Cassation complaint dismissed as time-barred

BGE 23 I 600Raccolta ufficiale del Tribunale federale (DTF) / Volume I11 mag 1897Inadmissible

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Bern police chamber convicted Röthlisberger of two infringements of the federal patent-tax law and imposed a fine of CHF 300 plus costs. He sought cassation before the Federal Court. The court held that the special filing period of Art. 18 of the federal procedure act for fiscal and police offenses did not apply, because patent-tax offenses are judged under cantonal procedure pursuant to Art. 8(4) of the patent-tax law. Under Art. 167 OG and Art. 41(3) OG, the statement of grounds had to be posted before the deadline; the postal stamp showed posting only after midnight on 12 May 1897. The complaint was therefore not entered into.

Massima Omnilex

Art. 18 des Bundesgesetzes betreffend das Verfahren bei Übertretungen fiskalischer und polizeilicher Bundesgesetze; Art. 165 ff., 167, 41 Abs. 3 OG; Kassationsbeschwerde verspätet. Die in Art. 18 jenes Spezialgesetzes vorgesehene Frist gilt nur für Urteile, die nach diesem Gesetze zu fällen waren; wo ein Bundesgesetz die Beurteilung von Übertretungen dem kantonalen Verfahren überweist, richtet sich das Kassationsverfahren nach den Art. 165 ff. OG. Bei postalischer Einreichung ist für die Wahrung der Frist ausschließlich der Poststempel maßgebend; der Nachweis einer rechtzeitigen Übergabe durch andere Beweismittel ist ausgeschlossen, weil sonst die Rechtssicherheit der Fristen gefährdet würde (Erw. 3-4).

Testo completo

  1. Urteil des Kassationshofes vom 13. Mai 1897 in Sachen Röthlisberger gegen Bern.
  2. Mit Urteil der Polizeikammer des Appellations und Kas sationshofes des Kantons Bern vom 6. März 1897 wurde der heutige Kassationskläger der zweimaligen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz betreffend die Patenttaxen der Handelsreisenden schuldig erklärt und zu 300 Fr. Geldbuße nebst Kosten verurteilt. Das Dispositiv dieses Urteils wurde dem Verurteilten am 21. April 1897 durch Vermittlung des Gerichtspräsidenten von Thun zu gestellt.
  3. Mit Eingabe vom 30. April 1897 erklärte der Vertreter des Verurteilten gegen dieses Urteil die Kassationsbeschwerde an das Bundesgericht. Die in Art. 167 O. G. vorgesehene Rechts schrift datiert vom 11. Mai und ist beim Bundesgericht am 12. Mai 1897 eingegangen; das Postcouvert, das sie enthält, trägt den Abgangspoststempel: 12. V. 97. 1.
  4. Der Kassationskläger beruft sich zunächst auf Art. 18 des Bundesgesetzes betreffend das Verfahren bei Übertretungen fiska lischer und polizeilicher Bundesgesetze. Allein dieser Artikel kann, wie das Bundesgericht mehrfach (s. Amtl. Samml., V, S. 43, Erw. 4; XVI, S. 283, Erw. 1) ausgesprochen hat, nur in den Fällen Anwendung finden, in denen das angefochtene Urteil nach dem citierten Bundesgesetze auszufällen war. Dies ist aber bei dem Bundesgesetze betreffend die Patenttaxen von Handlungsreisenden nicht der Fall; denn nach Art. 8, Abs. 4 dieses Gesetzes erfolgt die Beurteilung von Übertretungen desselben nach dem kantonalen Verfahren des Kantons, in dem das Delikt begangen worden ist. Die in Art. 18 des Bundesgesetzes betreffend das Verfahren bei Übertretungen fiskalischer und polizeilicher Bundesgesetze fixierte Frist greift also in casu nicht Platz.
  5. Anzuwenden sind vielmehr die Art. 165 ff. O. G., also was insbesonderedie Frist zur Einreichung der Rechtsschrift bet Art. 167 eodem, wonach der Kassationskläger seine Anträge in nerhalb 20 Tagen seit der Eröffnung des Urteils dem Kassations hofe schriftlich und mit Begründung einzureichen hat, andernfalls die Einlegung des Rechtsmittels wirkungslos ist. Diese zwanzig tägige Frist lief nun in concreto mit dem 11. Mai 1897 ab, um Mitternacht, und zwar mußte die Eingabe, da zu ihrer Be förderung die Post benutzt wurde, vor Ablauf der Frist der Post übergeben sein (Art. 41, Abs. 3 O. G.). Frägt sich aber, ob dieser Vorschrift Genüge geleistet ist, so muß dies verneint werden. Denn das die Eingabe enthaltende Couvert enthält, wie bemerkt, den Abgangspoststempel vom 12. Mai, morgens 1 Uhr; nun kann aber bezüglich der Frage, ob eine Eingabe rechtzeitig der Post übergeben sei, einzig und allein der Poststempel maßgebend sein und einen rechtsgenügenden Beweis bilden, da im andern Falle bei der Zulassung eines Beweises darüber, ob die Eingabe noch vor Mitternacht der Post übergeben worden, etwa durch Zeugen der Rechtsunsicherheit Thür und Thor geöffnet wäre und von einer strikten Einhaltung der Fristen, die doch im Interesse eines geordneten Rechtsganges aufgestellt sind, kaum mehr die Rede sein könnte. Auf die Kassationsbeschwerde ist demnach, weil die sie begrün dende Rechtsschrift, die einen integrierenden Bestandteil derselben bildet, verspätet eingereicht wurde, nicht einzutreten. Demnach hat der Kassationshof erkannt: Auf die Kassationsbeschwerde wird, als verspätet, nicht einge treten.

Parole chiave

cassation complainttime limitpostal filinginadmissibilitycantonal procedurefederal procedurepatent taxcommercial travelerpostal stamp

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the cassation complaint was filed within the statutory time limit.

Decisione estratta

The complaint was filed late because the written statement had to be handed to the post before midnight on 11 May 1897, but the postal stamp showed 12 May 1897 at 1 a.m.

Motivazione estratta

Under Art. 167 OG, the statement of grounds had to be submitted within 20 days from notification of the judgment; since mailing was used, Art. 41(3) OG required delivery to the post before expiry of the period. The postal stamp is the decisive proof of timely posting.

Questione giuridica chiave

Whether Art. 18 of the federal procedure act for fiscal and police federal offenses applied to extend the time limit.

Decisione estratta

No. That provision applies only where the challenged judgment had to be rendered under that act; violations of the patent-tax law are instead judged under the cantonal procedure of the canton where the offense occurred.

Motivazione estratta

Art. 8(4) of the patent-tax law refers the prosecution of offenses to cantonal procedure, so the special federal time limit in Art. 18 of the fiscal/police procedure act does not govern.

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