Gehörsrüge for lack of interpreter held inadmissible

BVerwG 5 B 41/13Bverwg / 5e division14 juin 2013Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court rejected the complaint as inadmissible. The claimant argued that the oral hearing before the Baden-Württemberg Administrative Court had violated his right to be heard because no interpreter was present. The Court held that the complaint did not meet the substantiation requirements for a hearing-violation claim: it failed to specify what additional submissions the claimant would have made with an interpreter and how these could have affected the outcome. The Court also relied on the lower court’s finding that communication in German had been possible and noted that no interpreter had been requested during the hearing, causing forfeiture of the objection.

Regeste Omnilex

Art. 103(1) GG; § 55 VwGO in conjunction with § 185(1) GVG; § 133(3) sentence 3 VwGO; § 295(1) ZPO in conjunction with § 173 VwGO: A complaint alleging denial of the right to be heard through failure to appoint an interpreter is inadmissible unless it specifically identifies the procedural act constituting the defect, states what further submissions the party would have made with proper hearing, and explains the relevance of that omitted submission to the decision. A party who, although able to do so, does not request an interpreter at the hearing generally forfeits the right to invoke this procedural defect later. The duty to appoint an interpreter serves as a special manifestation of the constitutional guarantee of being heard, but it is not triggered where the party can sufficiently understand and participate in the proceedings in German (consid. 3-5).

Texte intégral

BVerwG — 5 B 41/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-06-14

Aktenzeichen: 5 B 41/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 185 GVG, § 55 VwGO

Vorinstanz: vorgehend Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, 7. März 2013, Az: 1 S 617/12, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Gewährung rechtlichen Gehörs; Hinzuziehung eines Dolmetschers

Gründe

1 Die Beschwerde ist unzulässig. Denn sie legt den geltend gemachten Verfahrensmangel einer Verletzung des Anspruchs auf Gewährung rechtlichen Gehörs nicht den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO entsprechend dar.

2 Die Beschwerde rügt, dass die mündliche Verhandlung unter Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG ohne Beiziehung eines Dolmetschers erfolgt sei. Der Kläger - ein aus Ägypten stammender Imam - sei mit schwierigen, theologisch bedeutsamen Fragen des Verhältnisses von Islam und freiheitlich-demokratischer Grundordnung konfrontiert worden, die sein Sprachniveau eindeutig überschritten hätten. Wäre eine solche Befragung auch nur annähernd angekündigt worden, wäre die Zuziehung eines Dolmetschers beantragt worden, soweit es um schwierige theologische und wissenschaftliche Fragen gehe.

3 Damit wird ein Verfahrensfehler nicht ausreichend dargetan. Bei der Rüge der Verletzung rechtlichen Gehörs gehört zu der von § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO geforderten Darlegung des Verfahrensmangels eine substantiierte Schilderung der Maßnahmen, durch die das Tatsachengericht das rechtliche Gehör verletzt hat. Ferner ist darzulegen, was der Beteiligte bei ausreichender Gewährung des rechtlichen Gehörs noch vorgetragen hätte und inwieweit der weitere Vortrag zur Klärung des geltend gemachten Anspruchs geeignet gewesen wäre (Beschluss vom 19. März 1991 - BVerwG 9 B 56.91 - Buchholz 310 § 104 VwGO Nr. 25 S. 12). Daran fehlt es.

4 Die Schilderung des Klägers lässt schon nicht auf einen Gehörsverstoß schließen. Zwar ist nach § 55 VwGO in Verbindung mit § 185 Abs. 1 Satz 1 GVG ein Dolmetscher hinzuzuziehen, wenn unter Beteiligung von Personen verhandelt wird, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Ein fremdsprachiger Beteiligter soll die ihn betreffenden Verfahrensvorgänge verstehen und sich in der Verhandlung verständlich machen können. Bei diesen Vorschriften handelt es sich auch im hier vorliegenden Zusammenhang um eine spezielle Form der Gewährung des durch Art. 103 Abs. 1 GG garantierten rechtlichen Gehörs (Beschlüsse vom 10. November 1981 - BVerwG 9 C 474.80 - BayVBl 1982, 349 und vom 29. April 1983 - BVerwG 9 B 1610.81 - Buchholz 310 § 55 VwGO Nr. 6 S. 1). Der Kläger verfügt jedoch über für eine Einbürgerung ausreichende deutsche Sprachkenntnisse; der Mitwirkung eines Dolmetschers bedarf es jedenfalls grundsätzlich nicht, wenn ein Beteiligter die deutsche Sprache zwar nicht beherrscht, sie aber in einem die Verständigung mit ihm in der mündlichen Verhandlung ermöglichenden Maße spricht und versteht (Beschluss vom 11. September 1990 - BVerwG 1 CB 6.90 - Buchholz 300 § 185 GVG Nr. 2 S.1). Der Verwaltungsgerichtshof hat ausgeführt, dass eine hinreichende Verständigung mit dem Kläger möglich gewesen ist (UA S. 16). Das dies tatsächlich nicht der Fall gewesen sei, trägt die Beschwerde nicht ausreichend substantiiert vor. Insbesondere legt sie nicht dar, dass der Kläger noch etwas hätte vortragen wollen, aber mangels ausreichender Deutschkenntnisse nicht habe vortragen können. Es fehlen jedwede Ausführungen dazu, was der Kläger mithilfe eines Dolmetschers noch vorgetragen hätte und inwieweit die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs auf der mangelnden Berücksichtigung dieses Vortrags beruhen kann.

5 Schließlich kann die Gehörsrüge auch deswegen keinen Erfolg haben, weil der Kläger ausweislich des Sitzungsprotokolls der mündlichen Verhandlung vom 7. März 2013 die Hinzuziehung eines Dolmetschers nicht beantragt hat, obwohl dazu jedenfalls in dem sich unmittelbar an die Anhörung des Klägers anschließenden Verfahrensabschnitt Gelegenheit bestanden hätte. Er hat damit sein Rügerecht gemäß § 295 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 173 VwGO verloren (vgl. Urteil vom 6. Juli 1998 - BVerwG 9 C 45.97 - BVerwGE 107, 128 <132> = Buchholz 310 § 113 VwGO Nr. 297 S. 46; Beschluss vom 29. April 1983 a.a.O. S. 2).

6 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 133 Abs. 5 Satz 2 Halbs. 2 VwGO abgesehen.

Mots-clés

right to be heardinterpreterprocedural defectsubstantiationforfeitureoral hearing

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint sufficiently substantiated a violation of the right to be heard because no interpreter was appointed at the hearing

Solution extraite

No. The complaint did not describe in a substantiated way what was said at the hearing, what the claimant would additionally have submitted with an interpreter, and why this could have affected the judgment.

Motifs extraits

A Gehörsrüge under § 133(3) sentence 3 VwGO requires concrete description of the alleged hearing defect and of omitted submissions relevant to the outcome. The claimant also did not show that he was unable to understand or express himself sufficiently in German; the lower court had found adequate communication possible.

Question juridique clé

Whether the right to complain about the missing interpreter was lost because no request was made at the hearing

Solution extraite

Yes. According to the minutes, the claimant did not request an interpreter despite the opportunity to do so after his examination, so he lost the right to raise the defect later.

Motifs extraits

An objection to a procedural defect must be raised promptly when the party is able to do so; otherwise the right to complain is forfeited under § 295(1) ZPO in conjunction with § 173 VwGO.

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