Advance contribution for development costs; no development unit

BVerwG 9 C 4/15Bverwg / Division 912 mai 2016Dismissed

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Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court dismissed the plaintiff's revision against the judgment upholding an advance payment for development contributions. It held that the prerequisites of § 133(3) sentence 1 BauGB were satisfied because completion of the development facilities was expected within four years at the relevant time. The appellate court was wrong to treat the roads as a development unit under § 130(2) sentence 3 BauGB, but the judgment was nevertheless correct in result because the municipality had submitted an alternative calculation for E.-Straße that supported a higher advance payment. Costs of the revision were imposed on the plaintiff.

Regeste Omnilex

§ 133 Abs. 3 Satz 1 BauGB; § 130 Abs. 2 Satz 3 BauGB; § 144 Abs. 4 VwGO; Vorausleistung auf den Erschließungsbeitrag; Entwicklungseinheit und Begründung des Revisionsurteils. Die Vorausleistung setzt voraus, dass die endgültige Herstellung der Erschließungsanlage nach dem maßgeblichen Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens innerhalb von vier Jahren zu erwarten ist. Die Annahme einer Erschließungseinheit ist nur bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen zulässig; eine bloße Angleichung der Beitragssätze oder identische Ausstattung genügt nicht. Beruht das Berufungsurteil zwar auf unzutreffender Begründung, erweist es sich aber im Ergebnis als richtig, bleibt es nach § 144 Abs. 4 VwGO bestehen. Maßgeblich ist insoweit, ob die alternative, tragfähige Berechnung eine höhere oder jedenfalls ausreichende Vorausleistung trägt.

Texte intégral

BVerwG — 9 C 4/15, Urteil

Entscheidungsdatum: 2016-05-12

Aktenzeichen: 9 C 4/15

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:120516U9C4.15.0

Dokumenttyp: Urteil

Vorinstanz: vorgehend Sächsisches Oberverwaltungsgericht, 16. Dezember 2014, Az: 5 A 628/13, Urteilvorgehend VG Leipzig, 22. Februar 2011, Az: 6 K 1084/10, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Tatbestand

1 Die Beteiligten streiten um Vorausleistungen auf einen Erschließungsbeitrag.

2 Die Klägerin ist Eigentümerin von Grundstücken in einem Gebiet, das in einem von der Bahnlinie L.-T., der Bundesstraße ... und der Verbindungsstraße S.-P. gebildeten Dreieck liegt. Ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1992 setzt dort im Wesentlichen Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen fest. Im Jahr 2004 wurde die östliche, an die Verbindungsstraße angrenzende Teilfläche durch einen vorzeitigen Bebauungsplan der Beklagten überplant, der dort auch Industriegebietsflächen ausweist und bei der Darstellung der Verkehrsflächen dem Bebauungsplan von 1992 folgt. Das Teilgebiet wird von fünf Straßen durchzogen. Die E.-Straße und die weiter südlich parallel geführte V.-Straße münden ostwärts in die erwähnte Verbindungsstraße ein. Zwischen der E.-Straße und der V.-Straße verlaufen rechtwinklig die P.-Straße, die zugleich die westliche Grenze des vorzeitigen Bebauungsplans bildet, und östlich davon die M.-Straße; beide werden untereinander durch die G.-Straße verbunden.

3 Durch Beschluss des Gemeinderats vom 14. Dezember 2006 bestimmte die Beklagte für die genannten Verkehrsanlagen in einem Bereich, der mit dem Gebiet des Bebauungsplans von 2004 im Wesentlichen übereinstimmt, ein gemeinsames Abrechnungsgebiet. Mit Bescheid vom 30. November 2006 zog die Beklagte die Klägerin für das Flurstück .../..., das an die E.-Straße angrenzt, zu Vorausleistungen auf den Erschließungsbeitrag in Höhe von 17 359,06 € heran. Die Vorauszahlung wurde im Widerspruchsbescheid vom 13. Februar 2008 auf 70 % des angeforderten Betrages, mithin auf 12 151,34 €, vermindert.

4 Das Verwaltungsgericht hat der Klage im noch anhängigen Umfang stattgegeben, weil die Voraussetzungen für eine Erschließungseinheit nicht vorlägen. Nach Zulassung der Berufung durch das Oberverwaltungsgericht hat die Beklagte eine Alternativberechnung erstellt, die sich auf die Einzelanlage "E.-Straße, 1. Abschnitt" bezieht. Unter Berücksichtigung weiterer, bisher nicht geltend gemachter Kosten ergebe sich für die E.-Straße ein Beitragssatz von 5,61 €/m² und für das betroffene Grundstück ein Beitrag von voraussichtlich 22 038,89 €, was eine Vorauszahlung von 15 427,22 € rechtfertige.

5 Das Oberverwaltungsgericht hat der Berufung der Beklagten stattgegeben und die Klage im noch anhängigen Umfang abgewiesen. Zur Begründung hat es ausgeführt, die Beklagte habe die Straßen des Gebietes im Hinblick auf ihre identische Ausstattung zur gemeinsamen Abrechnung zusammenfassen dürfen. Dies vermeide eine erhebliche Spreizung der Beitragssätze, die ihren Grund bei gleicher Vorteilslage allein in der unterschiedlichen Größe der anliegenden Nutzungsflächen habe.

6 Die Klägerin macht zur Begründung ihrer Revision geltend, das Berufungsurteil habe den Begriff der Erschließungseinheit überdehnt. Zudem lägen die Voraussetzungen für die Erhebung der Vorausleistung nicht vor, denn die Beklagte habe die Absicht aufgegeben, die Erschließungsanlagen innerhalb von vier Jahren herzustellen.

7 Die Klägerin beantragt,

das Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 16. Dezember 2014 zu ändern und die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig vom 22. Februar 2011 zurückzuweisen.

8 Die Beklagte beantragt,

die Revision der Klägerin zurückzuweisen.

9 Sie verteidigt das angegriffene Berufungsurteil.

Entscheidungsgründe

10 Die Revision der Klägerin ist zulässig, aber nicht begründet.

11 Die in § 133 Abs. 3 Satz 1 BauGB genannten Voraussetzungen, unter denen eine Vorausleistung auf den Erschließungsbeitrag verlangt werden kann, sind erfüllt. Insbesondere war die endgültige Herstellung der Erschließungsanlagen, bezogen auf den maßgeblichen Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens, innerhalb von vier Jahren zu erwarten. Hinsichtlich der Höhe der geschuldeten Vorausleistung ist das Berufungsurteil zwar nicht fehlerfrei. Denn es nimmt zu Unrecht an, die innerhalb des Abrechnungsgebietes gelegenen Verkehrsflächen bildeten eine Erschließungseinheit im Sinne des § 130 Abs. 2 Satz 3 BauGB. Das Berufungsurteil erweist sich aber im Ergebnis als zutreffend (§ 144 Abs. 4 VwGO). Die Beklagte hat im Berufungsverfahren eine Alternativberechnung vorgelegt, in der sie die Kosten der fünf Verkehrsanlagen, die innerhalb des von der Beklagten gebildeten Abrechnungsgebietes gelegen sind, einzeln ermittelt hat. Auf der Grundlage des voraussichtlichen Beitragssatzes von 5,61 €/m² für die E.-Straße, an die das Grundstück der Klägerin angrenzt, ergibt sich danach eine höhere Vorausleistung als diejenige, die nach dem einheitlichen Beitragssatz errechnet und zwischen den Beteiligten noch umstritten ist. Soweit die Klägerin im Berufungsverfahren tatsächliche Einwände gegen die Alternativberechnung erhoben hatte, hat sie daran in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat ausdrücklich nicht festgehalten. Wegen der weiteren Einzelheiten verweist der Senat zur Vermeidung von Wiederholungen auf sein heutiges Urteil gleichen Rubrums im Verfahren BVerwG 9 C 11.15.

12 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO.

Mots-clés

development contributionadvance paymentdevelopment unitroad networkcontribution assessmentmunicipal law

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the statutory requirements for demanding an advance payment on a development contribution were met, especially the expected completion within four years under § 133(3) BauGB.

Solution extraite

Yes. On the relevant date, completion of the development facilities within four years was to be expected.

Motifs extraits

The court found the temporal prerequisite satisfied when assessed at the end of the administrative proceedings.

Question juridique clé

Whether the roads within the billing area formed a development unit within the meaning of § 130(2) sentence 3 BauGB.

Solution extraite

No. The appellate judgment was incorrect on this point.

Motifs extraits

The court held that the municipality had wrongly assumed a development unit; the streets did not qualify as such merely because of comparable equipment and to avoid differing contribution rates.

Question juridique clé

Whether the appeal judgment had to be overturned because of the error on the development-unit question.

Solution extraite

No. The judgment was correct in result despite the flawed reasoning.

Motifs extraits

The municipality filed an alternative calculation for the single street E.-Straße; based on that calculation, the advance payment owed was higher than the disputed amount, so the result remained correct under § 144(4) VwGO.

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