Standing to challenge appointed counsel’s fee

5D_160/2011Tribunale federale / II divisione civile22 nov 2011Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Federal Supreme Court held that the party had no standing to challenge the amount of compensation awarded to her appointed lawyer in the divorce appeal. The fee claim arises from the public-law relationship between the state and counsel, not between counsel and the client; only counsel may contest a too-low fee in her own name. The subsidiary constitutional complaint was therefore inadmissible. Because the complaint had no prospects of success, the request for legal aid was denied. Court costs of CHF 1,000 were charged to attorney Ursula Zimmermann.

Massima Omnilex

Art. 76 Abs. 1 lit. b, Art. 115 lit. b BGG; standing to challenge remuneration of court-appointed counsel. The fee claim of officially appointed counsel is founded in the public-law relationship between state and counsel; the represented party has no legally protected interest in increasing counsel’s compensation, since any higher amount would only affect a possible reimbursement claim toward the state. Consequently, the client lacks standing to file a constitutional complaint against the fee award; only counsel may seek judicial review in her own name (consid. 1.2). Where the complaint is hopeless, legal aid is refused; costs may exceptionally be charged to counsel under Art. 66 Abs. 3 BGG.

Testo completo

{T 0/2}
5D_160/2011

Urteil vom 22. November 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter L. Meyer,
Gerichtsschreiber Zingg.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Fürsprecherin Ursula Zimmermann,
Beschwerdeführerin,

gegen

Obergericht des Kantons Solothurn, Zivilkammer, Amthaus I, Postfach 157, 4502 Solothurn,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Entschädigung der amtlichen Anwältin
(Ehescheidung),

Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn, Zivilkammer, vom 7. Juli 2011.

Sachverhalt:

A.
X.________ wurde im Scheidungsverfahren von Fürsprecherin Ursula Zimmermann als unentgeltliche Rechtsbeiständin vertreten. Im Appellationsverfahren, das einzig den Kindesunterhalt betraf, entzog ihr das Obergericht des Kantons Solothurn zweimal das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung. Dagegen wehrte sie sich beide Male erfolgreich mit Beschwerden an das Bundesgericht (Urteile 5A_54/2010 vom 19. März 2010 und 5A_637/2010 vom 25. Januar 2011).

Mit Urteil vom 7. Juli 2011 entschied das Obergericht über die Appellation. Zugleich setzte es die Kostenforderung von Fürsprecherin Zimmermann für das Appellationsverfahren auf Fr. 3'001.30 fest. Dabei kürzte es den geltend gemachten Zeitaufwand und ging von einem Stundenansatz von Fr. 180.-- aus.

B.
Am 13. September 2011 hat X.________, vertreten durch Fürsprecherin Zimmermann, gegen die Festsetzung der Entschädigung subsidiäre Verfassungsbeschwerde erhoben. Sie beantragt die Aufhebung der entsprechenden Dispositivziffer des obergerichtlichen Urteils. Die oberinstanzliche Entschädigung sei auf mindestens Fr. 4'038.-- festzulegen. Zudem sei X.________ vor Bundesgericht das Recht zur unentgeltlichen Rechtspflege zu gewähren, unter Beiordnung von Fürsprecherin Zimmermann als amtliche Anwältin.

Vernehmlassungen hat das Bundesgericht nicht eingeholt.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob ein Rechtsmittel zulässig ist (BGE 135 III 212 E. 1 S. 216 mit Hinweisen).

1.1 Als Beschwerdeführerin tritt X.________ auf. Zwar wird in der Beschwerde ausgeführt, dass die amtliche Anwältin ein eigenes rechtlich geschütztes Interesse an der Beschwerdeführung aufweise und das rechtliche Gehör der Anwältin verletzt worden sei. Dies ändert aber nichts daran, dass im Übrigen X.________ als Beschwerdeführerin bezeichnet wird. Dies geht namentlich aus dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das bundesgerichtliche Verfahren deutlich hervor.

1.2 Bei der unentgeltlichen Verbeiständung handelt es sich um ein öffentlich-rechtliches Verhältnis zwischen dem Staat und dem Rechtsanwalt (BGE 132 V 200 E. 5.1.4 S. 205), das einen Honoraranspruch des Rechtsbeistands gegenüber dem Staat und nicht gegenüber dem Vertretenen begründet. Entschädigt der Staat im Rahmen der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege den amtlichen Vertreter, kann dieser keine weitergehende Honorarforderung an die von ihm vertretene Partei stellen (BGE 108 Ia 11 E. 1 S. 12 f.; 117 Ia 22 E. 4e S. 26; 122 I 322 E. 3b S. 325 f.). Die amtlich verbeiständete Partei hat kein schützenswertes Interesse (Art. 76 Abs. 1 lit. b und Art. 115 lit. b BGG) an der Erhöhung der Entschädigung ihres amtlichen Anwalts. Dadurch würde einzig der Betrag erhöht, den sie gegebenenfalls dem Gemeinwesen zurückzuzahlen hätte, sofern nach dem massgebenden kantonalen Recht ein Nachforderungsanspruch des Staates besteht und die Partei nachträglich zu hinreichenden finanziellen Mitteln gelangt (Urteil 5A_451/2011 vom 25. Juli 2011 E. 1.2 mit Hinweisen). Es obliegt vielmehr dem amtlichen Anwalt, in eigenem Namen gegen eine seines Erachtens zu tief ausgefallene Entschädigung Beschwerde zu führen (Urteil 5D_67/2010 vom 6. September 2010 E. 1.3 mit Hinweis). Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde kann somit nicht eingetreten werden.

2.
Bei diesem Verfahrensausgang erscheint es unbillig, die Gerichtskosten der offensichtlich mittellosen Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Diese sind vielmehr von ihrer Anwältin zu tragen (Art. 66 Abs. 3 BGG). Da die Verfassungsbeschwerde aussichtslos war, ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung abzuweisen, soweit es nicht gegenstandslos geworden ist (Art. 64 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das bundesgerichtliche Verfahren wird abgewiesen, soweit es nicht als gegenstandslos abzuschreiben ist.

3.
Die Gerichtskosten von 1'000.-- werden Fürsprecherin Ursula Zimmermann auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, Fürsprecherin Ursula Zimmermann und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. November 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: Zingg

Parole chiave

standinglegal aidappointed counselcourt feesconstitutional complaintadmissibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the party had standing to file a subsidiary constitutional complaint against the award of her appointed counsel’s fee.

Decisione estratta

The party lacked a legally protected interest to seek an increase of her appointed lawyer’s compensation; only the lawyer could challenge the fee in her own name.

Motivazione estratta

The fee relationship in legal aid is between the state and counsel, not between counsel and the represented party. An increase would only affect any possible reimbursement claim against the party, so the party is not entitled under Art. 76(1)(b) and Art. 115(b) BGG.

Questione giuridica chiave

Whether the request for legal aid before the Federal Supreme Court should be granted.

Decisione estratta

The request was rejected because the constitutional complaint had no prospects of success.

Motivazione estratta

Since the complaint was inadmissible and therefore unsuccessful, legal aid and appointed counsel for the federal proceedings were not available.

Questione giuridica chiave

Allocation of federal court costs.

Decisione estratta

Court costs were imposed on counsel, not on the indigent party, because the proceeding outcome made it unreasonable to charge the party.

Motivazione estratta

Under Art. 66(3) BGG, the costs were shifted to the attorney; the complaint’s lack of prospects also justified refusal of legal aid under Art. 64(1) BGG.

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