No legal aid lawyer or legal aid for reopening action

BVerwG 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16, 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16Bverwg / Division 930 août 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court refused both the appointment of a legal aid lawyer and legal aid for the applicant’s planned reopening action. It held that the intended action was already hopeless because the one-month filing period had expired and the five-year exclusion period had also lapsed. In addition, no reopening ground existed under § 580 Nr. 7 lit. b ZPO because the applicant relied on a later-created traffic value appraisal, which is not a pre-existing document within that provision. The court therefore rejected both requests.

Regeste Omnilex

§ 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 78b ZPO; § 166 Abs. 1 Satz 1 VwGO i.V.m. § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO; requirements for appointment of a legal aid lawyer and legal aid in proceedings for reopening of a final judgment. Appointment presupposes that the party has unsuccessfully sought counsel and that the intended legal remedy is neither abusive nor manifestly hopeless. A reopening action is manifestly hopeless where the one-month period under § 153 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 586 Abs. 1, Abs. 2 sentence 1 ZPO is expired and no basis for restitution is apparent; in addition, the five-year exclusion period under § 586 Abs. 2 sentence 2 ZPO bars the action. § 580 Nr. 7 lit. b ZPO covers only documents already existing during the prior proceedings, which could not then be produced without fault; later-created expert reports do not qualify as such documents and lack documentary character in this sense (consid. 3-5).

Texte intégral

BVerwG — 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16, 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-08-30

Aktenzeichen: 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16, 9 AV 2/16, 9 PKH 1/16

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:300816B9AV2.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 114 ZPO, § 78b ZPO, § 580 Nr 7 S 1 ZPO, § 586 Abs 1 ZPO, § 586 Abs 2 S 1 ZPO, § 586 Abs 2 S 2 ZPO, § 153 Abs 1 VwGO, § 173 S 1 VwGO, § 166 VwGO

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Notanwalt und Prozesskostenhilfe für Wiederaufnahmeklage

Leitsatz

  1. Die Wiederaufnahmeklage nach § 580 Nr. 7 Buchst. b ZPO bezieht sich auf Urkunden, die schon zur Zeit des Vorprozesses vorhanden waren, aber seinerzeit ohne Verschulden nicht vorgelegt werden konnten.

  2. Zu den Voraussetzungen für die Bestellung eines Notanwalts gemäß § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 78b ZPO.

Gründe

1 Dem Antragsteller kann für den beabsichtigten Antrag auf Wiederaufnahme des mit Urteil vom 25. Mai 2011 rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens BVerwG 9 A 15.10 weder ein Notanwalt beigeordnet (a) noch Prozesskostenhilfe bewilligt werden (b).

2 a) Gemäß § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 78b ZPO ist einem Beteiligten auf seinen Antrag hin ein Rechtsanwalt beizuordnen, wenn er für ein Verfahren mit Vertretungszwang einen zu seiner Vertretung bereiten Rechtsanwalt nicht findet und die Rechtsverfolgung nicht mutwillig oder aussichtslos erscheint. Daran fehlt es hier.

3 Unabhängig davon, ob der Antragsteller von sich aus die ihm zumutbaren Anstrengungen zur Beauftragung eines Rechtsanwalts unternommen hat, erscheint die beabsichtigte Rechtsverfolgung schon aus formellen Gründen aussichtslos. Gemäß § 153 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 586 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 ZPO ist die Klage auf Wiederaufnahme des Verfahrens innerhalb eines Monats ab dem Tag zu erheben, an dem der Beteiligte von dem Anfechtungsgrund Kenntnis erhalten hat. Diese Frist war bereits bei Eingang des vom Antragsteller selbst verfassten Schriftsatzes vom 4. Februar 2016 abgelaufen, denn nach seinen eigenen Angaben waren die von ihm erwähnten neuen Beweismittel schon am 9. November 2015 anlässlich einer durch das Landgericht Magdeburg gewährten Akteneinsicht zutage getreten. Demgegenüber kann sich der Antragsteller nicht auf die Dreimonatsfrist des § 51 Abs. 3 VwVfG berufen. Denn abgesehen davon, dass diese Frist nicht für die Wiederaufnahmeklage gegen ein rechtskräftiges Urteil, sondern vielmehr für einen Antrag an die zuständige Behörde auf Wiederaufgreifen eines bestandskräftig abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens gilt, findet § 51 VwVfG auf Planfeststellungsbeschlüsse keine Anwendung (§ 72 Abs. 1 VwVfG). Eine Wiedereinsetzung (§ 60 Abs. 1 VwGO) in die versäumte Klagefrist kommt ersichtlich nicht in Betracht. Zwar kann der Umstand, dass über einen rechtzeitig gestellten Antrag auf Prozesskostenhilfe bzw. auf Beiordnung eines Notanwalts erst nach Fristablauf entschieden wird, ein unverschuldetes Hindernis für die fristgerechte Klageerhebung darstellen. Der Antragsteller hat die betreffenden Anträge aber erst mit Schriftsatz vom 15. August 2016, mithin nach Ablauf der Klagefrist, gestellt.

4 Unbeschadet dessen wäre die beabsichtigte Wiederaufnahmeklage mittlerweile unstatthaft, weil von dem Tag der Rechtskraft des Urteils an bereits mehr als fünf Jahre verstrichen sind (§ 153 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 586 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Da das angegriffene Urteil des Senats mit seiner Verkündung am 25. Mai 2011 rechtskräftig geworden ist, wäre auch diese Ausschlussfrist beim Eingang der von einem Rechtsanwalt noch zu fertigenden Klageschrift abgelaufen.

5 Unabhängig davon ist schließlich auch kein Wiederaufnahmegrund ersichtlich. Von den in § 153 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 580 ZPO genannten Gründen kommt hier allenfalls in Betracht, dass die Partei "eine andere Urkunde auffindet oder zu benutzen in den Stand gesetzt wird, die eine ihr günstigere Entscheidung herbeigeführt haben würde" (§ 580 Nr. 7 Buchst. b ZPO). Die Wiederaufnahmeklage nach dieser Norm bezieht sich allerdings nur auf solche Urkunden, die schon zur Zeit des Vorprozesses vorhanden waren, aber seinerzeit von dem Beteiligten ohne Verschulden nicht vorgelegt werden konnten (Guckelberger, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 153 Rn. 71 f. m.w.N.). Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor. Denn der Antragsteller bezieht sich auf ein erst nachträglich erstelltes Verkehrswertgutachten. Hiervon abgesehen kommt einem Sachverständigengutachten nicht der Beweiswert einer Urkunde i.S.d. § 580 Nr. 7 Buchst. b ZPO zu (Guckelberger, a.a.O. Rn. 73 m.w.N.). Soweit der Antragsteller begehrt, die Planfeststellungsakten erneut vom Antragsgegner anzufordern, um bestimmte Einzelheiten bezüglich des dem Sachverständigen M. seinerzeit erteilten Gutachtenauftrages in Erfahrung zu bringen, hätte er sich über den Inhalt der seinerzeit im Vorprozess beigezogenen Akten schon damals kundig machen können und müssen.

6 b) Ebenso wenig kann dem Antragsteller Prozesskostenhilfe bewilligt werden. Denn aus den vorgenannten Gründen bietet die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg (§ 166 Abs. 1 Satz 1 VwGO i.V.m. § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Mots-clés

legal aidappointed counselreopening actiontime limitexclusion periodnew evidencedocumentary evidence

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a legal aid lawyer should be appointed for the intended reopening action.

Solution extraite

No. The intended action was already futile because the filing deadline had expired and no reopening ground was shown.

Motifs extraits

Under § 173 sentence 1 VwGO in conjunction with § 78b ZPO, appointment requires a willing counsel and a non-frivolous, non-hopeless case. The reopening claim was time-barred and substantively unsupported.

Question juridique clé

Whether legal aid should be granted for the intended reopening action.

Solution extraite

No. The intended legal pursuit offered no sufficient prospect of success.

Motifs extraits

For the same reasons that barred appointment of a legal aid lawyer, the reopening action lacked sufficient chances of success under § 114 ZPO.

Question juridique clé

Whether the planned reopening action was timely and admissible.

Solution extraite

It was not. The one-month filing period had expired, and in any event the five-year exclusion period had also run.

Motifs extraits

The applicant learned of the new evidence on 2015-11-09, but only sought assistance on 2016-08-15. The alternative VwVfG period did not apply.

Question juridique clé

Whether a reopening ground under § 580 Nr. 7 Buchst. b ZPO existed.

Solution extraite

No. The relied-upon material was a later-created appraisal, not an already existing document that could not previously be produced without fault.

Motifs extraits

Only pre-existing documents qualify under § 580 Nr. 7 lit. b ZPO; a later expert report is not such a document and has no documentary evidentiary value in that sense.

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