Unemployment benefit waiver: good-faith receipt and hardship review

200 2016 952Tribunale amministrativo8 dic 2016Granted

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Bern Administrative Court partly followed the parties’ joint position in a waiver dispute concerning CHF 3,040.40 in unemployment benefits. It held that the insured person had received the overpaid benefits in good faith, given his health condition and the medical certificate in the file. The objection decision of 8 September 2016 was therefore annulled. The matter was remitted to beco for examination of the remaining waiver condition, namely severe hardship. No court costs or party compensation were awarded.

Massima Omnilex

Art. 25 Abs. 1 ATSG; waiver of repayment of undue social insurance benefits; good faith and severe hardship are cumulative requirements. If, on the basis of the facts and supporting medical evidence, the insured person could not recognize the erroneous payment at the relevant time, good faith is established and a decision denying waiver for lack of good faith must be annulled. The authority must then examine the remaining prerequisite of severe hardship and issue a new decision (consid. 2). A joint request of the parties is to be followed only insofar as it accords with the facts and the law; the court must verify it ex officio.

Testo completo

200 16 952 ALV

LOU/BRM/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 8. Dezember 2016

Verwaltungsrichter Loosli

Gerichtsschreiber Braune

A.________

Beschwerdeführer

gegen

beco Berner Wirtschaft Arbeitsvermittlung, Rechtsdienst,Lagerhausweg 10, 3018 Bern

Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 8. September 2016

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Dez. 2016, ALV/16/952, Seite 1

Der Einzelrichter zieht in Erwägung,

Mit Verfügung vom 20. Januar 2016 hatte die Unia Arbeitslosenkasse von A.________ zu Unrecht ausbezahlte Taggeldleistungen in Höhe von Fr. 3‘040.40 zurückgefordert; diese Verfügung blieb unangefochten.

Das in der Folge am 16. Februar 2016 vom Versicherten eingereichte Erlassgesuch wies das beco, Berner Wirtschaft, Kantonale Amtsstelle, mangels gutgläubigen Bezuges der fraglichen Leistungen mit Entscheid vom 27. April 2016 ab (Akten der Kantonalen Amtsstelle [act. IIA] 54). Auf Einsprache vom 16. Mai 2016 hin bestätigte das beco, Arbeitsvermittlung, Rechtsdienst (Beschwerdegegnerin), die angefochtene Verfügung und wies die Einsprache mit Entscheid vom 8. September 2016 ab (Akten der Beschwerdegegnerin [act. II] 7).

Mit Beschwerde vom 24. September 2016 an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern beantragt der Versicherte, der Einspracheentscheid vom 8. September 2016 sei aufzuheben und die Rückforderung des verfügten Betrages sei zu erlassen, dies mit der Begründung, er habe aufgrund seiner gesundheitlichen Situation nicht erkannt, dass die Zahlung der Arbeitslosenkasse fehlerhaft gewesen sei; somit habe er die Leistungen in gutem Glauben empfangen. In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2016 führt die Beschwerdegegnerin aus, gestützt auf die Angaben des Versicherten sowie das nachgereichte Arztzeugnis vom 6. Oktober 2016 sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer wegen der eingeschränkten Urteilsfähigkeit nicht in der Lage gewesen sei, die Situation korrekt zu deuten, und dementsprechend gutgläubiger Bezug vorliege. Zu prüfen bliebe die zweite Erlassvoraussetzung der grossen Härte. Insofern wird teilweise Gutheissung der Beschwerde beantragt.

Die Parteien sind damit übereinstimmend der Auffassung, dass die nachmalig zurückgeforderten Leistungen vom Beschwerdeführer in gutem Glauben bezogen worden sind.

Der von den Parteien im Verlaufe des gerichtlichen Verfahrens gemeinsam vertretene Standpunkt gilt nach der Rechtsprechung als übereinstimmender Antrag der Parteien an das Gericht und ist von diesem auf seine Übereinstimmung mit dem Tatbestand und Gesetz zu überprüfen (BGE 104 V 165 E. 1).

Dem gemeinsamen Antrag der Parteien ist in Anbetracht der Sach- und Rechtslage zu entsprechen. Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers, welche durch das oben genannte Arztzeugnis bestätigt werden, ist anzunehmen, dass dieser den Mangel der Auszahlung im massgebenden Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen nicht zu erkennen vermochte.

Der den guten Glauben verneinende Einspracheentscheid vom 8. September 2016 ist demnach im Sinne des gemeinsamen Antrages der Parteien aufzuheben. Die Akten sind an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese die – kumulativ erforderliche zweite – Erlassvoraussetzung der grossen Härte prüft und entsprechend verfügt.

Bei einem gemeinsamen Antrag ist gemäss Art. 57 Abs. 4 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) einzelrichterliche Zuständigkeit gegeben.

Es sind weder Verfahrenskosten zu erheben noch ist eine Parteientschädigung zuzusprechen.

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspracheentscheid vom 8. September 2016 aufgehoben. Die Akten gehen an die Beschwerdegegnerin zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

3. Zu eröffnen (R):

  • A.________ (samt Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2016)

  • beco Berner Wirtschaft, Arbeitsvermittlung

  • Staatssekretariat für Wirtschaft – seco

Der Einzelrichter:Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.

Parole chiave

unemployment insurancewaiver of repaymentgood faithhardshipremandmedical capacitycourt costsparty compensation

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the insured person received the overpaid unemployment benefits in good faith and the refusal of waiver could stand.

Decisione estratta

The appeal authorities and the court accepted that, given the claimant's health situation and medical certificate, he could not recognize the payment error at the relevant time; good faith was established.

Motivazione estratta

The parties jointly adopted the position that good faith was present. The court treated this as a common request, verified it against the facts and the law, and found the claimant's health-related reduced capacity sufficient to explain the lack of awareness of the overpayment.

Questione giuridica chiave

Whether the matter had to be returned for examination of the second waiver condition, namely severe hardship.

Decisione estratta

The case had to be remitted to the administration to examine the remaining, cumulatively required condition of severe hardship and issue a new decision.

Motivazione estratta

Once good faith was accepted, the contested decision denying good faith could not stand. The second waiver requirement had not yet been assessed and therefore remained open for the authority.

Questione giuridica chiave

Court costs and party compensation.

Decisione estratta

No court costs were charged and no party compensation was awarded.

Motivazione estratta

The judgment expressly dispensed with costs and compensation.

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