Gegenvorstellung against refusal of leave to appeal is inadmissible

BVerwG 3 B 25/16, 3 B 25/16 (3 B 39/15)Bverwg / 3e division27 mai 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court held that a motion labelled as a gegenvorstellung against its earlier order refusing leave to appeal was inadmissible. Once the complaint against denial of leave to appeal had been rejected, the decision was final, and an unwritten extraordinary remedy could not be used alongside the statutory hearing complaint under § 152a VwGO. The court also stated that the applicant's submissions did not justify changing settled case law on rehabilitation under the VwRehaG. Costs were imposed on the applicant under § 154(2) VwGO.

Regeste Omnilex

§ 152a VwGO; § 133 Abs. 5 Satz 3 VwGO; ungeschriebene außerordentliche Rechtsbehelfe gegen rechtskräftige Entscheidungen: Eine Gegenvorstellung ist unstatthaft, wenn das Gericht zur Abänderung der angegriffenen Entscheidung gesetzlich nicht mehr befugt ist. Nach rechtskräftigem Abschluss des Verfahrens ist neben der ausdrücklich geregelten Anhörungsrüge kein ungeschriebener außerordentlicher Rechtsbehelf eröffnet; dies gilt insbesondere nach Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde. § 1 Abs. 1 Satz 1 VwRehaG verlangt für die Rehabilitierungsfähigkeit rechtsstaatswidriger DDR-Verwaltungsentscheidungen fortwirkende, noch unmittelbar schwere und unzumutbare Folgen für die dort genannten Rechtsgüter; eine Ausdehnung auf sämtliches Verwaltungsunrecht scheidet aus. Kostentragung nach § 154 Abs. 2 VwGO.

Texte intégral

BVerwG — 3 B 25/16, 3 B 25/16 (3 B 39/15), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-05-27

Aktenzeichen: 3 B 25/16, 3 B 25/16 (3 B 39/15)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:270516B3B25.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133 Abs 5 S 3 VwGO, § 152a VwGO, § 1 VwRehaG

Vorinstanz: vorgehend VG Meiningen, 15. April 2015, Az: 8 K 60/13 Me

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Gegenvorstellung; Unstatthaftigkeit; ungeschriebener außerordentlicher Rechtsbehelf; Unzulässigkeit; Nichtzulassungsbeschwerde; Zurückweisung; Rechtskraft; Verfahrensmängel; Anhörungsrüge

Leitsatz

Eine Gegenvorstellung gegen den Beschluss, mit dem die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen wird, ist unstatthaft.

Gründe

1 Der ausdrücklich als Gegenvorstellung bezeichnete Antrag mit dem sinngemäßen Inhalt,

den Beschluss des Senats vom 18. April 2016 (BVerwG 3 B 39.15) abzuändern und die Revision zuzulassen,

ist unstatthaft.

2 Die Zulässigkeit einer Gegenvorstellung erfordert jedenfalls, dass das Gericht nach einer gesetzlichen Regelung zur Abänderung seiner angegriffenen Entscheidung befugt ist (BVerfG, Beschluss vom 25. November 2008 - 1 BvR 848/07 [ECLI:DE:BVerfG:2008:rs20081125.1bvr084807] - BVerfGE 122, 190 <203>; BVerwG, Beschluss vom 24. Juli 2014 - 4 B 19.14 - m.w.N.). Das ist hier nicht der Fall. Mit der Zurückweisung der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem angegriffenen Beschluss vom 18. April 2016 ist die verwaltungsgerichtliche Entscheidung rechtskräftig geworden (§ 135 i.V.m. § 133 Abs. 5 Satz 3 VwGO). Gegen rechtskräftige Entscheidungen der Gerichte sind außerordentliche Rechtsbehelfe nur dann zulässig, wenn sie in der geschriebenen Rechtsordnung geregelt sind (BVerfG, Beschluss vom 30. April 2003 - 1 PBvU 1/02 [ECLI:DE:BVerfG:2003:up20030430.1pbvu000102] - BVerfGE 107, 395 <416>). Es widerspräche der Rechtssicherheit und der Rechtsklarheit, gegen rechtskräftige Entscheidungen neben der ausdrücklich geregelten Anhörungsrüge (§ 152a VwGO), die der Kläger nicht erhoben hat und fristgemäß nicht mehr erheben könnte, eine Gegenvorstellung als ungeschriebenen außerordentlichen Rechtsbehelf zuzulassen (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 8. Februar 2006 - 2 BvR 575/05 [ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060208.2bvr057505] - NJW 2006, 2907; BVerwG, Beschlüsse vom 28. März 2008 - 8 B 20.08 - juris und vom 25. Juni 2012 - 8 B 49.12 - juris Rn. 4; dazu BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 12. Februar 2015 - 1 BvR 1948/12 -).

3 Abgesehen davon hätte die Gegenvorstellung auch deshalb keinen Erfolg, weil die Ausführungen des Klägers keine Veranlassung geben, die bisherige gefestigte Rechtsprechung zu § 1 des Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes zu ändern und rechtsstaatswidrige Verwaltungsentscheidungen der DDR-Behörden ohne Rücksicht auf das Gewicht der durch sie ausgelösten Folgen für den Betroffenen für rehabilitierungsfähig zu erachten. Der Gesetzgeber wollte ausschließen, sämtliches Verwaltungsunrecht der DDR rehabilitieren zu müssen (vgl. die Begründung des 2. SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes BT-Drs. 12/4994 S. 16 ff.). Deshalb hat er das Erfordernis, dass die rechtsstaatswidrige Verwaltungsentscheidung Folgen für eines der genannten Rechtsgüter (Leib oder Leben, Vermögen, Beruf) hatte, die "noch unmittelbar schwer und unzumutbar fortwirken", in § 1 Abs. 1 Satz 1 VwRehaG ausdrücklich vorgesehen.

4 Soweit der Kläger meint, das Bundesverwaltungsgericht habe sich mit seinem Vortrag zu Verfahrensmängeln nicht hinreichend befasst, rügt er eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör. Diese Rüge hätte er nur mit einer Anhörungsrüge nach § 152a VwGO erheben können.

5 Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO.

Mots-clés

inadmissibilityextraordinary remedyfinalityhearing complaintrehabilitationadministrative lawcosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a gegenvorstellung against an order rejecting a complaint against denial of leave to appeal is admissible

Solution extraite

It is inadmissible because the court has no statutory power to alter the final decision, and only a codified extraordinary remedy may be used against a final judgment.

Motifs extraits

After rejection of the complaint against denial of leave to appeal, the decision became final under the VwGO. A gegenvorstellung as an unwritten extraordinary remedy would conflict with legal certainty and clarity, especially because the statutory hearing complaint was not used and was time-barred.

Question juridique clé

Whether the applicant's arguments required revisiting the settled case law on rehabilitation under the VwRehaG

Solution extraite

No. The submissions gave no reason to depart from established case law requiring that unlawful GDR administrative acts have continuing severe and unreasonable effects on the protected legal interests named in the statute.

Motifs extraits

The legislature deliberately did not intend to rehabilitate all administrative injustice of the GDR; § 1(1) sentence 1 VwRehaG expressly requires continuing consequences for life, liberty, property, or profession.

Question juridique clé

Costs of the proceedings

Solution extraite

The applicant bears the costs.

Motifs extraits

Costs follow the statutory rule for unsuccessful proceedings.

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