Late constitutional appeal filed after deadline

BGE 28 I 40Raccolta ufficiale del Tribunale federale (DTF) / Volume I24 feb 1902Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The applicants attacked Uri cantonal decisions concerning the composition of the cantonal hospital board. They first complained to the Federal Council, which declared itself incompetent after a competence exchange under Art. 194 Org. Ges. The Federal Court held that lodging the appeal with an incompetent authority does not preserve the appeal period, even in such a situation. Since the appeal was only filed with the Federal Court after expiry of the 60-day period, the court refused to enter into it.

Massima Omnilex

Art. 178 Ziff. 3, Art. 194 Org. Ges.; staatsrechtlicher Rekurs an eine inkompetente Behörde wahrt die Rekursfrist nicht, auch wenn über die Zuständigkeit zwischen Bundesrat und Bundesgericht ein Meinungsaustausch nach Art. 194 Org. Ges. stattgefunden hat. Eine von Amtes wegen vorzunehmende Überleitung der Beschwerde besteht nicht; der erst nach Ablauf der Frist beim zuständigen Bundesgericht eingereichte Rekurs ist verspätet und unzulässig (consid. 1-2).

Testo completo

  1. Urteil vom 20. März 1902 in Sachen Zurfluh gegen Uri. Einreichung eines staatsrechtlichen Rekurses beim Bundesrat. Meinungs austausch zwischen Bundesrat und Bundesgericht gemäss Art. 194 Org.-Ges. Inkompetenzerklärung des Bundesrates. Nacherige, nach Ablauf der Rekursfrist erfolgende Einreichung des Rekurses beim Bundesgericht. Art. 178 Ziff. 3 Org.-Ges. A. Mit Eingabe vom 7. Dezember 1901 hatten die Rekurren ten beim Bundesrate Beschwerde erhoben gegen die Beschlüsse des Landrates von Uri vom 2. Oktober, promulgiert am 10. Oktober 1901, gemäß welchen in Ergänzung des Reglements für den Verwaltungsrat des Kantonsspitals vom 21. November 1889 folgendes festgesetzt wurde: Der Verwaltungsrat besteht aus fünf Mitgliedern, wovon vier durch den Landrat zu wählen sind. In Ausführung dieses Beschlusses werden folgende Ergän zungswahlen getroffen: 1. Hochw. Hr. bischöfl. Kommissar und Pfarrer I. A. Gisler, Altdorf. 2. Hr. Verhörrichter I. Wipfli, Erstfeld. Die Rekurrenten stellten das Gesuch, es seien die vorbezeichne ten Beschlüsse des Landrates von Uri als verfassungswidrig auf zuheben und stützten sich dabei in formeller Beziehung auf den zweitletzten Absatz von Art. 189 des Org. Ges., wonach der Bundesrat oder die Bundesversammlung zu beurteilen haben; Beschwerden betreffend kantonale Wahlen auf Grundlage sämt licher einschlägigen Bestimmungen des kantonalen Verfassungs rechtes. Beim Bundesgericht wurde damals kein Rekurs eingereicht. B. Nach Einleitung und Durchführung des in Art. 194 Org. Ges. vorgesehenen Meinungsaustausches zwischen Bundesrat und Bundesgericht hat der Bundesrat mit Beschluß vom 11. Februar 1902 erkannt: Auf die Beschwerde wird wegen Inkompetenz nicht eingetreten. C. Mit Eingabe vom 23./24. Februar wird dieselbe Beschwerde beim Bundesgericht als staatsrechtlicher Rekurs im Sinne von Art. 175 ff. O. G. geltend gemacht unter Beifügung der Bemer kung: In formeller Beziehung wurde der Rekurs beim h. Bundes rat in nützlicher Frist anhängig gemacht; das schließt in sich, daß, angesichts der Bestimmungen des Art. 194 des Org. Ges., wonach die Überleitung der Beschwerde von der nicht kompeten ten Amtsstelle an die kompetente Bundesbehörde eigentlich von Amtes wegen erfolgen soll, auch der vorliegende Rekurs beim h. Bundesgerichte als rechtzeitig eingereicht angesehen werden muß." Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
  2. Wie das Bundesgericht mehrfach erkannt hat, kann die Rekursfrist durch Anbringung des Rekurses bei einer inkompeten ten Behörde nicht gewahrt werden. Dieser Satz muß auch dann zur Anwendung gelangen, wenn die Kompetenzfrage zu einem Meinungsaustausch zwischen Bundesrat und Bundesgericht im Sinne von Art. 194 Org. Ges. Anlaß gegeben hat. Vergl.

Amtl. Samml. der bundesger. Entscheide, Bd. XIX, S. 65 Erw. 2. Die Ansicht der Rekurrenten, daß in solchen Fällen eine Über leitung der Beschwerde von der nicht kompetenten Amtsstelle an die kompetente Bundesbehörde eigentlich von Amtes wegen erfol gen solle, muß als rechtsirrtümlich bezeichnet werden. 2. Wenn somit im vorliegenden Falle bei der Beurteilung der formellen Requisite des Rekurses von der am 7. Dezember 1901 an den Bundesrat gerichteten Beschwerde abzusehen ist, so kann auf den vorliegenden, am 23./24. Februar 1902 beim Bundes gericht eingereichten und gegen Beschlüsse, die schon am 10. Ok tober 1901 promulgiert worden sind, gerichteten Rekurs wegen Verwirkung der 60tägigen Rekursfrist nicht eingetreten werden. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Parole chiave

constitutional appealappeal deadlineincompetent authoritytransfer of complaintnon-entrytimeliness

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether filing a state-law appeal with an incompetent authority preserves the appeal deadline under Art. 194 Org. Ges.

Decisione estratta

No. Filing with the Federal Council did not preserve the deadline, even though a competence exchange under Art. 194 Org. Ges. took place.

Motivazione estratta

The court held that an appeal period is not met by lodging the appeal before an incompetent authority; this applies equally where the competence question triggered an exchange between the Federal Council and the Federal Court. Any alleged automatic transmission ex officio is legally incorrect.

Questione giuridica chiave

Whether the appeal filed with the Federal Court on 23/24 February 1902 was timely against decisions promulgated on 10 October 1901.

Decisione estratta

No. The 60-day appeal period had expired.

Motivazione estratta

Because the initial filing with the Federal Council could not count, the later filing before the Federal Court was out of time and therefore inadmissible.

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