs exceed that scope.

Questione giuridica chiave

Whether alleged non-application of Art. 20 StGB in a cantonal curfew offence could be reviewed by federal cassation.

Decisione estratta

No. The challenged ruling applied cantonal criminal law, and any misapplication of Art. 20 StGB as substitute law is not reviewable by cassation.

Motivazione estratta

Cantonal criminal law cannot be reviewed through cassation even when it refers to federal general part provisions. The issue of who bears cantonal procedural and defence costs likewise concerns cantonal law.

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