Restoration of appeal deadline denied for late filing

6B_848/2011Tribunale federale / Divisione penale6 lug 2012Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Supreme Court dismissed the prosecution's criminal complaint against the cantonal ruling. The prosecution had handed its appeal declaration to an internal courier one day before the appeal deadline expired, but it arrived after the deadline. The Court held that the 20-day appeal period was statutory and non-extendable, that restoration under Art. 94 StPO required a showing of no fault, and that any fault of the courier was imputable to the party. The prosecution failed to show an excusable reason for the delay. No court costs were charged and no compensation was awarded.

Massima Omnilex

Art. 399 Abs. 3 StPO, Art. 94 StPO; deadline restoration for late appeal declaration: the 20-day period for filing the appeal declaration is statutory and non-extendable. Restoration is possible only if the party credibly shows that it bears no fault for the default. Fault of auxiliary persons, including messengers or internal couriers, is imputed to the party as its own fault. A mere established practice of dispatch by internal courier does not dispense with the requirement of proving excusable default; where the late submission results from a misdirection within the office and no faultless extraordinary impediment is shown, restoration must be refused (consid. 1.1-1.2).

Testo completo

{T 0/2}
6B_848/2011

Urteil vom 6. Juli 2012
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Denys, Schöbi,
Gerichtsschreiber Borner.

Verfahrensbeteiligte
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdeführerin,

gegen

X.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Fristwiederherstellung (schwere Körperverletzung usw.),

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts
des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 29. November 2011.

Sachverhalt:

A.
Das Bezirksgericht Uster verurteilte X.________ am 8. September 2011 unter anderem wegen schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich Berufung an. Die Urteilsbegründung ging bei ihr am 22. September 2011 ein. Die 20-tägige Frist, die Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO), begann am 23. September 2011 und endete am 12. Oktober 2011.

Die Staatsanwaltschaft übergab nach eigener Darstellung am 11. Oktober 2011 die Berufungserklärung dem internen Kurierdienst. Diese traf am 13. Oktober 2011 beim Obergericht des Kantons Zürich ein. Darauf hingewiesen, ersuchte die Staatsanwaltschaft um Fristwiederherstellung.

B.
Das Obergericht wies am 29. November 2011 das Gesuch um Fristwiederherstellung ab und trat auf die Berufung der Staatsanwaltschaft nicht ein.

C.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, wie in jahrelanger, unangefochtener und problemloser Praxis habe sie die Berufungserklärung einen Tag vor Fristablauf dem behördlichen und beamteten internen Kurier übergeben, wobei sie immer davon habe ausgehen können und dürfen, dass die Sendung anderntags beim Obergericht einging. Angesichts dieser bewährten Praxis widerspreche es dem Grundsatz von Treu und Glauben (überspitzter Formalismus), wenn die Vorinstanz Art. 91 Abs. 2 StPO im konkreten Fall derart formstreng und am Buchstaben haftend interpretiere. Zudem könne unter den erwähnten Umständen nicht von einem Verschulden der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 94 Abs. 1 Satz 2 StPO ausgegangen werden.

1.1 Die 20-tägige Frist des Art. 399 Abs. 3 StPO ist eine gesetzliche, mithin nicht erstreckbare Frist. Eine Wiederherstellung der Frist ist nur unter den Bedingungen des Art. 94 StPO möglich. Deshalb beruft sich die Beschwerdeführerin vergeblich auf das Verbot des überspitzten Formalismus.

1.2 Eine Partei kann die Wiederherstellung einer versäumten Frist verlangen, wenn sie unter anderem glaubhaft macht, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft (Art. 94 Abs. 1 StPO). Ein Verschulden von Hilfspersonen wie z.B. Boten ist der Partei wie eigenes Verschulden anzurechnen (BGE 114 Ib 67; CHRISTOF RIEDO, Schweizerische Strafprozessordnung, Basler Kommentar, Art. 94 N. 58).

Die Vorinstanz hält fest, gemäss Stellungnahme der Beschwerdeführerin sei die Berufungserklärung aufgrund eines Missverständnisses nicht der Post, sondern dem internen Kurier übergeben worden. Somit sei die verspätete Zustellung nicht auf ein aussergewöhnliches Vorkommnis wie Naturereignisse, Unfall oder Krankheit zurückzuführen (angefochtener Entscheid S. 3 lit. c). Diese Feststellungen lässt die Beschwerdeführerin unwidersprochen. Insbesondere legt sie nicht dar, dass der interne Kurier die Frist schuldlos verpasst habe. Folglich hat die Vorinstanz das Gesuch, die Frist wieder herzustellen, zu Recht abgewiesen.

2.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Gerichtskosten werden keine erhoben (Art. 66 Abs. 4 BGG). Da der Beschwerdegegner keine Umtriebe hatte, ist er nicht zu entschädigen (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. Juli 2012

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: Borner

Parole chiave

deadline restorationlate filingcriminal appealimputed faultexcessive formalismnon-extendable deadline

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the deadline for filing the appeal declaration could be restored under Art. 94 StPO

Decisione estratta

Restoration was denied because the late filing was attributable to the prosecution's own error in using the internal courier and no excusable fault was shown.

Motivazione estratta

The 20-day period under Art. 399(3) StPO is a non-extendable statutory deadline. Deadline restoration is only possible under Art. 94 StPO, requiring credible absence of fault. Fault of helpers such as messengers is imputed to the party, and the prosecution did not show that the courier missed the deadline without fault.

Questione giuridica chiave

Whether the cantonal court engaged in excessive formalism by refusing to accept the late filing

Decisione estratta

No. The court held that the appeal period was a statutory deadline and that Art. 94 StPO governed exclusively, so excessive formalism was not established.

Motivazione estratta

Because the deadline was non-extendable and only restoration under Art. 94 StPO was available, reliance on the prohibition of excessive formalism could not succeed.

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