Parties in modification proceedings under Section 80(7) VwGO

BVerwG 4 VR 3/15, 4 VR 3/15 (4 B 49/15)Bverwg / 4e division7 janv. 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court dealt with a modification request under Section 80(7) sentence 2 VwGO concerning the suspensive effect of a third party's challenge to a building permit. It held that the correct party alignment in such proceedings depends on the interests in the modification procedure itself, not on the party positions in the earlier suspension proceedings under Section 80(5) VwGO. After the parties declared the matter settled, the Court discontinued the proceedings and, on equitable grounds, imposed costs on the respondent while refusing reimbursement of the intervener's out-of-court costs.

Regeste Omnilex

§ 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO; Parteistellung im Änderungsverfahren richtet sich nach der Interessenlage des anhängigen Verfahrens und nicht nach derjenigen des vorausgegangenen Verfahrens nach § 80 Abs. 5 VwGO. Das Änderungsverfahren ist kein Rechtsmittel gegen den früheren Aussetzungsbeschluss, sondern dient der Anpassung an nachträgliche Änderungen der Sach- oder Rechtslage (consid. 4). Wird der Rechtsstreit übereinstimmend für erledigt erklärt, ist er entsprechend § 92 Abs. 3 Satz 1 VwGO einzustellen; die Kosten sind nach § 161 Abs. 2 VwGO unter Billigkeitsgesichtspunkten nach dem mutmaßlichen Ausgang der Sache zu verteilen. Bei Drittanfechtung einer Baugenehmigung ist § 212a Abs. 1 BauGB für die Beurteilung der aufschiebenden Wirkung maßgeblich.

Texte intégral

BVerwG — 4 VR 3/15, 4 VR 3/15 (4 B 49/15), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-07

Aktenzeichen: 4 VR 3/15, 4 VR 3/15 (4 B 49/15)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:070116B4VR3.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 80 Abs 7 S 2 VwGO, § 212a Abs 1 BauGB

Vorinstanz: vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 22. Januar 2015, Az: 1 AS 14.2540, Beschluss

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Verfahrensbeteiligte im Abänderungsverfahren nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO

Leitsatz

Maßgeblich für die Stellung der Beteiligten in einem Änderungsverfahren nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO ist die Interessenlage in diesem Verfahren, nicht die Beteiligtenstellung im vorausgegangenen Aussetzungsverfahren nach § 80 Abs. 5 VwGO.

Gründe

I

1 Der Antragsgegner wandte sich als Nachbar gegen eine dem Antragsteller von dem Beigeladenen erteilte Baugenehmigung. Auf Antrag des Antragsgegners ordnete der Verwaltungsgerichtshof München mit Beschluss vom 10. April 2014 - 1 CS 14.397 - die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Baugenehmigung an, mit weiterem Beschluss vom 22. Januar 2015 - 1 AS 14.2540 - über den 17. Februar 2015 hinaus. Die Klage in der Hauptsache blieb in den Vorinstanzen erfolglos (VG München, Urteil vom 23. Juli 2014 - M 9 K 13.5392 -; VGH München, Urteil vom 16. Juli 2015 - 1 B 15.194 -). Einer Beschwerde des Antragsgegners gegen die Nichtzulassung der Revision half der Verwaltungsgerichtshof nicht ab (Beschluss vom 21. Oktober 2015 - 1 B 15.194 -).

2 Am 3. November 2015 hat der Antragsteller beim Verwaltungsgerichtshof beantragt, die Beschlüsse des Verwaltungsgerichtshofs über die Anordnung der aufschiebenden Wirkung und deren Fortdauer zu ändern und den Antrag auf aufschiebende Wirkung der Klage abzulehnen. Mit Beschluss vom 16. November 2015 hat der Verwaltungsgerichtshof sich für diesen Antrag für sachlich unzuständig erklärt und den Rechtsstreit an das Bundesverwaltungsgericht verwiesen. Nach Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde im Hauptsacheverfahren durch den Senatsbeschluss vom 4. November 2015 - 4 B 49.15 - haben alle Beteiligten Erledigungserklärungen abgegeben.

II

3 Nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs vom 16. November 2015 ist für das Verfahren das Bundesverwaltungsgericht nach § 83 Satz 1 VwGO, § 17a Abs. 2 Satz 1 und 3 GVG zuständig (vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 7. September 2005 - 4 B 49.05 - BVerwGE 124, 201 <203>).

4 Der Senat hält es nach Anhörung der Beteiligten für sachgerecht, das Rubrum des Verfahrens wie geschehen zu berichtigen. Maßgeblich ist die Interessenlage in dem hier anhängigen Änderungsverfahren nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO und nicht die Beteiligtenstellung im vorausgegangenen Aussetzungsverfahren (VGH Mannheim, Beschluss vom 6. Februar 1997 - 8 S 29/97 - NVwZ-RR 1998, 611 <611 f.>; OVG Bautzen, Beschluss vom 28. Dezember 2009 - 1 B 400/09 - juris Rn. 5; OVG Bremen, Beschluss vom 24. Juli 2013 - 1 B 118/13 - juris Rn. 2; Schmidt, in: Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 80 Rn. 107; a.A. OVG Magdeburg, Beschluss vom 19. Oktober 1994 - 2 M 57/94 - juris Rn. 22; OVG Münster, Beschluss vom 16. Juni 2000 - 7 B 715/00 - juris Rn. 3; OVG Koblenz, Beschluss vom 23. September 2004 - 8 B 11561/04 - NVwZ-RR 2005, 748; VGH München, Beschluss vom 15. Oktober 2012 - 1 CS 12.2118 - juris Rn. 6; OVG Lüneburg, Beschluss vom 11. Juli 2014 - 1 ME 71/14 - BauR 2015, 478; Schoch, in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Losebl., Stand: März 2015, § 80 Rn. 548; W.-R. Schenke, in: Kopp/Schenke, VwGO, 21. Aufl. 2015, § 80 Rn. 200; Reimer, DÖV 2010, 688 <689>). Denn das Verfahren nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO dient nicht in der Art eines Rechtsmittelverfahrens der Überprüfung, ob ein vorangegangener Beschluss nach § 80 Abs. 5 VwGO formell und materiell richtig ist (BVerwG, Beschluss vom 4. Juli 1988 - 7 C 88.87 - BVerwGE 80, 16 <17 f.>), sondern eröffnet die Möglichkeit, einer nachträglichen Änderung der Sach- und Rechtslage Rechnung zu tragen (BVerwG, Beschluss vom 10. März 2011 - 8 VR 2.11 - juris Rn. 8). Den Antragsteller des vorangegangenen Verfahrens nach § 80 Abs. 5 VwGO als Antragsgegner dieses Verfahrens zu führen, trägt dem Umstand Rechnung, dass er und nicht der Rechtsträger der Baugenehmigungsbehörde Begünstigter der aufschiebenden Wirkung ist, die der Antragsteller dieses Verfahrens im Wege des Änderungsantrags bekämpft. Soweit sich aus dem Senatsbeschluss vom 27. Januar 1982 - 4 ER 401.81 - (BVerwGE 64, 347 <355>) etwas Abweichendes ergeben sollte, hält der Senat hieran nicht fest.

5 Das Verfahren ist in entsprechender Anwendung von § 92 Abs. 3 Satz 1 VwGO einzustellen, nachdem Antragsteller und Antragsgegner das Verfahren übereinstimmend für erledigt erklärt haben.

6 Gemäß § 161 Abs. 2 VwGO ist über die Kosten des Verfahrens nach billigem Ermessen unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstandes zu entscheiden. Danach erscheint es angemessen, dem Antragsgegner die Verfahrenskosten aufzuerlegen, weil der Antrag auf Änderung des Eilbeschlusses nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO voraussichtlich Erfolg gehabt hätte. Nach § 212a Abs. 1 BauGB haben Widerspruch und Anfechtungsklage eines Dritten gegen die bauaufsichtliche Zulassung eines Vorhabens keine aufschiebende Wirkung. Im Zeitpunkt des erledigenden Ereignisses, des Senatsbeschlusses vom 4. November 2015 - 4 B 49.15 -, bestand kein Anlass, hiervon abweichend weiterhin die aufschiebende Wirkung der Klage des Antragsgegners anzuordnen. Die Klage hatte keine Aussicht auf Erfolg, weil die mit Schriftsatz vom 15. Oktober 2015 begründete Nichtzulassungsbeschwerde aus den Gründen des genannten Beschlusses nicht zur Zulassung der Revision führen konnte. Die außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen nach § 162 Abs. 3 VwGO für erstattungsfähig zu erklären, entsprach nicht der Billigkeit.

Mots-clés

building permitsuspensive effectmodification proceedingsparty statussettlementcost allocationplanning law

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Who is the proper opposing party in proceedings for modification under Section 80(7) sentence 2 VwGO?

Solution extraite

The party alignment depends on the interests in the modification proceedings themselves, not on the alignment in the earlier suspension proceedings under Section 80(5) VwGO.

Motifs extraits

Section 80(7) VwGO is not a further review of the earlier interim order, but a vehicle to react to later changes in facts or law; the party benefiting from the continued suspensive effect is therefore the proper respondent.

Question juridique clé

How should the proceedings be disposed of after the parties declared the matter settled?

Solution extraite

The proceedings were to be discontinued by analogy to Section 92(3) sentence 1 VwGO.

Motifs extraits

After the mutual declarations of settlement, there was no need for a merits decision.

Question juridique clé

How are costs to be allocated after termination of the proceedings?

Solution extraite

Costs were imposed on the respondent, because the modification request would probably have succeeded; the intervenor's extrajudicial costs were not declared recoverable.

Motifs extraits

Under Section 161(2) VwGO the court decides according to equitable discretion and the likely outcome on the merits. Since Section 212a(1) BauGB would normally exclude suspensive effect for third-party challenges to building permits and no reason remained to continue the suspension, the applicant would likely have prevailed.

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