OGH 12Os119/09f

12Os119/09fTribunale superiore24 set 2009

Testo completo

OGH 12Os119/09f

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 24.09.2009

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 24. September 2009 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Holzweber als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Schroll, Dr. Schwab, Dr. T. Solé und die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Mag. Hetlinger als weitere Richter in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Dr. Hofer als Schriftführerin in der Strafsache gegen C***** T***** und weitere Angeklagte wegen des Verbrechens des gewerbsmäßigen schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 1 Z 1, Abs 3, 148 zweiter Fall, 12 zweiter und dritter Fall und 15 StGB über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten M***** Sch***** sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Schöffengericht vom 12. März 2009, GZ 153 Hv 62/08x-168, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.

Dem Angeklagten M***** Sch***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Begründung

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil, welches auch rechtskräftige Schuldsprüche der Mitangeklagten C***** T*****, G***** Q*****, C***** A*****, M***** To*****, J***** S*****, S***** Schr*****, D***** K*****, P***** H***** und E***** Tr***** sowie in Rechtskraft erwachsene Teilfreisprüche der Angeklagten G***** Q*****, C***** T*****, J***** S***** und D***** K***** enthält, wurde M***** Sch***** des Verbrechens des gewerbsmäßig schweren Betrugs nach §§ 146, 147 Abs 1 Z 1, Abs 3, 148 zweiter Fall, 12 zweiter und dritter Fall und 15 StGB schuldig erkannt (VIII./, XIII./, XIV./). Danach haben - soweit für das Rechtsmittelverfahren von Bedeutung - C***** T*****, M***** Sch*****, G***** Q*****, C***** A*****, M***** To*****, J***** S*****, S***** Schr*****, D***** K*****, P***** H***** und E***** Tr***** in Wien mit dem Vorsatz, durch das Verhalten der Getäuschten, sich oder einen anderen unrechtmäßig zu bereichern, C***** T*****, M***** Sch*****, G***** Q*****, C***** A*****, M***** To*****, J***** S*****, S***** Schr***** und P***** H***** auch in der Absicht, sich durch die wiederkehrende Begehung der strafbaren Handlungen eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, durch Täuschung über Tatsachen, und zwar die Vorspiegelung, umfassend belehrte, dauerhaft prämienzahlungswillige und -fähige Kunden für Lebens- und Unfallversicherungen vermittelt zu haben, teilweise unter Verwendung falscher oder verfälschter Urkunden, nämlich mit den Unterschriften nicht existenter Personen oder mit gefälschten Unterschriften versehenen Versicherungsanträgen, Verantwortliche von Versicherungsgesellschaften zu Handlungen, nämlich zur Auszahlung von Abschlussprovisionen für Versicherungen verleitet, die diese aufgrund der Kündigung oder Stornierung der Verträge überwiegend im ersten Kalenderjahr und der nicht erfolgten Provisionsrückzahlungen in einem 50.000 EUR übersteigenden Betrag am Vermögen schädigten, wobei C***** T*****, M***** Sch*****, G***** Q*****, C***** A*****, S***** Schr***** und M***** To***** jeweils einen 50.000 EUR übersteigenden Schaden, J***** S*****, D***** K***** sowie P***** H***** jeweils einen 3.000 EUR übersteigenden Schaden herbeiführten, indem sie jeweils über den rechtmäßigen Abschluss von im Urteilstenor näher dargestellten Versicherungsverträge täuschten, und zwar I./ G***** Q***** ...;

II./A./ G***** Q*****, C***** A*****, S***** Schr***** und J***** S***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter ...;

II./B./ G***** Q*****, C***** A***** und S***** Schr***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter ...;

III./ M***** To***** und G***** Q***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken ...;

IV./ M***** To***** ...;

V./ G***** Q***** und S***** Schr***** im bewussten und gewollten

Zusammenwirken als Mittäter ...;

VI./ G***** Q***** und P***** H***** im bewussten und gewollten

Zusammenwirken als Mittäter ...;

VII./ D***** K***** ...;

VIII./ M***** Sch***** im November 2004 Berechtigte der L***** GmbH über die Versicherungssumme von 60.480 EUR zur Auszahlung einer Provision von 2.721 EUR;

IX./ E***** Tr***** und G***** Q***** im bewussten und gewollten

Zusammenwirken als Mittäter ...;

X./ J***** S***** ...;

XI./ C***** A***** ...;

XII./ C***** T***** und S***** Schr***** im bewussten und gewollten

Zusammenwirken als Mittäter ...;

XIII./ M***** Sch***** und S***** Schr***** 2004 im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter Berechtigte der G***** AG in zumindest 30 Angriffen unter Verwendung falscher Urkunden, nämlich von ihnen mit Unterschriften von fiktiven Personen versehene Versicherungsanträge, zur Auszahlung von Provisionen in nicht mehr feststellbarer Höhe;

XIV./ C***** T***** als faktischer Geschäftsführer und M***** Sch***** als Geschäftsführer der X***** GmbH im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter nach Fassen eines gemeinschaftlichen Tatentschlusses die jeweils unmittelbaren Täter der zuvor unter den Punkten I./ bis XII./ beschriebenen strafbaren Handlungen zur Begehung der Straftaten dadurch bestimmt, dass sie die Vorgangsweise vorgaben und die Durchführung schulten und dadurch dazu beigetragen, dass sie mit der Führung der X***** GmbH als Vertragspartner der geschädigten Versicherungsunternehmen die Grundlage für den Abschluss und die Übermittlung der Versicherungsverträge und Provisionsauszahlungen schufen, sowie die Versicherungsanträge von den unmittelbaren Tätern in Kenntnis der strafbaren Handlungen übernahmen und an die Geschädigten übermittelten, die Provisionen von diesen einkassierten und indem sie die Provisionen an die unmittelbaren Täter weiterleiteten und dafür Auszahlungen von den Bankkonten der X***** GmbH vornahmen, wobei sie mit dem Vorsatz, durch das Verhalten der Getäuschten unter Verwendung falscher Urkunden sich in einem 50.000 EUR übersteigenden Betrag unrechtmäßig zu bereichern und in der Absicht, sich durch die wiederkehrende Begehung des schweren Betrugs eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, handelten.

Gegen dieses Urteil richtet sich auf § 281 Abs 1 Z 5, 5a und 9 lit a StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten M***** Sch*****, der jedoch keine Berechtigung zukommt.

Indem die Mängelrüge (Z 5) zwischen den Schuldsprüchen des Angeklagten zum Urteilsfaktum VIII./ als unmittelbarer Täter (US 34 f) einerseits und der gleichzeitig zum (vermeintlich teilweise identen) Schuldspruch XIV./ betreffend die Bestimmung der jeweils unmittelbaren Täter der zuvor unter den Urteilsfakten I./ bis XII./ beschriebenen strafbaren Handlungen erfolgten Verurteilung (US 39 f) andererseits einen Widerspruch (nominell Z 5 dritter Fall, der Sache nach Z 3) releviert, lässt sie die mit dem Schuldspruch eine Einheit bildenden Entscheidungsgründe außer Acht, die zur Verdeutlichung eines missverständlichen Ausspruchs nach § 260 Abs 1 Z 1 StPO dienen können (vgl Ratz, WK-StPO § 281 Rz 278; Lendl, WK-StPO § 260 Rz 8). Der Urteilsbegründung ist nämlich unmissverständlich zu entnehmen, dass sich die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Bestimmungs- und Beitragstäterschaft (Schuldspruch XIV./) nur auf die von den Urteilsfakten I./ bis XII./ umfassten Tathandlungen der übrigen (somit von ihm verschiedenen) Angeklagten bezog und keine zu dessen unmittelbaren Täterschaft (Schuldspruch VIII./) zusätzliche (die eigene Person betreffende) Verurteilung auch als Bestimmungs- und Beitragstäter zum Ausdruck brachte (vgl US 59). Im Hinblick auf die unmittelbare Täterschaft des Angeklagten zu den Urteilsfakten XIII./ (US 39) und VIII./ (US 34 f) in Verbindung mit dessen zum Schuldspruch XIV./ festgestellter Bestimmungs- und sonstiger Beitragstäterschaft (US 39 f, 59) ist daher der tatgerichtlichen „Zusammenstellung auf Seite 41" (gemeint: der Ausspruch nach § 260 Abs 1 Z 2 StPO) durch Annahme einer Beteiligung nach § 12 zweiter und dritter Fall StGB eine Widersprüchlichkeit nicht zu entnehmen. Aber auch die unter dem Blickwinkel einer behaupteten Undeutlichkeit bzw Unvollständigkeit zu den Urteilsfakten VIII./ und XIII./ erhobene und das Fehlen jeglicher Beweismittel sowie Beweiswürdigung relevierende Mängelrüge (Z 5 erster und zweiter Fall) verfehlt ihr Ziel.

Dem Rechtsmittel zuwider setzten sich die Tatrichter eingehend mit den bezughabenden betrügerischen - der L***** GmbH (Schuldspruch VIII./) sowie der G***** AG (Urteilsfaktum XIII./) zum Nachteil gereichenden - Tathandlungen des Nichtigkeitswerbers unter ausführlicher Erörterung dessen gesellschaftsrechtlicher Stellung und Einflussmöglichkeit in der X***** GmbH auseinander (US 53 ff, 58 ff, 63 f, 68 ff) und begründeten logisch und empirisch einwandfrei, weshalb sie dessen - insbesondere im Gegensatz zu den geständigen Verantwortungen der Mitangeklagten C***** T*****, G***** Q***** und S***** Schr***** (US 72) stehenden - leugnenden und in sich widersprüchlichen - Angaben keinen Glauben schenkten (US 72 ff, 75 ff).

Einer Erörterung der Aussage der Mitangeklagten G***** Q*****, wonach M***** Sch***** - ihrer Wahrnehmung nach - erst ab Sommer 2004 an den Malversationen beteiligt war, bedurfte es nicht, musste doch die Genannte im Zuge ihrer Vernehmung (was die Beschwerde allerdings prozessordnungswidrig unberücksichtigt lässt) einräumen, über die Funktion des Rechtsmittelwerbers im Unternehmen nicht genau Bescheid gewusst und von den Absprachen zwischen C***** T***** und M***** Sch***** nichts mitbekommen zu haben (vgl Band XIII/ON 165/S 71). Soweit das erkennende Gericht seine den Beschwerdeführer betreffenden Feststellungen zu den so genannten „Friedhofsanträgen" auch (vgl demgegenüber den ausdrücklichen weiteren Bezug auf die geständige und den Rechtsmittelwerber auch zu diesen Verträgen belastende Einlassung des Erstangeklagten in US 76) auf die Angaben der Mitangeklagten M***** To***** (vgl Band XIII/ON 165/S 109 ff) und G***** Q***** (vgl Band XIII/ON 165/S 75) gründet (US 69 ff), lässt die Rüge nicht erkennen, inwiefern durch den Schlussfolgerungen aus den genannten Einlassungen ziehenden Verweis die zugrundeliegenden Aussagen unrichtig wiedergegeben und damit der Nichtigkeitsgrund der Aktenwidrigkeit (Z 5 fünfter Fall) verwirklicht sein sollte (vgl Ratz, WK-StPO § 281 Rz 468).

Im Übrigen ist das Gericht entgegen der pauschal eine unzureichende Begründung vorbringenden Beschwerde nicht gehalten, den vollständigen Inhalt sämtlicher Aussagen wie überhaupt alle Verfahrensergebnisse im Einzelnen zu erörtern und darauf zu untersuchen, inwieweit sie für oder gegen diese oder jene Darstellung sprechen oder sich mit jedem gegen seine Beweiswürdigung möglichen, erst in der Rüge konkret erhobenen Einwand im Voraus auseinanderzusetzen. Der vor allem seine leugnende Verantwortung in den Vordergrund rückende Nichtigkeitswerber greift fallbezogen vielmehr nur unzulässig - nach Art einer im kollegialgerichtlichen Verfahren nicht vorgesehenen Berufung wegen Schuld - die Beweiswürdigung des Schöffengerichts an (vgl Ratz WK-StPO § 281 Rz 451).

Im Rahmen der Tatsachenrüge (Z 5a) versucht der Beschwerdeführer abermals unter Betonung der Glaubwürdigkeit seiner eigenen Angaben und Erörterung der ihn belastenden Angaben des Mitangeklagten C***** T***** verbunden mit eigenen Beweiswerterwägungen seine (Mit)Täterschaft betreffend die Schuldsprüche VIII./ und XIV./ in Zweifel zu ziehen. Damit wendet er sich aber neuerlich in unzulässiger Weise gegen die vom erkennenden Gericht gefundene Lösung der Tatfrage. Erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Ausspruch über die Schuld zugrundeliegenden entscheidenden Tatsachen vermag er damit allerdings nicht zu wecken. Der formelle Nichtigkeitsgrund der Z 5a greift nämlich seinem Wesen nach erst dann, wenn Beweismittel, die in der Hauptverhandlung vorkamen oder vorkommen hätten können, nach allgemein menschlicher Erfahrung gravierende Bedenken gegen die Richtigkeit der bekämpften Urteilsannahmen aufkommen lassen, mit anderen Worten, intersubjektiv gemessen an Erfahrungs- und Vernunftssätzen eine unrichtige Lösung der Schuldfrage qualifiziert nahelegen (vgl Ratz, WK-StPO § 281 Rz 490; RIS-Justiz RS0119583). Eine über diese Prüfung hinausgehende Auseinandersetzung mit der Überzeugungskraft von Beweisergebnissen - wie es die Berufung wegen Schuld im Einzelrichterverfahren einräumt - wird dadurch jedoch nicht ermöglicht (vgl Ratz, WK-StPO § 281 Rz 487).

Mit seiner Rechts- und Subsumtionsrüge (Z 9 lit a und 10) moniert der Angeklagte zu den Schuldspruchfakten VIII./ und XIII./ - die korrespondierenden Konstatierungen des Erstgerichts ignorierend (vgl US 53 ff, 58 ff, 63 f, 68 ff) - das Fehlen jeglicher Feststellungen. Dabei argumentiert er jedoch nicht auf der Grundlage der getroffenen Urteilsannahmen und verfehlt damit die Anfechtungsbasis. Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur und entgegen der dazu erstatteten Äußerung des Rechtsmittelwerbers bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285d Abs 1 StPO). Daraus folgt die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Erledigung der Berufungen (§ 285i StPO).

Die Kostenentscheidung stützt sich auf § 390a Abs 1 StPO.

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