OGH 5Ob32/93
- Dokumenttyp: Entscheidungstext
- Entscheidungsdatum: 14.09.1993
Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Jensik als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Klinger, Dr.Schwarz, Dr.Floßmann und Dr.Rohrer als weitere Richter in der Rechtssache der Antragstellerin Ö***** registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, ***** S*****, Bstraße 57, vertreten durch Dr.Michael Wonisch, Rechtsanwalt in Salzburg, wider die Antragsgegner 1.) Wolfgang W, ***** G*****, Hstraße 21 (W2), 2.) Magdalena S, ***** G*****, Hstraße 23 (W8), 3.) Anton K, Hstraße 23 (W12), 4.) Silvia F, ***** G*****, Hstraße 23/2/13, 5.) Alois W, (W13), ***** S*****, Wstraße 91/11, 6.) Mag.Irmhild S, ***** S*****, FStraße 41 (W17), 7.) Gabriele H, ***** H*****, Gweg 19 (W17), 8.) Regina L, ***** G*****, Hstraße 25 (W18), 9.) Rosa M, ***** G*****, Hstraße 25 (W19), 10.) Wolfgang W, ***** G*****, Hstraße 25 (W20), 11.) Robert A, ***** G*****, Hstraße 27 (W23), 12.) Ivana O, ***** G*****, H*****straße 27 (W27),
13. ) Ferdinand S*****, ***** G*****, Hstraße 29 (W29), 14.) Monika K, ***** H*****, Bstraße 12 (W29), 15.) Peter O, ***** H*****, Wstraße 10 (W30), 16.) Günther A, ***** H*****, Pweg 9 (W30), 17.) Maria G, ***** G*****, Hstraße 29 (W31), 18.) Daniela F, ***** G*****, Hstraße 29 (W32), 19.) Robert W, ***** B*****, Bstraße 71, (W32), 20.) Gertrude P, ***** W*****, T*****gasse 15 (W33),
21. ) Therese P*****, ***** G*****, Ostraße 13 (W33), 22.) Peter S ***** G*****, Hstraße 29 (W34), 23.) Ludwig F, ***** G*****, Hstraße 21 (W3), 24.) Gabriele F, ***** G*****, Hstraße 21 (W3), 25.) Ernst M, ***** G*****, Hstraße 27 (W24), 26.) Hermine M, ***** G*****, H*****straße 27 (W24),
27. ) Kurt A*****, ***** G*****, Hstraße 27 (W21), 28.) Helga A, ***** G*****, Hstraße 27 (W21), 29.) Werner M, ***** G*****, Hstraße 23 (W11), 30.) Elfriede M, ***** G*****, Hstraße 23 (W11), 31.) Franz R, ***** G*****,
Hstraße 23 (W15), 32.) Slobodanka R, ***** G*****,
Hstraße 23 (W15), 33.) Johann P, ***** G*****, Hstraße 25 (W16), 34.) Karin P, ***** G*****, H*****straße 25 (W16),
35. ) Alfred G*****, ***** G*****, Hstraße 21 (W5), 36.) Karin G, ***** G*****, Hstraße 21 (W5), 37.) Gerhard A, ***** G*****, Hstraße 21 (W6), 38.) Edith A, ***** G*****, Hstraße 21 (W6), 39.) Franz B, ***** G*****, Hstraße 23 (W9), 40.) Edith B, ***** G*****, Hstraße 23 (W9), 41.) Stefan H, ***** G*****, Hstraße 23 (W10), 42.) Friederike H, ***** G*****, Hstraße 23 (W10), 43.) Dr.Hans Peter S, ***** G*****, Hstraße 27 (W25), 44.) Christa S, ***** G*****, Hstraße 27 (W25), 45.) Uta H, ***** G*****, Hauptstraße 21 (W7), 46.) Erwin F*****, ***** G*****, Hstraße 23 (W14), 47.) Herbert G, ***** G*****, Hstraße 21 (W4), 48.) Sonja G, ***** G*****, Hstraße 21 (W4), 49.) Ivan D, ***** G*****, Hstraße 27 (W22), 50.) Maria D, ***** G*****, Hstraße 27 (W22), 51.) Dipl.Ing.Dr.Hubert K, ***** G*****, KGasse 14/86 (W26), 52.) Martin K, ***** F*****, V***** 181 (W26), 53.) Barbara K*****, ***** F*****, V***** 181 (W26), 54.) Georg W*****, ***** G*****, Hstraße 27 (W28), 55.) Erna W, ***** G*****, Hstraße 27 (W28), 56.) Burkhart K, ***** G*****, Hstraße 27 (W28), 57.) Brigitte K, ***** G*****, Hstraße 27 (W28), 58.) Dagmar H, ***** S*****, M*****straße 74 (W1), wegen Feststellung der Angemessenheit des vereinbarten und begehrten Preises (§ 22 Abs 1 Z 6 WGG), infolge Revisionsrekurses der Antragstellerin gegen den Beschluß des Landesgerichtes Salzburg als Rekursgericht vom 17.Dezember 1992, GZ 22 R 652/92-6, womit der Beschluß des Bezirksgerichtes Salzburg vom 30.September 1992, GZ 18 Msch 24/92-3, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung folgenden
Beschluß
gefaßt:
Spruch
1. ) Der Beschluß des Obersten Gerichshofes vom 27.4.1993, 5 Ob 32/93 (ON 10), mit dem der Revisionsrekurs der Antragstellerin als verspätet zurückgewiesen wurde, wird aufgehoben.
2. ) Die Akten werden dem Rekursgericht mit dem Auftrag übermittelt, gemäß § 22 Abs 4 WGG iVm § 37 Abs 3 Z 16 MRG und §§ 526 Abs 3, 500 Abs 2 Z 1 und 3 ZPO auszusprechen,
a) ob der Wert des Entscheidungsgegenstandes S 50.000,-- übersteigt;
b) ob der ordentliche Revisionsrekurs zulässig ist.
Begründung
Begründung:
1. ) Zur Aufhebung des Zurückweisungsbeschlusses:
Bei der erstmaligen Vorlage des Revisionsrekurses mußte nach der Aktenlage davon ausgegangen werden, daß die Antragstellerin das Rechtsmittel am 4.2.1993 beim Erstgericht überreicht hatte. Ein Briefumschlag fehlte, ebenso der in § 108 Abs 3 Geo vorgeschriebene Vermerk über das Datum der Postaufgabe.
Nunmehr hat die Antragstellerin durch die Vorlage einer Fotokopie des Aufgabescheins nachgewiesen, den Revisionsrekurs bereits am 3.2.1993 zur Post gegeben zu haben. Entgegen der frühreren Annahme wurde daher die im konkreten Fall geltende (ab 21.1.1993 laufende) Rechtsmittelfrist des § 521 Abs 1 ZPO (iVm § 22 Abs 4 WGG und § 37 Abs 3 Z 16 MRG) gewahrt.
Stellt sich die Annahme der Verspätung eines Rechtsmittels nachträglich als offenbar unrichtig heraus, dann ist dieser Fehler - auch vom Obersten Gerichtshof - in analoger Anwendung der §§ 419 Abs 1 und 522 Abs 1 ZPO durch die Aufhebung des rechtswidrigen Zurückweisungsbeschlusses zu korrigieren (3 Ob 618/53; SZ 60/192 ua; zuletzt 5 Ob 100/90). Der diesbezüglichen Anregung der Antragstellerin war daher nachzukommen.
2. ) Zu den Aussprüchen über den Wert des Entscheidungsgegenstandes und die Zulässigkeit des Revisionsrekurses:
Die Antragstellerin, eine gemeinnützige Bauvereinigung, die als Wohnungseigentumsorganisatorin das Bauvorhaben G***** II abwickelte und auf Grund der Endabrechnung vom November 1988 nunmehr Nachforderungen gegen die Käufer der Eigentumswohnungen geltend macht, stellte am 22.7.1992 beim Bezirksgericht Salzburg den Antrag, die Angemessenheit der begehrten und vereinbarten Preise auf Grund der (gleichzeitig vorgelegten) Endabrechnungen (Gesamtabrechnungen) der Häuser 1 bis 5 sowie der Einzelabrechnungen der Wohnungseigentumsobjekte W 1 bis W 34 gemäß § 22 Abs 1 Z 6 WGG im außerstreitigen Verfahren zu überprüfen.
Das Erstgericht wies diesen Sachantrag ab, ohne ihn überhaupt den Antragsgegnern zuzustellen. Es begründete seine Entscheidung im wesentlichen damit, daß die im außerstreitigen Verfahren vorzunehmende Überprüfung der Angemessenheit vereinbarter oder begehrter Preise und Entgelte für die Übertragung des Eigentums bzw. die Überlassung des Gebrauchs von Wohnungen oder Geschäftsräumen gemäß § 22 Abs 1 Z 6 WGG nur von den Wohnungseigentümern, Mietern oder sonstigen Nutzungsberechtigten, nicht jedoch von der gemeinnützigen Bauvereinigung verlangt werden könne. Mangels Antragsbefugnis sei daher die Anrufung des Außerstreitgerichtes durch die Antragstellerin unzulässig.
Das Rekursgericht bestätigte diese Entscheidung mit der Maßgabe, daß sie auf Zurückweisung des Sachantrages zu lauten habe. Die Antragslegitimation dessen, der ein Rechtsschutzbegehren geltend macht, gebe nämlich immer dann den Ausschlag für die Zulässigkeit eines bestimmten Verfahrens, wenn die Einleitung dieses Verfahrens von formalisierten Anträgen abhänge. Den Antrag einer gemeinnützigen Bauvereinigung, das von ihr errechnete und begehrte Entgelt (genau genommen die Richtigkeit ihrer Endabrechnung) im außerstreitigen Verfahren zu überprüfen, sehe jedoch - wie das Erstgericht richtig erkannte - § 22 Abs 1 Z 6 WGG (insbesondere im Hinblick auf die Regelung in § 22 Abs 2 WGG) nicht vor. Unabhängig davon sei die Zulässigkeit des außerstreitigen Rechtsweges für die Feststellung der Preisangemessenheit der verfahrensgegenständlichen Objekte schon deshalb zu verneinen, weil die Antragstellerin die in § 22 Abs 3 WGG für die außerstreitige Klärung aller mit den Baukosten im weiteren Sinn zusammenhängenden Fragen gesetzte Frist von 3 Jahren versäumt habe. Eine solche Fristversäumnis schließe die Geltendmachung von Ansprüchen, wie sie hier verfolgt werden, zwar nicht im streitigen Rechtsweg, wohl aber im außerstreitigen Verfahren aus.
Die Entscheidung des Rekursgerichtes enthält den Ausspruch, daß der Revisionsrekurs gemäß § 528 Abs 2 Z 2 ZPO jedenfalls unzulässig sei. Diese Bestimmung komme zur Anwendung, weil über das Rechtsschutzbegehren der Antragstellerin nicht mit einem Sachbeschluß abgesprochen wurde.
Über den nunmehr vorliegenden "außerordentlichen" Revisionsrekurs der Antragstellerin, mit dem sie die Einleitung des außerstreitigen Verfahrens über ihren Sachantrag anstrebt, kann nicht entschieden werden, ehe nicht die Zulässigkeitsvoraussetzungen des § 528 Abs 1 und Abs 2 Z 1 ZPO (jeweils iVm § 22 Abs 4 WGG und § 37 Abs 3 Z 16 MRG) geklärt sind.
Da das Begehren der Antragstellerin bisher inhaltlich nicht geprüft wurde, ist dem Rekursgericht Recht zu geben, daß es im gegenständlichen Fall nicht um die Überprüfung eines Sachbeschlusses, sondern einer rein verfahrensrechtlichen Entscheidung geht (vgl 5 Ob 48/92; WoBl 1992, 123/90; 5 Ob 156/92; 5 Ob 157/92; s. auch die in diesem Verfahren ergangene Entscheidung des Obersten Gerichtshofes vom 27.4.1993). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich daher gemäß § 22 Abs 4 WGG iVm § 37 Abs 3 Z 16 MRG ausschließlich nach den Bestimmungen der §§ 514 bis 528a ZPO.
Nach diesen Bestimmungen kann jedoch von einem absoluten Rechtsmittelausschluß keine Rede sein. Auch wenn der Beschluß des Erstgerichtes zur Gänze bestätigt wurde, weil letztlich beide Instanzen die fehlende Erwähnung eines Entgelts-Überprüfungsantrages der gemeinnützigen Bauvereinigung im Katalog der außerstreitigen Angelegenheiten des Wohnungsgemeinnützigkeitsrechtes (§ 22 Abs 1 WGG) als Unzulässigkeit des außerstreitigen Rechtsweges für das gegenständliche Rechtsschutzbegehren gedeutet haben, liegt der in § 528 Abs 2 Z 2 ZPO normierte Ausnahmefall vor, daß das Begehren ohne Sachentscheidung aus formellen Gründen zurückgewiesen wurde. Die Zurückweisung eines Sachantrages ist nämlich der in § 528 Abs 2 Z 2 ZPO angesprochenen Verweigerung des Rechtsschutzes im Prozeß gleichzuhalten (5 Ob 1079/91). Die Bestätigung des Zurückweisungsbeschlusses durch das Rekursgericht macht ein weiteres Rechtsmittel daher nicht jedenfalls unzulässig.
Auch eine solche Entscheidung ist jedoch für den Obersten Gerichtshof unüberprüfbar, wenn der Wert des Entscheidungsgegenstandes S 50.000,-- nicht übersteigt (RZ 1991, 72/12; WoBl 1992, 123/90 ua). Selbst bei Erfüllung dieser Zulässigkeitsvoraussetzung müßte dann noch eine erhebliche Rechtsfrage iSd § 528 Abs 1 ZPO vorliegen, um den Obersten Gerichtshof anrufen zu können (WoBl 1991, 212/128 ua). Eine Ausnahme macht die Judikatur nur dann, wenn ein dem § 519 Abs 1 Z 1 ZPO vergleichbarer Fall vorliegt, das Rekursgericht also funktionell wie ein Berufungsgericht entscheidet und aus Anlaß eines Rekurses gegen eine Sachentscheidung einen Grund für die formelle Zurückweisung des Rechtsschutzbegehrens wahrnimmt (WoBl 1992, 150/108; WoBl 1993, 60/48; JusExtra 1274; zuletzt 5 Ob 23/93 und 5 Ob 31/93; vgl auch EvBl 1992/8). Da hier das Rekursgericht nicht mit der Überprüfung einer Sachentscheidung befaßt war, sondern über die bereits vom Erstgericht ausgesprochene formelle Zurückweisung eines Sachantrages (also einen rein verfahrensrechtlichen Beschluß) zu entscheiden hatte, sind die fehlenden Aussprüche über die Bewertung des Entscheidungsgegenstandes und die Zulässigkeit des (ordentlichen) Revisionsrekurses nachzuholen.