Fraud against mentally incapacitated victims and sentencing discretion

BGE 80 IV 156Raccolta ufficiale del Tribunale federale (DTF) / Volume IV17 set 1954Dismissed

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Sintesi Omnilex

Brügger challenged a fraud conviction concerning Jäger, who suffered from senile dementia, arguing that an incapable person could not be deceived within the meaning of Art. 148 StGB and that the appellate court had to start from the first-instance sentence. The Kassationshof rejected both arguments. It held that fraud may be committed against mentally impaired victims because the statute requires only deception, error, and patrimonial damage, not normal capacity for self-protection. It also held that the upper cantonal court must determine punishment independently under federal sentencing principles, especially Art. 63 StGB, unless cantonal procedure provides otherwise.

Massima Omnilex

Art. 148 StGB; deception and damage of mentally impaired victim; Art. 63 StGB; independent appellate sentencing; A fraud can also be committed against a person whose mental state deviates from the norm, provided deception, error and patrimonial damage are established. The provision does not require the victim to possess normal intellectual capacity or the ability to protect himself by rational reflection. Reduced mental capacity may, on the contrary, facilitate deception. Likewise, the victim's incapacity or the revocability of his acts does not preclude patrimonial damage, which occurs when he actually disposes of assets. As to sentencing, the upper cantonal court is not bound, absent a procedural rule to the contrary, to use the first-instance penalty as its starting point; it must apply the federal sentencing norms independently (consid. 6, 8).

Testo completo

Urteilskopf

80 IV 156

  1. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 17. September 1954 i.S. Brügger gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern.

Erwägungen

ab Seite 157

Aus den Erwägungen:

  1. Den Antrag auf Freisprechung von der Anklage des Betruges gegenüber Jäger begründet der Beschwerdeführer damit, dass ein Urteilsunfähiger nicht im Sinne des Art. 148 StGB irregeführt und dadurch zu einem sein Vermögen schädigenden Verhalten bestimmt werden könne.

Jemanden irreführen heisst, in ihm Vorstellungen wachrufen, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Solche Vorstellungen können auch in einer Person erzeugt werden, die infolge ihres von der Norm abweichenden Geisteszustandes nicht fähig ist, vernünftig zu handeln. Solche Personen sind oft sogar in besonderem Masse der Gefahr ausgesetzt, sich zu irren. Gerade die Vergesslichkeit, Kritiklosigkeit und leichte Beeinflussbarkeit, unter denen Jäger wegen seines Altersschwachsinnes litt, haben die Irreführung erleichtert. Art. 148 StGB setzt bloss den Irrtum voraus, nicht auch die Fähigkeit des Opfers, sich durch vernünftige Überlegungen vor Schaden zu schützen, insbesondere mit normaler Geisteskraft einem Irrtum vorzubeugen oder einen solchen zu überwinden. Es wäre eine sonderbare Rechtsordnung, wenn sie gerade den, der infolge verminderter Geistesgaben in vermehrtem Masse der Gefahr ausgesetzt ist, sich zu irren, nicht strafrechtlich gegen die betrügerische Hervorrufung und Ausnützung von Irrtümern schützen würde.

Eine andere Frage ist, ob der Täter wisse, dass das Opfer unter dem Einfluss eines Irrtums handelt, oder ob er der Meinung sei, es sei der Lüge mit der Geisteskraft eines Normalen auf die Spur gekommen und fasse seinen Entschluss in Kenntnis des wahren Sachverhaltes. Davon aber hangen nur Vorsatz und Arglist ab, die der Beschwerdeführer mit Recht nicht bestreitet.

Urteilsunfähigkeit des Opfers und daherige Unverbindlichkeit seiner Handlungen schliessen auch nicht die Vermögensschädigung aus, die Tatbestandsmerkmal des Betruges ist. Der Schaden tritt unabhängig vom Recht des Geprellten, den früheren Zustand wiederherstellen zu lassen, dadurch ein, dass er tatsächlich über sein Vermögen verfügt, d.h. sich einer Sache entäussert, einen Wechsel unterschreibt und dgl.

Die Beschwerde ist daher auch in diesem Punkte abzuweisen.

8......

Soweit der Beschwerdeführer sodann zur Stützung seiner Rüge, das Obergericht habe ihn zu streng bestraft, auf die vom Kriminalgericht ausgefällte Strafe verweist und daraus ableitet, das Obergericht hätte sie wegen Verneinung des leichtsinnigen Konkurses und wegen Annahme verminderter Zurechnungsfähigkeit stärker herabsetzen sollen, geht er schon deshalb fehl, weil keine bundesrechtliche Norm der oberen kantonalen Instanz vorschreibt, die von der ersten Instanz ausgefällte Strafe als Ausgangspunkt für die Zumessung der Strafe zu nehmen. Vielmehr hat die obere Instanz, soweit nicht kantonale Prozessvorschriften sie daran hindern, die Strafe unabhängig vom erstinstanzlichen Urteil nach den bundesrechtlichen Strafzumessungsnormen, insbesondere nach Art. 63 StGB, zu bestimmen. Bundesrecht wäre daher selbst dann nicht verletzt, wenn das Obergericht eine strengere Strafe ausgefällt hätte als das Kriminalgericht. Die obere kantonale Instanz verletzt im Gegenteil eidgenössisches Recht, wenn sie ohne prozessuale Notwendigkeit das erstinstanzliche Urteil als verbindlichen Massstab oder Ausgangspunkt für die Bestimmung der Art und des Masses der Strafe nimmt, statt frei die bundesrechtlichen Strafzumessungsnormen anzuwenden.

Parole chiave

fraudmental incapacitydeceptionpatrimonial damagesentencing discretionappellate sentencingdiminished responsibility

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether fraud under Art. 148 StGB is excluded when the victim is mentally incapacitated and allegedly unable to protect himself from deception.

Decisione estratta

No. Fraud can be committed against a mentally impaired person; the statute requires only deception, error, and damage, not the victim's capacity for rational self-protection.

Motivazione estratta

Deception consists in inducing false ideas, which can also occur in a person whose mental state deviates from the norm. Such persons may be especially vulnerable to error. The victim's reduced mental capacity does not negate the deception element or the resulting patrimonial harm.

Questione giuridica chiave

Whether the appellate cantonal court had to use the first-instance sentence as the starting point for sentencing, especially after rejecting negligent bankruptcy and acknowledging diminished responsibility.

Decisione estratta

No. Federal law does not require the upper cantonal court to treat the first-instance sentence as the benchmark; it must determine punishment independently under the federal sentencing rules, especially Art. 63 StGB.

Motivazione estratta

Unless cantonal procedural law says otherwise, the appellate authority must assess punishment independently from the lower judgment. Federal law is violated not by imposing a stricter sentence than the first instance, but by treating the first-instance sentence as binding without procedural necessity.

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