Straßenausbaubeitragsbescheid has no binding effect on land-use classification

BVerwG 4 B 1/16Bverwg / 4e division11 févr. 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court rejected the complaint against the Bavarian Administrative Court of Appeal's judgment. It held that the asserted questions lacked the requisite level of concreteness for a case of fundamental importance and that a street-improvement contribution notice does not bind the building-permit authority on the question whether the property is building land. The binding effect of such a notice extends only to the contribution debtor, the contribution type and amount, and the payment obligation. The court also noted that an earlier review note by the Kreisbaumeister did not create a binding assurance. The complainant was ordered to bear the costs.

Regeste Omnilex

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO; Bindungswirkung eines Beitragsbescheids gegenüber anderen Behörden; ein Straßenausbaubeitragsbescheid entfaltet Tatbestandswirkung nur hinsichtlich des festgesetzten Beitrags, des Beitragsschuldners und des Leistungsgebots, nicht aber hinsichtlich vorgreiflicher tatsächlicher oder rechtlicher Vorfragen, die für die Entstehung der Beitragspflicht maßgeblich sind. Die Frage der Baulandeigenschaft des Grundstücks gehört nicht zum Regelungsinhalt des Beitragsbescheids. Unzulässig sind auf Grundsatzfragen gerichtete Beschwerden, wenn die aufgeworfenen Fragen nur in einer Vielzahl möglicher Fallgestaltungen beantwortet werden könnten und damit keine revisionsgerichtliche Klärung im konkreten Fall erfordern (vgl. consid. 2–4).

Texte intégral

BVerwG — 4 B 1/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-11

Aktenzeichen: 4 B 1/16

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:110216B4B1.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 13 KAG BY 1993, § 155 AO 1977, § 43 VwVfG

Vorinstanz: vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 20. Oktober 2015, Az: 1 B 15.1675, Urteilvorgehend VG München, 8. Januar 2015, Az: M 1 K 14.4457, Urteil

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Umfang der Bindungswirkung eines Straßenausbaubeitragsbescheids gegenüber der Baugenehmigungsbehörde

Leitsatz

Ein Straßenausbaubeitragsbescheid bindet die Baugenehmigungsbehörde nicht bei der Beurteilung, ob es sich bei dem Baugrundstück um Bauland handelt.

Gründe

1 Die auf § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO gestützte Beschwerde hat keinen Erfolg. Die Rechtssache hat nicht die grundsätzliche Bedeutung, die ihr der Kläger beimisst.

2 Die Fragen, ob eine nach Bundesrecht zu beurteilende Rechtsfrage bzw. Tatbestandsvoraussetzung gleichwohl landesrechtlich unterschiedlich bewertet werden kann, insbesondere ob dieser nach Bundesrecht zu beurteilenden Tatbestandsvoraussetzung im Rahmen eines bestandskräftigen Bescheids Bindungswirkung auch für andere Behörden zukommt, sind in ihrer Formulierung zu unbestimmt, weil sie für eine Vielzahl gedachter Fallgestaltungen (vgl. dazu Seibert, Die Bindungswirkung von Verwaltungsakten, 1989) einer Antwort zugänglich sind. Der Senat könnte sie deshalb nur im Stil eines Lehrbuchs beantworten. Das ist nicht Aufgabe eines Revisionsverfahrens.

3 Die Fragen sind fallbezogen auf die Fragestellung zu reduzieren, ob ein Straßenausbaubeitragsbescheid die Bebaubarkeit des veranlagten Grundstücks mit bindender Wirkung für die Baugenehmigungsbehörde feststellt. Hierauf lässt sich antworten, ohne dass es der Durchführung eines Revisionsverfahrens bedarf.

4 Ein Verwaltungsakt entfaltet, solange er nicht aufgehoben ist, mit der in ihm verbindlich mit Wirkung nach außen getroffenen Regelung Bindungswirkung auch gegenüber anderen Behörden (BVerwG, Urteil vom 4. Juli 1986 - 4 C 31.84 - BVerwGE 74, 315 <320>). Diese sog. Tatbestandswirkung folgt aus Art. 20 Abs. 3 GG und § 43 VwVfG (BVerwG, Urteil vom 30. Januar 2003 - 4 CN 14.01 - BVerwGE 117, 351 <355>, Beschluss vom 25. Juni 2007 - 4 BN 17.07 - BauR 2007, 1712). Ein Straßenausbaubeitragsbescheid setzt sich nach der von Art. 13 BayKAG in Bezug genommenen Abgabenordnung aus den jeweils selbständigen Regelungen der Beitragsfestsetzung und der Zahlungsaufforderung (des Leistungsgebots) zusammen (vgl. Driehaus, Erschließungs- und Ausbaubeiträge, 9. Aufl. 2012, § 10 Rn. 24 und § 24 Rn. 22). Mit der Beitragsfestsetzung wird eine verbindliche Entscheidung über den Beitragsanspruch und den Beitragsschuldner getroffen (vgl. Cöster, in: Pahlke/Koenig, Abgabenordnung, 2. Aufl. 2009, § 155 Rn. 13) und mit dem Leistungsgebot eine Zahlungspflicht angeordnet. Dementsprechend erstreckt sich die Bindungswirkung der Beitragsfestsetzung auf den im Beitragsbescheid bezeichneten Beitragsschuldner sowie auf den angegebenen Beitrag nach Art und Höhe (vgl. Cöster, in: Pahlke/Koenig, Abgabenordnung, 2. Aufl. 2009, § 155 Rn. 18) und diejenige des Leistungsgebots auf die Pflicht zur Beitragszahlung. Zum Regelungsinhalt des Beitragsbescheids gehört nicht die für die Entstehung der Beitragspflicht zu treffende Feststellung, dass es sich bei dem veranlagten Grundstück um Bauland handelt. Die Feststellung bezieht sich auf eine Vorfrage, die nicht an der Bindungswirkung des Beitragsbescheids teilnimmt.

5 Nur ergänzend weist der Senat darauf hin, dass der Prüfvermerk des Kreisbaumeisters vom 10. September 1980 auf dem mit der Beschwerde vorgelegten Lageplan keine Bindungswirkung erzeugt. Nach dem Verständnis des Verwaltungsgerichtshofs handelt es sich bei dem Prüfvermerk nicht um eine rechtliche verbindliche Zusicherung im Sinne des Art. 38 BayVwVfG, sondern um eine unverbindliche Auskunft. Hieran ist der Senat nach § 137 Abs. 2 VwGO gebunden (vgl. BVerwG, Urteil vom 20. Juli 1990 - 4 C 30.87 - BVerwGE 85, 251 <255>).

6 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2, § 162 Abs. 3 VwGO und die Streitwertfestsetzung auf § 47 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3, § 52 Abs. 1 GKG.

Mots-clés

binding effectbuilding permitstreet-improvement contributionbuilding landpreliminary questionfundamental importanceadministrative actcosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint established a matter of fundamental importance under Section 132(2) No. 1 VwGO.

Solution extraite

No. The formulated questions were too abstract and unbounded, and the case did not require a revision hearing to answer them.

Motifs extraits

The court held that the questions were phrased in a way that could apply to many hypothetical constellations and would only permit a textbook-style answer.

Question juridique clé

Whether a street-improvement contribution notice binds the building-permit authority on whether the assessed parcel is building land.

Solution extraite

No. The notice's binding effect extends only to the assessed debtor, the type and amount of the contribution, and the duty to pay; the building-land determination is merely a preliminary question.

Motifs extraits

The contribution notice contains separate regulatory elements for the assessment and the payment order. The assessment decision is binding only as to the contribution claim and debtor, not as to an unexpressed preliminary finding about developability.

Question juridique clé

Whether the Kreisbaumeister's review note of 10 September 1980 created a legally binding assurance.

Solution extraite

It did not. The note was treated as a non-binding piece of information, not as a legally binding assurance.

Motifs extraits

The court was bound by the appellate court's characterization of the note as an informal and non-binding statement.

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