Official custody of seized wine upheld despite spouse's ownership claim

BGE 80 III 111Raccolta ufficiale del Tribunale federale (DTF) / Volume III20 ott 1954Dismissed

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The debtor's wife challenged the Bern enforcement office's placement of 265 bottles of wine and spirits into official custody, claiming exclusive possession and irregular attachment. The Federal Supreme Court upheld the supervisory authority's dismissal of her complaint. It held that the debtor retained joint possession of the wine in the marital home, that the pending attachment complaint did not invalidate the attachment, that the inventory discrepancies did not show unlawful seizure of non-attached goods, and that no reviewable abuse of discretion was demonstrated regarding the creditor's need for custody.

Massima Omnilex

Official custody under the debt enforcement law may be ordered to secure attachment rights even where a third party claims ownership, provided the debtor retained joint possession over the seized property; a mere ownership assertion does not bar the measure. The pendency of a complaint against the attachment does not per se invalidate the attachment or preclude custody absent suspensive effect. Discrepancies in the inventory description of seized items do not defeat the attachment where the debtor could identify the goods and the substitutions were made with consent. Whether custody is necessary to safeguard the creditor's rights is chiefly a matter of discretion and evidence; the Federal Supreme Court intervenes only upon abuse of discretion or violation of federal evidentiary rules (consid. 1-4).

Testo completo

Urteilskopf

80 III 111

  1. Entscheid vom 20. Oktober 1954 i.S. Stebler.

Sachverhalt

ab Seite 111

Das Betreibungsamt Bern pfändete am 29. Mai 1954 im Hause des Schuldners in Bern 265 Flaschen Wein und Spirituosen (Nrn. 1-12 Pfändungsurkunde). Diese wurden als Eigentum der Ehefrau des Schuldners bezeichnet. Am 28. August 1954 nahm sie das Betreibungsamt auf Begehren der Gläubigerin in amtliche Verwahrung. Die kantonale Aufsichtsbehörde hat die Beschwerde, mit der die Ehefrau des Schuldners die Rückgabe der weggenommenen Gegenstände verlangte, am 29. September 1954 abgewiesen. Diesen Entscheid hat die Beschwerdeführerin an das Bundesgericht weitergezogen.

Erwägungen

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht in Erwägung:

  1. Die Rekurrentin macht in erster Linie geltend, die amtliche Verwahrung sei deshalb unzulässig, weil sie an den weggenommenen Gegenständen den ausschliesslichen Gewahrsam gehabt habe; die Annahme der Vorinstanz, dass ihr Ehemann daran Mitgewahrsam gehabt habe, sei unrichtig. Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz, die für das Bundesgericht verbindlich sind (Art. 81 in Verbindung mit Art. 43 Abs. 3 und 63 Abs. 2 OG), muss jedoch angenommen werden, dass der Schuldner bis gegen Ende Februar 1954 am ehelichen Domizil in Bern wohnte und auch seit seiner Übersiedelung nach Basel immer wieder in kürzern Abständen (häufig über das Wochenende) in sein Haus zu seiner Familie zurückkehrt, und dass er vor Betreibungsamt Basel erklärt hat, er besitze in Bern einen Weinkeller. Hieraus muss geschlossen werden, dass nicht nur die Rekurrentin, sondern auch der Schuldner über den dort liegenden Wein verfügen konnte. Dies erscheint auch als das Normale. Der Schuldner hatte in seinem Eigenheim nicht bloss die Stellung des Eigentümers eines Miethauses, der an den Sachen der Mieter keinen Gewahrsam hat. Die Eigentumsansprache der Rekurrentin stand unter diesen Umständen der amtlichen Verwahrung nicht im Wege (vgl. BGE 79 III Nr. 24).

  2. Es kann auch keine Rede davon sein, dass diese Massnahme mangels einer gültigen Pfändung gesetzwidrig sei. Der Umstand, dass gegen die Pfändung eine Beschwerde anhängig war, machte die Pfändung nicht ungültig. Dass dieser (heute endgültig abgewiesenen) Beschwerde aufschiebende Wirkung erteilt worden und die amtliche Verwahrung aus diesem Grunde unstatthaft gewesen sei, behauptet die Rekurrentin selber nicht. Der von ihr angezogene EntscheidBGE 58 III 82hat mit der Frage, ob während der Hängigkeit einer Beschwerde gegen die Pfändung die amtliche Verwahrung verfügt werden dürfe, nichts zu tun.

  3. Vergeblich sucht die Rekurrentin die amtliche Verwahrung mit der Begründung anzufechten, dass nicht gepfändeter Wein in Verwahrung genommen worden sei. Das Verzeichnis der gepfändeten Flaschen deckt sich zwar nicht in allen Punkten mit dem Inventar der in Verwahrung genommenen. Dies ist aber nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz zur Hauptsache nur darauf zurückzuführen, dass sich die Bezeichnung einer Anzahl von Flaschen nachträglich als unrichtig herausstellte und daher bei der Inventierung der in Verwahrung genommenen Flaschen durch die zutreffende Bezeichnung ersetzt wurde. Die unrichtige Bezeichnung in der Pfändungsurkunde änderte nichts daran, dass die betreffenden Flaschen gepfändet worden waren und der Schuldner nach den Umständen hierüber nicht im Zweifel sein konnte. Hinsichtlich des Ersatzes von zwei Flaschen Auvernier durch zwei Flaschen Vully stellt die Vorinstanz verbindlich fest, dass die anstelle des Schuldners anwesende Rekurrentin ihn anbot und das Betreibungsamt seine Zustimmung dazu gab. Damit fielen die Ersatzstücke, wie die Vorinstanz zutreffend angenommen hat, ohne weiteres unter Pfändungsbeschlag (BGE 60 III 196). Sollten unter den ausserdem noch in Verwahrung genommenen 36 Flaschen Vully einige nicht zu den beim Pfändungsvollzug vorgefundenen 36 Flaschen Vully gehören, sondern aus einer später eingetroffenen Sendung stammen, so wären durch diese Verwechslung keine schützenswerten Interessen verletzt worden. Im übrigen ist das Betreibungsamt zum Umtausch der angeblich verwechselten Flaschen bereit.

  4. Ob die Gläubigerin glaubhaft gemacht habe, dass die amtliche Verwahrung zur Sicherung ihrer durch die Pfändung begründeten Rechte geboten sei, ist im wesentlichen eine Ermessens- und Beweisfrage, die das Bundesgericht nicht überprüfen kann (BGE 48 III 201). Eine Ermessensüberschreitung oder eine Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften, gegen die es einschreiten könnte, ist im vorliegenden Falle nicht dargetan.

Dispositiv

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer:

Der Rekurs wird abgewiesen.

Parole chiave

debt enforcementseizureofficial custodyjoint possessionownership claimattachment complaintinventory discrepancydiscretionevidence

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether official custody was barred because the debtor's wife had exclusive possession of the seized items

Decisione estratta

No. The debtor retained at least joint possession over the wine stored in the marital home, so the wife's ownership claim did not prevent official custody.

Motivazione estratta

Based on the binding factual findings, the debtor still stayed regularly at the family home and had referred to a wine cellar in Bern. It was therefore normal to conclude that he could dispose of the wine together with his wife.

Questione giuridica chiave

Whether official custody was unlawful because the underlying attachment was invalid or stayed

Decisione estratta

No. A pending complaint against the attachment did not invalidate it, and no suspensive effect was shown.

Motivazione estratta

The mere pendency of a complaint does not render an attachment void. The appellant did not allege that suspensive effect had been granted.

Questione giuridica chiave

Whether non-attached wine had been placed in custody

Decisione estratta

No relevant unlawful inclusion was shown; the inventory discrepancies were mainly due to later correction of inaccurate descriptions, and replacement bottles were properly included in the attachment.

Motivazione estratta

The attachment record remained sufficient despite inaccurate bottle descriptions. The substitution of two Auvernier bottles with two Vully bottles was made with the appellant's offer and the office's consent. Any confusion about additional bottles caused no protected harm.

Questione giuridica chiave

Whether the creditor sufficiently made plausible that official custody was necessary to secure attachment rights

Decisione estratta

The court did not intervene, because the assessment was primarily one of discretion and evidence and no abuse of discretion or violation of federal evidentiary rules was shown.

Motivazione estratta

The Supreme Court cannot review such discretionary and evidentiary assessments absent a federal-law violation.

Continua la tua ricerca in ChatGPT o Claude

Collega Omnilex per cercare nel corpus legale dal tuo assistente IA.