Procedural law and evidence in voluntary building water insurance

SV.1999.50009Tribunale amministrativo speciale7 set 2000

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

The Oberschätzungsbehörde addressed procedural and evidentiary issues arising in a voluntary building water insurance appeal by M. AG against AVA. It held that, absent special procedural rules in the building-insurance framework, the cantonal Administrative Procedure Act applies subsidiarily and the burden of proof follows Art. 8 ZGB by analogy. The court further explained that the proof standard depends on the substantive rule and may be relaxed where strict proof is impossible. Finally, it held that an unsolicited private expert report normally has only the value of a party allegation and does not become a full evidentiary report unless its quality and objectivity justify reliance.

Massima Omnilex

§ 8 GebVG; subsidiäre Anwendung des kantonalen Verwaltungsverfahrensrechts; Art. 8 ZGB analog; Beweismaß und Parteigutachten. In der freiwilligen Gebäudewasserversicherung sind Verfahrensfragen, soweit sie im Sonderrecht nicht geregelt sind, nach dem kantonalen Verwaltungsrechtspflegegesetz zu beurteilen. Für die Beweislast gilt die allgemeine Regel von Art. 8 ZGB analog: Wer aus einer behaupteten Tatsache Rechte ableitet, hat deren Vorhandensein zu beweisen und trägt die Folgen der Beweislosigkeit. Das Beweismass ergibt sich nicht aus Art. 8 ZGB, sondern aus der anwendbaren materiellen Norm; wo strikter Beweis naturgemäss nicht möglich ist, genügt überwiegende Wahrscheinlichkeit bzw. an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit. Unaufgefordert eingereichte Privatgutachten haben grundsätzlich nur Parteibehauptungswert und werden nur bei besonderer Überzeugungskraft und nachvollziehbarer Objektivität zum eigentlichen Beweismittel (consid. 1.6.1-1.6.3).

Testo completo

516 Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgese... 2000 123 Gebäudewasserversicherung; Verfahrensrecht.

  • Anwendbares Verfahrensrecht bei Beschwerden im Bereich der freiwilligen Gebäudewasserversicherung nach § 8 GebVG (Erw. 1.6.1.).
  • Frage des Beweismasses (Erw. 1.6.2.).
  • Bedeutung von Privatgutachten (Erw. 1.6.3.). Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz vom 7. September 2000 in Sachen M. AG gegen AVA. Aus den Erwägungen ...1.6.1. Als freiwillige Zusatzversicherung ist das Gebäudewasserversicherungsrecht im Grenzbereich von Privat- und Verwaltungsrecht anzusiedeln. Soweit Verfahrensfragen nicht unmittelbar in den Grundlagen des Gebäudeversicherungsrechts geregelt sind (wie Zusammensetzung der Instanzen, Zuständigkeiten, Fristen, Kostenverteilung), kommt subsidiär das kantonale Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRPG) vom 9. Juli 1968 zur Anwendung (vgl. OBE SV.96.50005 vom 31. März 1998 in Sachen S. gegen AVA, Erw. 2 S. 7 f., m.w.H.; OBE SV.97.50010 vom 19. Oktober 1999 in Sachen M. B. und F. B. gegen AVA, Erw. 3 S. 11); für die Frage der Beweislastverteilung gilt dabei die allgemeine Regel von Art. 8 ZGB, wonach derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, der aus ihr Rechte ableitet (subjektive Beweislast); er hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (objektive Beweislast; vgl. OBE SV.96.50005 vom 31. März 1998 in Sachen S. gegen AVA, Erw. 2 S. 8 f.; OBE SV.95.50004 vom 6. November 1996 in Sachen L. gegen AVA, Erw. 1.4.2.5. S. 14; OBE SV.95.50001 vom 22. März 1995 in Sachen V. gegen AVA, Erw. 3.1.2. S. 8; ebenso die überwiegende Lehre und Rechtsprechung allgemein zur analogen Anwendung von Art. 8 ZGB im öffentlichen Recht, vgl. Hans Schmid in: Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Schweizerisches Zivilgesetzbuch I, Art. 1-359 ZGB, Basel

2000 Entschädigungsfestsetzung 517 1996, N. 27 zu Art. 8, m.w.H; Alfred Bühler / Andreas Edelmann / Albert Killer, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, Aarau 1998, N. 3 und 5 zu Vorbem. §§ 198-269). 1.6.2. Das Beweismass bestimmt, ob der Richter für das Vorhandensein einer bestimmten Tatsache einen strikten Beweis verlangt, oder ob er sich mit einem minderen Grad an Sicherheit begnügt (Schmid, a.a.O., N. 15 zu Art. 8). Das Beweismass ergibt sich nicht aus Art. 8 ZGB, sondern grundsätzlich aus der konkret zur Anwendung gelangenden materiellen Norm (Schmid, a.a.O., N. 16 zu Art. 8). Wo der Natur der Sache nach ein absoluter Beweis nicht erbracht werden kann, genügt eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit oder, wo auch dies objektiv nicht möglich ist, eine auf der Lebenserfahrung beruhende überwiegende Wahrscheinlichkeit (OBE SV.96.50005 vom 31. März 1998 in Sachen S. gegen AVA, Erw. 2 S. 8 m.w.H.; Schmid, a.a.O., N. 18 zu Art. 8). 1.6.3. Betreffend die Beweiserhebung wird in § 22 VRPG auf das Zivilrechtspflegegesetz (ZPO; SAR 221.100) vom 18. Dezember 1984 verwiesen. Unaufgefordert eingereichte Privatgutachten haben grundsätzlich nur die Bedeutung von Parteibehauptungen (vgl. OBE SV.95.50004 vom 6. November 1996 in Sachen L. gegen AVA, Erw. 1.4.2.2. S. 12; Bühler / Edelmann / Killer, a.a.O., N. 1 zu § 262). Wenn das eingereichte Privatgutachten den Richter überzeugt oder ihm zumindest so glaubwürdig erscheint, dass er bei seiner Meinungsbildung darauf Rücksicht zu nehmen gedenkt, dann wird das Privatgutachten zum ordentlichen Beweismittel. Ob dem Parteigutachten ein derartiger Beweiswert zukommt, hängt von der Qualität des Gutachtens, insbesondere aber auch davon ab, ob anzunehmen ist, der Gutachter wäre bei gerichtlicher Verpflichtung zu Neutralität und Objektivität zum selben Ergebnis gekommen. Wo das Resultat eines Gutachtens von genau nachvollziehbaren Messungen abhängt, wird dies eher der Fall sein, als dort, wo auch persönliche Wertungen des Gutachters einfliessen (Bühler / Edelmann / Killer, a.a.O., N. 1 zu § 262). Das hier vorgelegte Privatgutachten gibt kei-

518 Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgese... 2000 nen Anlass, vom Grundsatz, dass ihm nur die Bedeutung einer Parteibehauptung zukommt, abzurücken, zumal der Auftrag (samt Fragestellung) zur Erstellung des Gutachtens von der Beschwerdeführerin ausging und der Gutachter ausschliesslich auf Schilderungen der Beschwerdeführerin und von ihr zur Verfügung gestellte Dokumente abstellte (...). Das Gutachten enthält des Weitern bezüglich der Schadenursache ausschliesslich persönliche Wertungen (Vermutungen) des Gutachters und keinerlei objektiv nachvollziehbare Messungen oder Feststellungen. (...)

Verwaltungsbehörden

2000 Gemeinderecht 521 I. Gemeinderecht

124 Auslegung von Verfügungen.

  • Ausgangspunkt und Grundlage der Auslegung einer Verfügung bildet deren Wortlaut. Ergänzend zum Wortlaut sind im Rahmen der Auslegung die Begleitumstände und das Verhalten der Behörde vor, während und nach Erlass der Verfügung zu beachten und die Verfügung ist unter Berücksichtigung der Verfassung, des Gesetzes, der öffentlichen Interessen und des Vertrauensgrundsatzes auszulegen (Erw. 2 b aa).
  • Die für das Vertragsrecht entwickelten Auslegungsmittel und -regeln können für die Feststellung des Verfügungsinhaltes analog herangezogen werden (Erw. 2 b bb). Entscheid des Regierungsrates vom 23. August 2000 i.S. Einwohnergemeinde K. gegen Departement des Innern. Aus den Erwägungen 2. a) Die Einwohnergemeinde K. (Beschwerdeführerin) hat M.R. (Beschwerdegegner) mit Schreiben vom 19. Mai 1999 gestützt auf § 12 des Dienst- und Besoldungsreglementes der Gemeinde K. vom 1. Dezember 1995 gekündigt. Es stellt sich die Frage, ob diese Kündigung zulässig war. Die Beschwerdeführerin hat im Wahlbeschluss vom 5. März 1997, welcher die Anstellungsverfügung darstellt, folgende Klausel verankert: „5. Der Arbeitnehmer muss sich für vier Jahre fest verpflichten, d.h. bis 30. April 2001.“ (...)

Parole chiave

procedural lawburden of proofstandard of proofprivate expert reportadministrative procedurebuilding insurance

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Which procedural law applies to complaints in voluntary building water insurance under § 8 GebVG?

Decisione estratta

Where the building insurance rules do not regulate procedural matters directly, the cantonal Administrative Procedure Act applies subsidiarily; for burden of proof, the general rule of Art. 8 ZGB applies analogously.

Motivazione estratta

The insurance lies at the boundary of private and public law. Procedural questions not covered by the special insurance framework are governed by the cantonal VRPG; burden of proof follows the general civil-law rule that the party asserting a fact must prove it and bears the consequences of evidentiary failure.

Questione giuridica chiave

What standard of proof applies?

Decisione estratta

The required degree of certainty depends on the substantive norm; if absolute proof is impossible, the court may rely on near certainty or, where necessary, predominant probability based on life experience.

Motivazione estratta

Art. 8 ZGB does not itself determine the standard of proof. The standard flows from the applicable substantive rule and may be reduced where the nature of the matter makes strict proof impossible.

Questione giuridica chiave

What evidentiary weight does an unsolicited private expert report have?

Decisione estratta

As a rule, an unsolicited private expert report is only a party assertion; it becomes an ordinary means of proof only if its quality and objectivity convince the court.

Motivazione estratta

The report was commissioned by the appellant, relied exclusively on the appellant's account and documents, and contained only subjective assessments without objectively verifiable measurements. Therefore, there was no reason to depart from the general rule that it is merely a party allegation.

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