OGH 14Os118/10z

14Os118/10zTribunale superiore28 set 2010

Regest

Strafrecht

Testo completo

OGH 14Os118/10z

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 28.09.2010

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 28.September2010 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr.Philipp als Vorsitzenden, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr.Lässig, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Mag.Hetlinger sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr.Nordmeyer und Mag.Hautz in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag.Reichly als Schriftführerin in der Strafsache gegen Dean P***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens der Veruntreuung nach §§12 dritter Fall, 133 Abs1 und Abs2 zweiter Fall StGB und anderer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten Faradin B***** sowie die Berufung des Angeklagten Boban V***** gegen das Urteil des Landesgerichts Innsbruck als Schöffengericht vom 22.April2010, GZ35Hv191/09x103, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil, das im Übrigen unberührt bleibt, im SchuldspruchB/1, demzufolge auch im Faradin B***** betreffenden Strafausspruch und in der diesen Angeklagten betreffenden Entscheidung über die privatrechtlichen Ansprüche aufgehoben und die Sache im Umfang der Aufhebung zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Innsbruck verwiesen.

Mit seiner Berufung wird der Angeklagte Faradin B***** auf diese Entscheidung verwiesen.

Zur Entscheidung über die Berufung des Angeklagten Boban V***** werden die Akten vorerst dem Oberlandesgericht Innsbruck zugeleitet.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurde Faradin B***** des Verbrechens der Veruntreuung nach §§12 dritter Fall, 133 Abs1 und Abs2 zweiter Fall StGB (B/1) schuldig erkannt.

Danach hat er in Innsbruck zu nicht mehr feststellbaren Zeitpunkten im Jahr2008 bis zum 28.Juli2008 dazu beigetragen, dass sich Boban V***** mit auf unrechtmäßige Bereicherung gerichtetem Vorsatz ein ihm anvertrautes Gut in einem 50.000Euro übersteigendem Wert, nämlich eine ihm von einem im Urteil namentlich genannten Unternehmen zur auftragsgemäßen Lieferung nach Italien übergebene Ladung Kupferplatten im Wert von etwa 130.000Euro, durch Weiterverkauf zueignete, indem er den Kontakt zwischen Boban V***** und Velibor T***** herstellte, Velibor T***** in den Tatplan einweihte, diesem den von Boban V***** zur Verfügung gestellten Fahrzeugschlüssel für dessen LKW aushändigte und den genauen Standort des LKWs beschrieb.

Dagegen richtet sich die auf die Gründe der Z5 und 5a (der Sache nach teils Z5 zweiter und fünfter Fall) gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Faradin B*****, der Berechtigung zukommt.

Nach den-hier wesentlichen, zusammengefasst wiedergegebenen-Feststellungen des Erstgerichts trug sich Boban V***** schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, eine wertvolle Kupferladung am Schwarzmarkt zu verkaufen, worüber er mit Faradin B***** sprach. Dieser erzählte wiederum seinem langjährigen Bekannten Velibor T***** davon, ohne ihm jedoch zu verraten, dass es sich (bei dem potentiellen Verkäufer) um Boban V***** handeln würde. T*****, V***** und B***** kannten sich aus der gemeinsamen Zeit bei dem Unternehmen Transporte B*****. Einige Zeit später lernte T***** in Wörgl zufällig den Erstangeklagten Dean P***** kennen, der sich ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten befand, über die sie sich auch unterhielten. Als Velibor T***** in diesem Zusammenhang davon erzählte, dass jemand eine Kupferladung verkaufen wolle, erwähnte P*****, dass er im Raum Verona jemanden kenne, der mit gestohlenen LKWLadungen handeln würde. Davon setzte T***** den Angeklagten B***** in Kenntnis, der zunächst in dieser Sache nichts weiter unternehmen wollte. Weil sich P***** aber immer wieder bei T***** meldete und davon erzählte, dass ihm der Interessent an der Ladung „Druck“ mache bzw sich V***** bei B***** Geld ausleihen wollte, kam es am 27.Juli2008 zu einem weiteren Telefongespräch zwischen T***** und B*****, anlässlich dessen B***** das Vorhandensein einer Kupferladung und die Übergabe des Fahrzeugschlüssels an T***** ankündigte, falls V***** in weiterer Folge 45.000Euro für die Ladung erhalte. Mit dem Kaufinteressenten in Italien hatte P***** einen Preis von 60.000Euro vereinbart, wobei je 5.000Euro für P*****, T***** und B***** eingeplant waren. Dies, obwohl B***** immer wieder betont hatte, er wolle für seine Dienste keinerlei Gegenleistung erhalten, zumal er lediglich V***** damit behilflich sein möchte. Nachdem sich T***** damit einverstanden erklärte, kam es am Abend durch B***** am DEZParkplatz in Innsbruck zur Übergabe des Fahrzeugschlüssels für den LKW an T***** und gleichfalls zur Bekanntgabe des genauen Standorts des Fahrzeugs. Mit diesem Schlüssel nahm der Erstangeklagte den LKW um 22:00Uhr in Betrieb und lenkte ihn nach Italien. T***** wusste erst zu diesem Zeitpunkt aufgrund der eingesehenen Fahrzeugpapiere, dass es sich bei dem Frächter um den Drittangeklagten Boban V***** handelt (US10f).

Die Tatrichter erachteten die leugnende Verantwortung des Angeklagten B***** aufgrund der geständigen Verantwortungen der Angeklagten P***** und T*****, welche in allen wesentlichen Punkten übereinstimmen würden, als widerlegt (US12).

Zutreffend zeigt die Rüge (nominell aus Z5 [vierter Fall] und Z5a, der Sache nach aus Z5 fünfter Fall) eine Aktenwidrigkeit auf. Eine solche liegt vor, wenn das Urteil den eine entscheidende Tatsache betreffenden Inhalt einer Aussage oder Urkunde in seinen wesentlichen Teilen unrichtig oder unvollständig wiedergibt (RISJustiz RS0099431). Der die Aktenwidrigkeit betreffende dritte Teilsatz der Z5 stellt, anders als die beiden anderen, nicht auf den Ausspruch des Schöffengerichts über entscheidende, also unmittelbar für die Unterstellung des Sachverhalts unter das Gesetz relevante Tatsachen als Bezugspunkt ab. Er verlangt aber, dass der Widerspruch zum Urkunden oder Protokollsinhalt erheblich ist. Dafür ist wiederum nicht die Abweichung an sich von Bedeutung, sondern deren Bedeutung für die Beweiswürdigung. Diese aber geschieht zur Beantwortung der Frage nach dem Vorliegen der entscheidenden Tatsachen. Erheblich ist daher ein Widerspruch dann, wenn er, auf derselben Ebene gelegen, erörterungsbedürftig iSd zweiten Falls der Z5 wäre, sich also auf die Feststellung über entscheidende Tatsachen auswirken kann (Ratz, WKStPO §281 Rz466).

Tatsächlich liegt seitens des Angeklagten Dean P***** gar keine den Beschwerdeführer belastende Aussage vor, gab dieser doch an, mit Faradin B***** nie Kontakt gehabt zu haben, sowie dessen Namen nicht gekannt und von diesem erst gehört zu haben, als „die Sache aufgeflogen“ sei (ON79 S9, 19 und 21). Des Weiteren kann-worauf die Rüge unter Anführung der entsprechenden Fundstellen zutreffend verweistvon (betreffend den Beschwerdeführer) in allen wesentlichen Punkten übereinstimmenden Schilderungen des Dean P***** und des Velibor T***** keine Rede sein, weichen doch deren Darstellungen hinsichtlich des Zeitpunkts der Kenntnis des Velibor T***** vom Besitzer des LKWs (Dean P***** ON14 S9, ON19 S19, ON79 S9 f19; Velibor T***** ON30/Blg4 S5, ON79 S23, 27, 31 f und 39) und vor allem zu den Übergabemodalitäten und zum Übergabeort des Fahrzeugschlüssels (Dean P***** ON19 S19, ON79 S19 f; Velibor T***** ON30/Blg4 S5, ON79 S27 und 41) erheblich voneinander ab.

Insoweit ist aber die Wiedergabe deren Aussagen als übereinstimmend aktenwidrig. Da sich diese Aktenwidrigkeit auf erhebliche Tatsachen bezieht und das Urteil somit im Sinn oben genannter Kriterien an einem formalen Begründungsmangel leidet, war der Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Faradin B***** in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur schon bei nichtöffentlicher Beratung sofort Folge zu geben (§285e StPO).

Ein Eingehen auf das weitere Beschwerdevorbringen erübrigt sich daher.

Mit seiner Berufung gegen den Ausspruch über die privatrechtlichen Ansprüche war der Angeklagte Faradin B***** auf die Kassation zu verweisen.

Die Entscheidung über die Berufung des Angeklagten Boban V***** kommt dem Oberlandesgericht zu (§285i StPO).

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