State constitutional complaint inadmissible for insufficient reasoning

1P.377/2002Tribunale federale / I divisione di diritto pubblico9 ago 2002Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

X. filed a state constitutional complaint against two Bern cantonal decisions concerning recusal requests. The Federal Supreme Court held that the submissions did not satisfy the strict reasoning requirements for such a complaint because they did not engage with the cantonal reasoning and relied on unsubstantiated criticism. It therefore did not enter into the complaint and imposed court costs of CHF 1,000 on the petitioner.

Massima Omnilex

Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; constitutional complaint must set out the essential facts and specify, in a concise and substantiated manner, which constitutional rights or legal rules were violated and how. The Federal Supreme Court examines only clearly and specifically raised complaints; it does not enter into insufficiently reasoned submissions or mere appellatory criticism (consid. 5). If the complaint fails to meet these requirements, it is inadmissible. Costs follow the outcome under Art. 156 Abs. 1 OG (consid. 6).

Testo completo

{T 0/2}
1P.377/2002 /zga

Urteil vom 9. August 2002
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Nay, Aeschlimann,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Obergericht des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern.

Ablehnung

Staatsrechtliche Beschwerde gegen die Entscheide des Obergerichts des Kantons Bern vom 2. und 18. April 2002

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Der geschäftsleitende Untersuchungsrichter des Untersuchungsrichteramtes III Bern-Mittelland wies mit Verfügung vom 13. September 2001 X.________ wegen fehlender Legitimation zur Privatklage aus einem Strafverfahren. Dagegen erhob X.________ Beschwerde und stellte gleichzeitig ein Ablehnungsgesuch gegen die Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern. Das Obergericht des Kantons Bern trat mit Entscheid vom 2. April 2002 auf das Ablehnungsgesuch nicht ein, da es den Begründungsanforderungen nicht genügte.
2.
Mit Eingabe vom 1. April 2002 erhob X.________ beim Appellationshof des Kantons Bern Nichtigkeitsbeschwerde gegen einen Schiedsspruch des Schiedsgerichts "A.________". Gleichzeitig stellte er ein Ablehnungsbegehren gegen "sämtliche Oberrichter des Appellationshofes des Kantons Bern". Das Obergericht des Kantons Bern hiess mit Entscheid vom 18. April 2002 das Ablehnungsgesuch in Bezug auf Oberrichter Z.________ gut; soweit weitergehend wies es das Gesuch ab. Es führte zusammenfassend aus, bezüglich Oberrichter Z.________ erweise sich das Ablehnungsbegehren als begründet, da X.________ gegen ihn eine Strafanzeige eingereicht und sich als Privatkläger konstituiert habe. Hinsichtlich der übrigen Mitglieder des Appellationshofes nenne X.________ keine Tatsachen, welche bei objektiver Betrachtungsweise den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermöchten. Das rein subjektive Empfinden stelle keinen Befangenheitsgrund dar.
3.
X.________ wandte sich mit Eingaben vom 13. März 2002 (recte: 13. Mai 2002) und 24. Mai 2002 an das Obergericht des Kantons Bern. Dieses fragte ihn mit Schreiben vom 16. Mai 2002 und 7. Juni 2002 an, ob er seine Eingaben als staatsrechtliche Beschwerde behandelt wissen möchte. Sollte er sich dazu nicht mehr äussern, erfolge ein Überweisung an das Bundesgericht.
4.
Mit Schreiben vom 10. Juli 2002 überwies das Obergericht des Kantons Bern die Eingaben vom 13. und 24. Mai 2002 dem Bundesgericht zur weiteren Behandlung. Der Sache nach handelt es sich dabei um eine staatsrechtliche Beschwerde.

Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.
5.
Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss eine staatsrechtliche Beschwerde die wesentlichen Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind. Im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren prüft das Bundesgericht nur klar und detailliert erhobene Rügen (BGE 127 I 38 E. 3c mit Hinweisen). Auf ungenügend begründete Rügen und rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt es nicht ein (BGE 125 I 492 E. 1b).

Der Beschwerdeführer äussert sich in seinen Eingaben weder zu den Ausführungen im Nichteintretensentscheid vom 2. April 2002 noch legt er rechtsgenüglich dar, inwiefern das Obergericht in seinem Entscheid vom 18. April 2002 in verfassungswidriger Weise das Ablehnungsgesuch abgewiesen haben sollte. Mangels einer genügenden Begründung ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die bundesgerichtlichen Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.
Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und dem Obergericht des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 9. August 2002
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Parole chiave

constitutional complaintinadmissibilityreasoning requirementrecusaljudicial impartialitycourt costs

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the state constitutional complaint met the reasoning requirements of Art. 90 para. 1 lit. b OG

Decisione estratta

No. The complaint did not address the reasons given in the cantonal decisions and failed to explain in a constitutionally sufficient way why they were allegedly unlawful.

Motivazione estratta

The Federal Supreme Court reviews only clearly and specifically raised constitutional claims; unsubstantiated objections and mere appellate criticism are inadmissible. The submissions contained no proper challenge to the April 2 and April 18, 2002 decisions.

Questione giuridica chiave

Whether the petitioner could obtain review of the cantonal refusal decisions on recusal

Decisione estratta

No review on the merits was possible because the complaint lacked the required substantiation.

Motivazione estratta

Without a sufficiently reasoned constitutional complaint, the Court cannot enter into the recusal grievances.

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