0.916.202Multilateral International Treaty18 avr. 1951
0.916.202
AS 2005 915
Übersetzung*1*
Konsolidierte Version 2
Abgeschlossen in Paris am 18. April 1951
Von der Schweiz unterzeichnet am 18. April 19513
In Kraft getreten für die Schweiz am 18. April 1951
(Stand am 2. März 2011)
Es wird eine Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (im Folgenden Organisation) gegründet, als regionale Pflanzenschutzorganisation im Sinne der Bestimmungen des von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)4geschlossenen Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens vom 6. Dezember 19515. Die Organisation setzt sich zum Ziel:
Im Sinne dieses Übereinkommens haben die nachstehenden Ausdrücke folgende Bedeutung:
«Phytosanitäre Risikoanalyse» – Auswertung biologischer Nachweise oder anderer wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Daten um festzustellen, ob ein Schadorganismus einer Regelung zu unterwerfen ist, und die Strenge der gegebenenfalls zu treffenden phytosanitäre Massnahmen zu bestimmen;
«Einschleppung» – Eindringen und anschliessende Einnistung eines Schadorganismus;
«Phytosanitäre Massnahme» – Gesetzgebung, Regelung oder amtliche Methode zur Verhinderung der Einschleppung oder der Verbreitung von Schadorganismen;
«Internationale Normen» – gemäss Internationalem Pflanzenschutzübereinkommen erlassene internationale Normen;
«Regionale Normen» – von einer regionalen Pflanzenschutzorganisation für ihre Mitglieder erlassene Normen;
«Quarantäneorganismus» – Schadorganismus, der für die bedrohte Zone wirtschaftliche Folgen zeitigen kann, in dieser Zone noch nicht vorhanden ist oder dort zwar eingedrungen aber nicht weit verbreitet ist, und gegen den amtliche Bekämpfungsmassnahmen ergriffen werden;
«Schadorganismus» – für Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse schädliche Art oder schädlicher Stamm oder Biotyp von Pflanzen, Tieren und Krankheitserregern;
«Reglementierter Schadorganismus» – Quarantäne- oder Nichtquarantäneorganismus, der einer Regelung unterworfen ist;
«Reglementierter Nichtquarantäneorganismus» – Schadorganismus, der keiner Quarantäne unterliegt, dessen Vorhandensein in für Kulturen bestimmten Pflanzen jedoch die vorgesehene Verwendung der letzteren mit unannehmbaren wirtschaftlichen Folgen beeinträchtigt und der daher auf dem Hoheitsgebiet des Einfuhrstaates einer Regelung unterworfen ist;
«Pflanzenerzeugnisse» – nicht verarbeitete Produkte pflanzlichen Ursprungs (inklusive Samen) sowie verarbeitete Produkte, die wegen ihrer Beschaffenheit oder der Art ihrer Verarbeitung die Gefahr einer Einschleppung oder Verbreitung von Schadorganismen bergen;
«Pflanzen» – lebende Pflanzen und Pflanzenteile, inklusive Samen und genetisches Material;
«Bedrohte Zone» – Zone, in der ökologische Faktoren die Einnistung eines Schadorganismus begünstigen, dessen Vorhandensein beträchtliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen würde.
a. Durch Beitritt zu diesem Übereinkommen im Sinne von Artikel XX können Mitglied der Organisation werden: 1. die im Anhang II aufgeführten Staaten; 2. andere Staaten, die der Rat der Organisation zum Beitritt auffordert. b. Hoheitsgebiete, für welche eine Erklärung im Sinne von Artikel XXI abgegeben wird, können vom Rat der Organisation als Mitglied aufgenommen werden, aber nur auf Vorschlag des die Erklärung abgebenden Mitgliedstaats. Ihre Aufnahme erfordert eine Zweidrittelmehrheit der Abstimmenden. Die aufgenommenen Hoheitsgebiete müssen nach Ansicht des Rats in der Lage sein, einen eigenen, klar definierten Beitrag zur den Arbeiten der Organisation zu leisten.
Die Organisation: a. erarbeitet 1. die Grundsätze der guten Praxis für die Umsetzung der phytosanitären Massnahmen und des Pflanzenschutzes im Allgemeinen; 2. regionale Normen; b. fördert 1. die Harmonisierung der phytosanitären und andern amtlichen Massnahmen zum Pflanzenschutz; 2. die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Regelungen und der Pflanzenschutzzeugnisse; c. berät die Mitgliedstaaten 1. bei technischen Massnahmen zur Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung reglementierter Schadorganismen wie Inspektionen, Analysen, Zertifizierung, Behandlung, Erkundung und Ausrottung; 2. bei Verwaltungs- und Gesetzesmassnahmen zur Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung reglementierter Schadorganismen, insbesondere bei phytosanitarischen Risikoanalysen sowie bei der Erstellung und Bereinigung der Listen reglementierter Schadorganismen; 3. bei den Massnahmen zur Zulassung und Bewilligung von Pflanzenschutzmitteln, sowie zur Kontrolle ihrer Vermarktung und Verwendung auf ihrem Territorium, unter Beachtung der Grundsätze der guten phytosanitären Praxis und wenn immer möglich derjenigen der integrierten Schädlingsbekämpfung; d. koordiniert und fördert nach Möglichkeit internationale Kampagnen von Mitgliedstaaten gegen Schadorganismen; e. erleichtert die Forschungszusammenarbeit in den Bereichen Schadorganismen, Bekämpfungsmethoden und wissenschaftlicher Informationsaustausch; f. sorgt für die Informationsverbreitung, 1. durch das Einholen von Auskünften über das Vorhandensein, das Auftreten oder die Ausbreitung von Schadorganismen bei den Mitgliedstaaten und die Weitergabe dieser Auskünfte an die andern Mitgliedstaaten; 2. durch den Austausch von Informationen über die nationalen Gesetzgebungen bezüglich phytosanitärer Regelungen, Listen reglementierter Schadorganismen und anderer Massnahmen, welche den Verkehr mit Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen einschränken; 3. mittels Schaffung eines Dokumentations- und Informationsdienstes und Veröffentlichung von Schriften für den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt in geeigneter Form; g. trifft allgemein die für die Erreichung der von der Organisation verfolgten Ziele zweckmässigen und notwendigen Massnahmen.
Zur Erreichung der im vorliegenden Übereinkommen gesetzten Ziele arbeitet die Organisation mit der FAO und den anderen regionalen Pflanzenschutzorganisationen zusammen; sie kann sich auch an entsprechenden Aktivitäten der WTO und anderer Instanzen mit ähnlichen Verantwortlichkeiten beteiligen. Diese Aktivitäten betreffen die Festsetzung von Normen für phytosanitarische und andere amtliche Massnahmen zum Pflanzenschutz, sowie die allfällige Umwandlung regionaler Normen der Organisation in internationale Normen.Die Organisation bemüht sich nach Kräften, Doppelspurigkeiten zu vermeiden.
Die Organisation umfasst:
Der Rat arbeitet die Geschäfts- und die Haushaltsordnung der Organisation aus.
Mit dem Einverständnis des Rats können sich Nichtmitgliedstaaten und zwischenstaatliche Organismen, die ähnliche Aufgaben erfüllen wie die Organisation, an den Sitzungen des Rats von einem oder mehreren Beobachtern mit beratender Stimme vertreten lassen.
Der Rat: a. prüft und befindet über: 1. den Bericht des Generaldirektors und die Aktivitäten der Organisation seit seiner letzten ordentlichen Sitzung; 2. die allgemeine Ausrichtung und das Tätigkeitsprogramm der Organisation; 3. das Budget; 4. die Jahresrechnung und die Bilanz; 5. die Schaffung von ständigen oder ad-hoc-Organen zur Sicherstellung der Arbeit der Organisation bzw. über die Auflösung dieser Organe; 6. die Berichte dieser Organe; 7. die ihm vom Vollzugsausschuss unterbreiteten Vorschläge; b. nimmt die statutarischen Wahlen vor; c. ernennt den Generaldirektor und legt seine Anstellungsbedingungen fest.
Der Vollzugsausschuss*:*
Der Generaldirektor:
a. Die Unterschrift dieses Übereinkommens oder der Beitritt dazu steht jedem Staat offen, der gemäss Artikel III Mitglied wird, mit folgenden Möglichkeiten: 1. Unterschrift ohne Ratifizierungs-, Annahme- oder Genehmigungsvorbehalt; 2. Unterschrift mit nachfolgender Ratifizierung, Annahme oder Genehmigung; 3. Beitritt. b. Die Ratifizierungs-, Annahme-, Genehmigungs- und Beitrittsurkunden sind bei der französischen Regierung zu hinterlegen. Diese informiert alle Mitgliedstaaten über die Daten, an denen das Übereinkommen unterschrieben oder eine Urkunde hinterlegt wurde.
(Unterzeichner des Originaltextes)
Zu Urkund dessen haben die Unterzeichneten, von ihren Regierungen hierzu gehörig befugt, dieses Übereinkommen und die Anhänge unterschrieben.
Geschehen zu Paris am 18. April 1951, in einfacher Ausfertigung und im Archiv der französischen Regierung6hinterlegt.Beglaubigte Kopie des im Archiv der französischen Republik hinterlegten Originaltextes.(Es folgen die Unterschriften)
in französischen Franken, abgeleitet vom Schlüssel, der auf dem Anteil der FAO-Mitgliedstaaten an den Budgetausgaben 1966/67 der FAO basiert und am 18. September 1968 vom Rat genehmigt wurde*(siehe Artikel XVIII).*
| Kategorie | FAO-Anteil in % | Jahresbeiträge in französischen Franken (Basis) |
|---|---|---|
| 1 | weniger als 0,01 | 4 590 |
| 2 | 0,01– 0,15 | 9 180 |
| 3 | 0,16– 0,45 | 13 770 |
| 4 | 0,46– 0,75 | 18 360 |
| 5 | 0,76– 1,35 | 22 950 |
| 6 | 1,36– 2,00 | 27 540 |
| 7 | 2,01– 2,50 | 32 130 |
| 8 | 2,51– 5,00 | 36 720 |
| 9 | 5,01– 7,50 | 41 310 |
| 10 | 7,51–10,00 | 45 900 |
| Albanien Österreich Belgien Weissrussland, Sowjetrepublik Ungarn Bulgarien Dänemark Ägypten Spanien Finnland Frankreich (auch für Algerien Tunesien und Marokko) Griechenland | Irland Island Israel Italien Libanon Liechtenstein Luxemburg Monaco Norwegen Niederlande Polen Portugal Bundesrepublik Deutschland | Rumänien Vereinigtes Königreich San Marino Schweden Schweiz Syrien Tschechoslowakei Türkei Ukraine, Sowjetrepublik Sowjetunion Jugoslawien |
|---|
Armenien
Aserbaidschan
Bosnien-Herzegowina
Mazedonien, Ex-Republik Jugoslawien
Georgien
Jordanien
Kasachstan
Kirgisistan
Libyen
Litauen
Moldawien
Usbekistan
Tadschikistan
Turkmenistan
Jugoslawien (Bundesrepublik)
Mitgliedstaaten
am 14. September 1999
und Kategorie gemäss Anhang I
| Land | Kategorie | Land | Kategorie |
|---|---|---|---|
| Albanien | 2 | Jordanien | 2 |
| Algerien | 2 | Lettland | 2 |
| Deutschland | 10 | Litauen | 2 |
| Österreich | 4 | Luxemburg | 2 |
| Belgien | 6 | Malta | 2 |
| Bulgarien | 3 | Marokko | 2 |
| Zypern | 2 | Norwegen | 4 |
| Kroatien | 2 | Niederlande | 6 |
| Dänemark | 5 | Polen | 6 |
| Spanien | 5 | Portugal | 3 |
| Estland | 2 | Rumänien | 4 |
| Mazedonien, Ex-Republik Jugoslawien | 2 | Vereinigtes Königreich | 10 |
| Finnland | 4 | Russland | 9 |
| Frankreich | 10 | Slowakien | 2 |
| Griechenland | 3 | Slowenien | 2 |
| Guernsey | 2 | Schweden | 6 |
| Ungarn | 3 | Schweiz | 5 |
| Irland | 3 | Tschechien | 3 |
| Israel | 3 | Tunesien | 2 |
| Italien | 8 | Türkei | 4 |
| Jersey | 2 | Ukraine | 6 |
| Vertragsstaaten | |
|---|---|
| Albanien | Moldau |
| Algerien | Niederlandea |
| Aserbaidschan | Norwegen |
| Belarus | Österreicha |
| Belgien | Polen |
| Bosnien und Herzegowina | Portugal |
| Bulgarien | Rumänien |
| Dänemarka | Russland |
| Deutschland | Schweden |
| Estland | Schweiza |
| Finnland | Serbien |
| Frankreicha | Slowakei |
| Griechenland | Slowenien |
| Irland | Spaniena |
| Israel | Tschechische Republik |
| Italiena | Tunesien |
| Jordanien | Türkei |
| Kasachstan | Ukraine |
| Kirgisistan | Ungarn |
| Kroatien | Usbekistan |
| Lettland | Vereinigtes Königreicha |
| Litauen | Guernseya |
| Luxemburg | Jerseya |
| Malta | Zypern |
| Marokko | |
| Mazedonien | |
| a Unterzeichnung ohne Ratifikationsvorbehalt. |
Der Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der französischen Ausgabe dieser Sammlung. ↩
Durch den Rat geändert am 27. April 1955, 9. Mai 1962, 18. Sept. 1968, 19. Sept. 1973, 23. Sept. 1982, 21. Sept. 1988 und 15. Sept. 1999. ↩
Ohne Ratifikationsvorbehalt. ↩
Siehe Art. VIII des Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens vom 6. Dez. 1951; Art. IX des an der 29. Tagung der FAO-Konferenz im Nov. 1997 durch die Resolution 12/97 verabschiedeten revidierten Texts dieses Übereink. ↩
SR 0.916.20 ↩
Ausserdem wurden bei der französischen Regierung hinterlegt: ein gedrucktes Exemplar jeder revidierten Fassung des Übereinkommens mit den vom Rat der Organisation genehmigten Änderungen vom 27. April 1955, 9. Mai 1962, 18. Sept. 1968, 19. Sept. 1973, 23. Sept. 1982, 21. Sept. 1988 und 15. Sept. 1999. ↩
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