Partial objection does not invalidate unrestricted objection

BGE 86 III 84Raccolta ufficiale del Tribunale federale (DTF) / Volume III7 nov 1960Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

In enforcement proceedings against Rickenbach, the debtor objected and added that only part of the works concerned a third company. The cantonal supervisory authority treated the objection as invalid because the partial dispute was not quantified precisely. The Federal Court held that the objection itself was unconditional and therefore covered the whole claim; the accompanying explanation was not exhaustive and did not limit the objection. The creditor’s complaint was dismissed, and the challenged decision was annulled.

Massima Omnilex

Art. 74 Abs. 2 SchKG, Art. 75 SchKG; Rechtsvorschlag und Begründung bei bloss teilweiser Bestreitung. Der Rechtsvorschlag ist gültig, wenn er seinem Wortlaut nach vorbehaltlos gegen die ganze Forderung erhoben wird, auch wenn ihm eine Begründung beigesetzt ist, die sich nur auf einen Teil der Forderung oder der Arbeiten bezieht. Die Begründung ist nicht abschliessend; sie schliesst spätere Einreden nicht aus. Die Präzisierungspflicht nach Art. 74 Abs. 2 SchKG greift nur, soweit der Schuldner den Rechtsvorschlag selbst auf einen Teilbetrag beschränken will. Aus einer partiellen Begründung darf nicht leichthin auf eine Beschränkung des Rechtsvorschlags geschlossen werden (consid. 1).

Testo completo

Urteilskopf

86 III 84

  1. Entscheid vom 7. November 1960 i.S. Rickenbach.

Sachverhalt

ab Seite 84

A.- Der Rekurrent erhob in der gegen ihn von der Cellere & Co. A.-G. angehobenen Betreibung Nr. 160 des Betreibungsamtes Neuheim Rechtsvorschlag, "weil ein Teil der Arbeiten die Fa. Mito betrifft It. Schreiben". Das Betreibungsamt nahm diesen Rechtsvorschlag entgegen und teilte ihn der Gläubigerin auf ihrem Zahlungsbefehlsdoppel mit.

B.- Auf Beschwerde der Gläubigerin befand die kantonale Aufsichtsbehörde mit Entscheid vom 17. Oktober 1960 den Rechtsvorschlag wegen nicht ziffermässig genauer Teilbestreitung der Forderung als ungültig und wies das Betreibungsamt an, der Gläubigerin ein Zahlungsbefehlsdoppel mit dem Vermerk zuzustellen, es sei kein Rechtsvorschlag erhoben worden.

C.- Mit vorliegendem Rekurs beantragt der Schuldner, der von ihm erhobene Rechtsvorschlag sei als erfolgt zu betrachten.

Erwägungen

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht in Erwägung:

Durch Rechtsvorschlag kann die ganze Forderung oder auch nur ein Teilbetrag bestritten werden. "Bestreitet der Betriebene die Forderung nur teilweise, so hat er den bestrittenen Betrag genau anzugeben, widrigenfalls der Rechtsvorschlag als nicht erfolgt betrachtet wird" (Art. 74 Abs. 2 SchKG). Auf Grund dieser Vorschrift sieht die Vorinstanz den vom Rekurrenten erhobenen Rechtsvorschlag als ungültig an. Indessen ist der Rechtsvorschlag, wenn man zunächst von der ihm beigegebenen Begründung absieht, ohne Einschränkung, somit für den ganzen Forderungsbetrag, erhoben worden ("Schuldner erhebt Rechtsvorschlag"). Eines Zusatzes zur Begründung hätte es gar nicht bedurft, und es ist eine solche Begründung nicht als abschliessend zu betrachten; sie schliesst die Erhebung weiterer Einreden bei der gerichtlichen Auseinandersetzung nicht aus (Art. 75 SchKG). Das gilt insbesondere auch dann, wenn sich die Begründung nur mit einem Teil der in Betreibung stehenden Forderung befasst. Aus diesem Umstande darfnicht leichthin gefolgert werden, der Schuldner wolle den an und für sich ohne Begrenzung auf einen Teilbetrag erhobenen Rechtsvorschlag nur eben für den Teil der Forderung verstanden wissen, zu dem er in einem begründenden Zusatze Stellung nimmt. Der Schuldner kann sehr wohl auch gegenüber dem übrigen Teil der Forderungen Einreden erheben wollen, ohne sich schon jetzt darüber auszusprechen. Übrigens steht ihm frei, vorerst einmal, auch wenn er über den einzunehmenden Rechtsstandpunkt noch nicht im klaren ist, gegen das Ganze Recht vorzuschlagen, sei es ohne jegliche Begründung beizufügen, sei es mit einer bloss einen Teil der Forderung betreffenden Begründung und mit Vorbehalt der spätern Stellungnahme in jeder andern Beziehung. Dieser Vorbehalt braucht nicht ausdrücklich formuliert zu werden. Er versteht sich nach Art. 75 SchKG von selbst, sofern die Art der Begründung ihn nicht einwandfrei ausschliesst. Wie in dem in BGE 63 III 67 ff. beurteilten Falle, worauf sich der Rekurrent mit Recht beruft, zerfällt die vorliegende Rechtsvorschlagserklärung deutlich in zwei Teile: den eigentlichen, vorbehaltlos auf das Ganze gerichteten Rechtsvorschlag und den zur Begründung angebrachten Zusatz. Der Umstand, dass dieser nur auf einen Teil der Arbeiten Bezug nimmt, rechtfertigt es nach dem Gesagten nicht, nun auch den Rechtsvorschlag als solchen, entgegen seinem Wortlaut, bloss auf einen nicht ziffermässig umgrenzten Teil der Arbeiten zu beziehen und wegen dieser Unbestimmtheit der Begründung dann überhaupt als ungültig zu betrachten. Dies um so weniger, als der Hinweis auf einen Teil der "Arbeiten" nicht eindeutig nur einen Teil der Betreibungssumme betrifft.

Dispositiv

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer:

Der Rekurs wird gutgeheissen, der angefochtene Entscheid aufgehoben und die von der Gläubigerin wegen der Entgegennahme des Rechtsvorschlages durch das Betreibungsamt geführte Beschwerde abgewiesen.

Parole chiave

debt enforcementobjectionpartial disputequantificationlegal defensessupervisory complaint

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether an objection accompanied by a partial justification is valid when the objection itself is unlimited and unconditional.

Decisione estratta

Yes. The objection was effective for the full claim; the partial explanation did not restrict it and did not require the debtor to quantify the contested amount in this context.

Motivazione estratta

Under Art. 74(2) SchKG, a partial dispute must be precisely quantified, but here the declaration of objection was unqualified and thus covered the whole debt. A subsequent or accompanying explanation under Art. 75 SchKG is not exhaustive and does not preclude further defenses. The wording did not clearly show that the debtor intended to limit the objection to a part of the claim.

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