LG für Strafsachen Graz 25Bl40/19s

25Bl40/19sAltro tribunale24 apr 2019

Testo completo

LG für Strafsachen Graz 25Bl40/19s

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 24.04.2019
  • ECLI: ECLI:AT:LG00637:2019:0250BL00040.19S.0424.000

Kopf

BESCHLUSS

Das Landesgericht für Strafsachen Graz als Vollzugsgericht hat durch die Präs.d.LG Mag.a Caroline List als Vorsitzende und die weiteren Senatsmitglieder VPräs.d.LG HR Dr. Harald Friedrich (BE) und HR Mag. Hubert Peßl in der Strafvollzugssache des A***** S*****, HNR: *****, über dessen Beschwerde vom ***** beschlossen:

Spruch

Der Beschwerde wird nicht Folge gegeben.

Begründung

RECHTSMITTELBELEHRUNG:

Gegen diesen Beschluss kann innerhalb von sechs Wochen ab Zustellung Beschwerde wegen Rechtswidrigkeit an das Oberlandesgericht Wien erhoben werden. Sie ist nur zulässig, wenn die Entscheidung von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der zur Wahrung der Rechtseinheit, Rechtssicherheit und Rechtsentwicklung erhebliche Bedeutung zukommt, insbesondere wenn das Vollzugsgericht von der bisherigen höchstgerichtlichen Rechtsprechung in Strafvollzugssachen abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder uneinheitlich ist. Die Beschwerde ist schriftlich bei dem Gericht einzubringen, dessen Entscheidung bekämpft wird. Die Beschwerde hat den angefochtenen Beschluss zu bezeichnen, gegen den sie sich richtet, und die Gründe für die Erhebung der Beschwerde, soweit sie nicht offenkundig sind, darzulegen.

BEGRÜNDUNG:

A***** S***** verbüßt derzeit in einem Haftblock aus den Urteilen des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U *****, des Landesgerichtes ***** vom *****, 14 Hv *****, und des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U *****, zeitliche Freiheitsstrafen in der Gesamtdauer von ***** mit einem urteilsmäßigen Strafende am *****. Die Hälfte der Strafzeit war am *****, zwei Drittel waren am ***** verbüßt. Letztmalig wurde eine bedingte Entlassung mit Beschluss des Landesgerichtes ***** vom *****, 183 BE *****, abgelehnt.

Am ***** beantragte A***** S*****, ihm einen Ausgang am ***** in der Zeit von 08.30 Uhr bis 17.00 Uhr zu bewilligen. Zur Begründung verwies er auf einen Termin um 10.00 Uhr bei Neustart ***** bezüglich einer Internetrecherche zur Wohnungssuche und ein Treffen mit einem Streetworker.

Mit der dem Leiter der Justizanstalt ***** zuzurechnenden Entscheidung vom ***** wurde dieses Ansuchen wegen des auffälligen Vollzugsverhaltens und der Anzahl der Vorverurteilungen des A***** S***** nicht bewilligt. Diese Entscheidung wurde A***** S***** am ***** zur Kenntnis gebracht.

Dagegen richtet sich die rechtzeitige Beschwerde des A***** S*****, worin er ein auffälliges Vollzugsverhalten in Abrede stellt und neuerlich die Notwendigkeit eines Ausganges im Zusammenhang mit seiner bevorstehenden Entlassung behauptet.

In seiner dem Beschwerdeführer zur allfälligen Gegenäußerung kundgemachten Stellungnahme vom ***** begründet der Leiter der Justizanstalt ***** die erkennbar angenommene Missbrauchsgefahr mit dem durch 35 Eintragungen im Strafregister massiv getrübten Vorleben und das durch acht Meldungen von Ordnungswidrigkeiten auffällige Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers.

In seiner Gegenäußerung vom ***** verweist der Beschwerdeführer auf sein seit nunmehr sechs Monaten gezeigtes Bemühen, an der Resozialisierung mitzuwirken.

Das Vollzugsgericht nimmt nachstehenden Sachverhalt als erwiesen an:

Der Beschwerdeführer weist unter Berücksichtigung des Zusatzstrafenverhältnisses zurückreichend bis in das Jahr ***** 29, davon 25 ausschließlich oder auch wegen strafbarer Handlungen gegen fremdes Vermögen erfolgte Verurteilungen auf. In elf Fällen erfolgten die Verurteilungen auch oder ausschließlich wegen Körperverletzungsdelikten. In zwei Fällen wurde er zu Geldstrafen, in vier Fällen zu gänzlich bzw. teilweise bedingt nachgesehenen Freiheitsstrafen verurteilt, wobei jedoch in drei Fällen die bedingte Strafnachsicht widerrufen werden musste. In allen übrigen Fällen wurden über den Beschwerdeführer unbedingte, teilweise über ein Jahr hinausgehende Freiheitsstrafen verhängt. In einem Fall wurde zusätzlich gemäß § 22 Absatz 1 StGB eine Einweisung in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher ausgesprochen. Die ihm in einem Fall gewährte bedingte Entlassung aus der Freiheitsstrafe musste widerrufen werden. Insgesamt hat der Beschwerdeführer bereits mehr als 23 Jahre in Strafhaft verbracht. Dem nunmehrigen Haftblock liegt zunächst das Urteil des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U , zugrunde, womit der Beschwerdeführer wegen des Vergehens des Diebstahls nach den §§ 15, 127 StGB zu der Freiheitsstrafe von ***** verurteilt wurde. Nach dem Spruch dieses Urteiles hat er am ***** in ***** eine fremde bewegliche Sache, nämlich einen Ring der Marke „“ im Wert von EUR *****, Verfügungsberechtigten der *****-Filiale ***** mit dem Vorsatz wegzunehmen versucht, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern. Haftbegründend ist weiters das Urteil des Landesgerichtes ***** vom *****, 14 Hv *****, womit er wegen der Vergehen des Diebstahles, teils durch Einbruch, gemäß §§ 127, 129 Absatz 1 Z 2 StGB, der Urkundenunterdrückung gemäß § 229 StGB, der Entfremdung unbarer Zahlungsmittel gemäß § 241e Absatz 1 StGB, der dauernden Sachentziehung gemäß § 135 Absatz 1 StGB, des Missbrauches von Notzeichen gemäß § 1 NotzeichenG und der Sachbeschädigung nach § 125 StGB zur Freiheitsstrafe von ***** verurteilt worden war. Demnach hat der Beschwerdeführer zu nachgenannten Zeitpunkten in *****

A. am *****

I. fremde bewegliche Sachen in einem EUR 5.000,00 nicht übersteigenden Gesamtwert, in einem Fall durch Einbruch, nachgenannten Personen mit dem Vorsatz weggenommen, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, und zwar

1. ) S***** T***** einen Kopfhörer der Marke ***** (Wert EUR *****), eine gemusterte Sonnenbrille von ***** (Wert EUR *****) und ein Brillenetui der Marke ***** (Wert EUR ), indem er sich in die Umkleideräumlichkeiten des Lokals „“ schlich und diese Gegenstände aus dem geöffneten Spind des Opfers nahm,

2. ) K***** B***** ein Paar Schuhe der Marke ***** (Wert EUR ), indem er sich in die Umkleideräumlichkeiten des Lokals „“ schlich und die Schuhe vom Spind des Opfers nahm,

3. ) M***** E***** Bargeld in Höhe von EUR , indem er sich in die Umkleideräumlichkeiten des Lokals „“ schlich und die Geldbörse samt Inhalt aus dem geöffnetem Spind des Opfers nahm,

4. ) S***** L***** ein Parfum der Marke ***** (Wert EUR ), indem er sich in die Umkleideräumlichkeiten des Lokals „“ schlich und dort das Parfum an sich nahm,

5. ) A***** B***** durch Aufbrechen eines Behältnisses eine schwarze Sportuhr mit breitem Band (Wert EUR *****), eine rote Geldbörse (EUR *****) und Bargeld in Höhe von EUR , indem er sich in die Umkleideräumlichkeiten des Lokals „“ schlich, den Spind des Opfers mit einem Werkzeug aufbrach und die genannten Gegenstände an sich nahm,

6. ) B***** G***** eine schwarze Ledergeldbörse unbekannten Wertes, indem er sich in den Mitarbeiteraufenthaltsraum der *****-Filiale in der ***** schlich und die dort liegende Geldbörse an sich nahm,

7. ) der ***** AG Leergut im Wert von EUR *****, indem er dies aus dem Lager entnahm, in den Rückgabeautomaten stellte und den Leergutbon an sich nahm;

II. anlässlich der zu den Punkten A. I. 3.), A. I. 5.) und A. I. 6.) wiedergegebenen Handlungen, Urkunden, über die er nicht verfügen durfte, nämlich die Sozialversicherungskarte und den Personalausweis von M***** E*****, den Führerschein, die Sozialversicherungskarte, den Personalausweis und einen Zulassungsschein für das Kfz mit dem Kennzeichen ***** von A***** B***** sowie die Sozialversicherungskarte und eine personalisierte ***** Fahrkarte von B***** G***** mit dem Vorsatz unterdrückt, zu verhindern, dass sie im Rechtsverkehr zum Beweis eines Rechtes, eines Rechtsverhältnisses oder einer Tatsache gebraucht werden, indem er die Urkunden aus der Gewahrsame der Berechtigten entzog;

III. anlässlich der zu den Punkten A. I. 3.), A. I. 5.) und A. I. 6.) wiedergegebenen Handlungen, sich unbare Zahlungsmittel, über die er nicht verfügen durfte, nämlich die Bankomatkarten von M***** E*****, A***** B***** und B***** G***** mit dem Vorsatz verschafft, dass er oder ein Dritter durch deren Verwendung im Rechtsverkehr unrechtmäßig bereichert werde;

IV. anlässlich der zu den Punkten A. I. 1.), A. I. 2.), A. I. 3.) und A. I. 5.) wiedergegebenen Handlungen, nachgenannte Personen dadurch geschädigt, dass er nachstehende fremde bewegliche Sachen in einem EUR 5.000,00 nicht übersteigenden Wert aus deren Gewahrsam dauernd entzog, ohne die Sachen sich oder einem Dritten zuzueignen, indem er sie wegwarf oder an öffentlichen Plätzen zurückließ und zwar S***** T***** zwei Schlüssel, K***** B***** fünf Schlüssel, M***** E***** eine Geldbörse und A***** B***** zwei Schlüssel;

V. vorsätzlich durch eine falsche Notmeldung den Dienst der Feuerwehr in Anspruch genommen, indem er bei dem in der *****-Filiale in der ***** angebrachten Notfallschalter der Feuerwehr die Verglasung einschlug;

B. am ***** eine fremde Sache, nämlich den Türöffner zur Ordination der Dr. I***** P***** in der *****, beschädigt, indem er seine brennende Zigarette darauf legte, sodass es zu Brandlöchern und zu einem Verschmelzen der Plastikhülle kam (Schaden unbekannt).

Weiters vom Haftblock umfasst ist die mit Urteil des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U *****, wegen des Vergehens des Diebstahles nach dem § 127 StGB ausgesprochene Freiheitsstrafe von *****. Nach diesem Urteil hat der Beschwerdeführer in ***** fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, weggenommen, und zwar:

1. am ***** ein im Mitarbeiterbüro des -Geschäftes in der ***** abgelegtes iPhone ***** im Wert von EUR , dem Filialleiter B K;

2. am ***** eine schwarz-weiße Herrenarmbanduhr im Wert von EUR , Verfügungsberechtigten des Modegeschäftes „“, ***** (IVV- Vollzugsinformation, Urteile des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U *****, des Landesgerichtes ***** vom *****, 14 Hv *****, und des Bezirksgerichtes ***** vom *****, 217 U *****).

Das Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers ist durch Ordnungsstrafverfügungen vom *****, HNR: ***** (Verstoß gegen die allgemeinen Pflichten des Strafgefangenen durch Drogenkonsum), vom *****, HNR: ***** (Nichtbefolgung von Anordnungen), vom *****, HNR: ***** (Nichtbefolgung von Anordnungen), vom *****, HNR: ***** (Nichtbefolgung von Anordnungen), und vom *****, HNR: ***** (Verstoß gegen die allgemeinen Pflichten des Strafgefangenen durch Drogenkonsum) belastet.

Aus den Akten ergeben sich zum entscheidungswesentlichen Sachverhalt keine Widersprüche. Unter Zugrundelegung der jeweils angeführten, unbedenklichen Beweismittel konnte daher der gegenständliche Sachverhalt ohne jeden Zweifel festgestellt werden. Aufgrund des hinreichend geklärten Sachverhaltes konnte von einer Vernehmung des Beschwerdeführers Abstand genommen werden.

In rechtlicher Hinsicht ist auszuführen, dass gemäß § 99a Absatz 1 StVG einem im Sinne des § 99 Absatz 1 StVG nicht besonders gefährlichen Strafgefangenen auf sein Ansuchen höchstens zweimal im Vierteljahr zu gestatten ist, die Anstalt in der Dauer von höchstens 12 Stunden zu verlassen, wenn die voraussichtlich noch zu verbüßende Strafzeit drei Jahre nicht übersteigt und der Strafgefangene den Ausgang zur Regelung wichtiger persönlicher, wirtschaftlicher oder rechtlicher Angelegenheiten, die weder schriftlich erledigt noch bis zur Entlassung aufgeschoben werden können, oder zur Aufrechterhaltung familiärer und sonstiger persönlicher Bindungen benötigt. Soweit es nach dem Zweck des Ausganges unter Bedachtnahme auf allfällige Reisebewegungen notwendig erscheint, darf die Dauer der Abwesenheit bis zu 48 Stunden betragen. Unter den im § 99a Absatz 1 StVG genannten Voraussetzungen haben Strafgefangene ein subjektiv-öffentliches Recht auf Gewährung eines Ausganges. Voraussetzung für die Bewilligung eines Ausganges ist jedenfalls, dass der Strafgefangene nach der Art und den Beweggründen der strafbaren Handlung, deretwegen er verurteilt worden ist, sowie nach seinem Lebenswandel vor der Anhaltung und seiner Aufführung während dieser weder für die Sicherheit des Staates noch für die der Person oder des Eigentums besonders gefährlich ist.

Unter Art und Beweggrund der strafbaren Handlung, deretwegen jemand verurteilt wurde, ist einerseits das vom Delikt geschützte Rechtsgut, andererseits das Motiv der strafbaren Handlung zu verstehen. Lebenswandel bezeichnet das gesamte Verhalten des Strafgefangenen vor der Haft. Hier sind neben Vorstrafen auch Verhaltensweisen zu berücksichtigen, die noch nicht die Grenze zur Strafbarkeit überschreiten, aber eine mangelnde Verbundenheit mit den rechtlich geschützten Werten zum Ausdruck bringen. Unter besonderer Gefährlichkeit gegen die in § 99 Absatz 1 (§ 99a Absatz 1) StVG genannten Rechtsgüter ist die Wahrscheinlichkeit der Begehung nicht bloß leichter Straftaten gegen diese zu verstehen. Die Wahrscheinlichkeit einer einzigen entsprechenden strafbaren Handlung genügt. Der Maßstab für die Wahrscheinlichkeit der Tatbegehung ist bei einem bereits Verurteilten weniger streng zu beurteilen als in den Fällen des § 173 Absatz 2 Z 3 StPO, weil im Vollzugsverfahren die Unschuldsvermutung nicht mehr gilt (Drexler/Weger, StVG4 § 99a Rz 8f; Pieber in WK2 StVG § 5 Rz 27 ff). Ausgänge und Unterbrechungen sind aber auch dann nicht zu bewilligen, wenn anzunehmen ist, dass sie den Zwecken des Vollzuges (§ 20) widersprechen. Es kommt auf das Vorliegen konkreter Anhaltspunkte (begründete Sorge) für einen Missbrauch an (Drexler/Weger, StVG4 § 99a Rz 11).

Eine derartige besondere Gefährlichkeit liegt beim Beschwerdeführer ausgehend von seiner Vorstrafenbelastung und seinem Vollzugsverhalten vor. Weder durch das mehrfach verspürte langjährige Haftübel, noch durch bedingte Strafnachsichten einmal auch in Verbindung mit der Betreuung durch die Bewährungshilfe und eine bedingte Entlassung konnte der Beschwerdeführer davon abgehalten werden, innerhalb kürzester Zeit immer wieder gegen fremdes Vermögen und/oder die körperliche Integrität straffällig zu werden. Aber auch mit Blick auf das belastete Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers kann in der Entscheidung der Vollzugsbehörde I. Instanz, dem Beschwerdeführer aufgrund von Missbrauchsgefahr den beantragten Ausgang nicht zu gewähren, keine Fehlbeurteilung erblickt werden. In diesem Zusammenhang ist aber auch darauf zu verweisen, dass der Ausgangsantrag auch in Verbindung mit dem Beschwerdevorbringen und der Gegenäußerung nicht erkennen lässt, weshalb die Wohnungssuche nur im Wege eines Ausganges, nicht auch auf andere Weise, zum Beispiel mit Hilfe des sozialen Dienstes erledigt werden und ein Treffen mit einem Streetworker nicht auch in der Justizanstalt erfolgen kann.

Die Beschwerde bleibt somit ohne Erfolg.

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