Costs in moot interim relief proceedings

BVerwG 7 VR 3/10Bverwg / Division 730 déc. 2010Settled

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

After the applicants and the respondent declared the interim relief proceedings moot, the Federal Administrative Court discontinued the case and decided only the costs. It held that the applicants had probably lacked the specific interest required for interim protection under Section 80(5) VwGO, because the litigation was not genuinely aimed at suspending enforceability but was intertwined with parallel settlement negotiations over the planned removal of a railway crossing. Costs were therefore imposed on the applicants by shares. The interested party received no costs because it had not filed any motion or otherwise promoted the proceedings.

Regeste Omnilex

§ 161 Abs. 2 VwGO; cost allocation after mootness in interim relief proceedings; where the parties declare the main matter erledigt, the court decides costs according to equitable discretion and the probable outcome on the merits. The decisive criterion is who would likely have lost absent the mootness. A request under § 80(5) VwGO must be directed to securing effective interim protection by preventing the enforceability of the challenged administrative act; if the applicant does not pursue this specific aim, a lack of Rechtsschutzinteresse may be assumed. An interested party is not to be reimbursed under § 162(3) VwGO unless it has itself applied or otherwise materially promoted the proceedings.

Texte intégral

BVerwG — 7 VR 3/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-30

Aktenzeichen: 7 VR 3/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 80 Abs 5 VwGO, § 161 Abs 2 VwGO

Spruchkörper: 7. Senat

Titelzeile

Vorläufiger Rechtsschutz; Kosten des Verfahrens; Interesse an der Gewährung von Eilrechtsschutz

Gründe

1 Nachdem die Antragsteller und die Antragsgegnerin das Antragsverfahren in der Hauptsache für erledigt erklärt haben, ist das Verfahren entsprechend § 92 Abs. 3 Satz 1 VwGO einzustellen.

2 Gemäß § 161 Abs. 2 VwGO ist nach billigem Ermessen über die Kosten des Verfahrens zu entscheiden; der bisherige Sach- und Streitstand ist dabei zu berücksichtigen. Kostenpflichtig ist danach in der Regel derjenige Beteiligte, der voraussichtlich in der Hauptsache unterlegen wäre, hätte sich der Rechtsstreit in der Hauptsache nicht erledigt. Hiernach entspricht es der Billigkeit, den Antragstellern die Kosten des Verfahrens - gemäß § 159 Satz 1 VwGO i.V.m. § 100 Abs. 1 ZPO nach Kopfteilen - aufzuerlegen. Denn es spricht alles dafür, dass ihrem Antrag das auf das Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes bezogene Rechtsschutzinteresse fehlte. Eine Kostenerstattung zu Gunsten der Beigeladenen gemäß § 162 Abs. 3 VwGO kommt nicht in Betracht, da diese weder einen Antrag gestellt (§ 154 Abs. 3 VwGO), noch das Verfahren auf sonstige Weise gefördert hat.

3 Der Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage nach § 80 Abs. 5 Satz 1 VwGO muss gerade das Ziel verfolgen, im Interesse der Gewährung effektiven Rechtsschutzes die vorläufige Hemmung der Vollziehbarkeit des angefochtenen Verwaltungsakts - im umfassenden Sinne eines Verwirklichungsverbots (vgl. Urteile vom 27. Oktober 1982 - BVerwG 3 C 6.82 - BVerwGE 66, 218 <222> Buchholz 451.55 Subventionsrecht Nr. 71 S. 12 f., vom 17. August 1995 - BVerwG 3 C 17.94 - BVerwGE 99,109 <112> Buchholz 451.511 MOG Nr. 7 und vom 20. November 2008 - 3 C 13.08 - BVerwGE 132, 250 <251> Buchholz 310 § 80 VwGO Nr. 80) zu erreichen. Hierauf war das Rechtsschutzbegehren der Antragsteller aber - soweit ersichtlich - der Sache nach nicht gerichtet.

4 Die Antragsteller haben Maßnahmen der Beigeladenen zur Verwirklichung des Planfeststellungsbeschlusses im Bereich des streitigen Bahnübergangs nicht zum Anlass genommen, zur Wahrung ihrer Belange das Verfahren durch weiteren Vortrag insbesondere zu den von der Antragsgegnerin aufgeworfenen Fragen zu den tatsächlichen Verhältnissen zu fördern und auf eine baldige Entscheidung über ihren Antrag hinzuwirken. Dieses aus der Sicht eines verständigen Rechtsschutzsuchenden in aller Regel als nachlässig einzustufende Vorgehen lässt hier zwar als solches wohl noch keine Rückschlüsse auf ein mangelndes Interesse an der Gewährung von Eilrechtschutz zu, weil die behaupteten Unzuträglichkeiten für den landwirtschaftlichen Betrieb noch nicht unmittelbar, sondern erst mit dem Beginn des verstärkten Zugverkehrs nach Eröffnung des ersten Teilabschnitts des neuen Tiefseehafens zu erwarten waren, der Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO gemäß § 18e Abs. 3 Satz 1 AEG allerdings fristgebundenen zu stellen war (vgl. auch Beschluss vom 23. Juni 2009 - BVerwG 9 VR 1.09 - Buchholz 310 § 80 VwGO Nr. 81). Hier kommt aber noch entscheidend dazu, dass die Antragsteller bereits im Zeitpunkt der Stellung des Antrags mit der Beigeladenen außergerichtliche Verhandlungen über eine Aufhebung des Bahnübergangs gegen die Zahlung einer Ablösung geführt haben; diese Verhandlungen sind mittlerweile abgeschlossen und liegen den Erledigungserklärungen zu Grunde. Das belegt, dass die Antragsteller mit ihrem Rechtsschutzbegehren ein spezifisch auf die vorläufige Sicherung ihrer Interessen, nämlich die Verhinderung nachteiliger Veränderungen der bestehenden Situation bis zur endgültigen Klärung der Rechtslage, bezogenes Anliegen nicht verfolgt haben. Dem von einem Planfeststellungsbeschluss in seinen Rechten Betroffenen ist zwar unbenommen, mithilfe seiner prozessualen Möglichkeiten auch eine Verbesserung seiner Verhandlungsposition im Hinblick auf außergerichtliche Lösungen zu erstreben; diesem Anliegen konnte hier allerdings schon das Klageverfahren Rechnung tragen.

Mots-clés

interim reliefmootnesscost allocationinterest in protectionplanning lawrailway crossing

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

How should costs be allocated after the parties declare an interim relief application moot?

Solution extraite

The proceedings were discontinued and costs were imposed on the applicants, allocated by shares.

Motifs extraits

Under Section 161(2) VwGO the court decides costs according to equitable discretion based on the prior merits. The applicants would probably have lost because their request lacked the requisite interim-protection interest.

Question juridique clé

Is the interested party entitled to reimbursement of its costs?

Solution extraite

No. The interested party was not entitled to cost reimbursement because it had not filed an application and had not otherwise advanced the proceedings.

Motifs extraits

Section 162(3) VwGO requires participation beyond mere presence; neither a motion under Section 154(3) VwGO nor other procedural contribution was shown.

Question juridique clé

Did the applicants pursue a proper request for suspension of immediate enforcement under Section 80(5) VwGO?

Solution extraite

The Court considered that the application was not directed at securing the legally required interim suspension in the relevant sense and therefore lacked the specific urgent-protection interest.

Motifs extraits

An application under Section 80(5) VwGO must aim at preventing enforceability of the challenged act; the applicants instead were focused on negotiations about an out-of-court solution and did not timely advance the case.

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