No retroactive effect of invoice correction on VAT debt

BFH V B 133/14Bfh / 5e division19 mai 2015Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH rejected the taxpayer's non-admission complaint against the FG Münster. It held that no ground for admission existed under either legal development or divergence. The complaint failed to identify a concrete abstract legal question, and the asserted retroactive effect of invoice corrections does not apply to the VAT debt under § 14c UStG. The court reaffirmed that such tax remains due until corrected, with effect only for the correction period. Alleged errors concerning limitation did not amount to a manifestly unlawful or arbitrary decision. The complainant was ordered to bear the costs.

Regeste Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO; § 14c UStG; invoice correction and VAT debt: a revision is not to be admitted for development of the law where the complaint fails to formulate a concrete abstract legal question requiring clarification. The VAT debt arising from an incorrect tax statement under § 14c UStG persists until the invoice amount is corrected; the correction has no retroactive effect on the tax period of the original invoice, but operates only for the correction period (consid. 5 f.). The CJEU case law on retrospective effect of invoice correction concerns the right to input VAT deduction and does not govern the supplier's liability under § 14c UStG (consid. 6). Divergence requires a decisive conflicting legal proposition of the lower court on the same legal issue and comparable facts; mere disagreement with the reasoning is insufficient (consid. 9 f.).

Texte intégral

BFH — V B 133/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-05-19

Aktenzeichen: V B 133/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 2 FGO, § 14c UStG, § 17 UStG, § 171 Abs 10 AO, § 14 Abs 2 UStG 1993, § 14 Abs 2 UStG 1999

Vorinstanz: vorgehend FG Münster, 25. September 2014, Az: 5 K 1766/14 U, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Aufgrund unrichtigen Steuerausweises entstandene Umsatzsteuer besteht bis zur Berichtigung des Steuerbetrags

Leitsatz

NV: Die Berichtigung von Rechnungen des Leistenden führt nicht dazu, dass eine nach § 14c UStG geschuldete Steuer rückwirkend auf den Zeitpunkt der Rechnungserteilung entfällt.

Tenor

Die Beschwerde des Klägers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Münster vom 25. September 2014 5 K 1766/14 U wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kläger zu tragen.

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet.

2 Die Revision ist weder zur Fortbildung des Rechts nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) noch zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung wegen Divergenz nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO zuzulassen.

3 1. Eine Zulassung der Revision wegen der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts verlangt substantiierte und konkrete Angaben dazu, weshalb eine Entscheidung des BFH zu einer bestimmten, abstrakt formulierten Rechtsfrage aus Gründen der Rechtsklarheit oder Rechtsfortbildung im allgemeinen Interesse liegt, weshalb die aufgeworfene Rechtsfrage klärungsbedürftig und im angestrebten Revisionsverfahren klärungsfähig ist (vgl. BFH-Beschluss vom 10. Juni 2011 IX B 13/11, BFH/NV 2011, 2074).

4 Diesen Anforderungen genügt die Beschwerdeschrift schon deshalb nicht, weil darin eine derartige abstrakte Rechtsfrage nicht formuliert ist. Soweit der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) sinngemäß die Frage nach den (rückwirkenden) Rechtsfolgen von Rechnungsberichtigungen für die Steuerschuld des Leistenden aufwirft und hierzu zahlreiche Entscheidungen des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) und des BFH anführt, scheitert die Zulassung der Revision sowohl an der Klärungsbedürftigkeit als auch an der Klärbarkeit (Entscheidungserheblichkeit) dieser Rechtsfrage.

5 a) Der Senat hat bereits mehrfach entschieden, dass die aufgrund unzutreffenden Steuerausweises in einer Rechnung nach § 14 Abs. 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) a.F. bzw. § 14c Abs. 2 UStG n.F. entstandene Umsatzsteuerschuld bis zu einer --ohne Rückwirkung eintretenden-- Berichtigung des Steuerbetrags besteht (BFH-Urteile vom 19. Mai 1993 V R 110/88, BFHE 172, 163, BStBl II 1993, 779, unter II.B.2.a; vom 1. Februar 2001 V R 23/00, BFHE 194, 493, BStBl II 2003, 673, Leitsatz 3, sowie vom 19. März 2009 V R 48/07, BFHE 225, 215, BStBl II 2010, 92; BFH-Beschluss vom 6. April 2005 V B 60/04, BFH/NV 2005, 1976, Leitsatz 2).

6 Entgegen der Ansicht des Klägers hat sich hieran durch das EuGH-Urteil Pannon Gép vom 15. Juli 2010 C-368/09 (EU:C:2010:441) nichts geändert. Denn dieses Urteil betrifft nur die Frage, ob eine Rechnungsberichtigung für Zwecke des Vorsteuerabzugs auf den Zeitpunkt der erstmaligen Rechnungserteilung zurückwirkt, ist demgegenüber aber für die sich aus § 14c UStG ergebende Steuerschuld ohne Bedeutung. Wie sich aus der ausdrücklichen Verweisung in § 14c UStG auf § 17 Abs. 1 UStG ergibt, wirkt die Rechnungsberichtigung erst für den Besteuerungszeitraum der Berichtigung ohne Rückwirkung auf den Besteuerungszeitraum der Rechnungserteilung. Jede andere Auslegung wäre mit dem Normzweck des § 14c UStG nicht zu vereinbaren (BFH-Urteil vom 26. Januar 2012 V R 18/08, BFHE 236, 250, Leitsatz 3 sowie unter Rz 33 f.).

7 b) Die in Rechtsprechung und Schrifttum umstrittene Frage nach der Rückwirkung von Rechnungsberichtigungen beim Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers stellt sich im Streitfall nicht. Der Kläger als Gesamtrechtsnachfolger einer Rechtsanwalts-GbR begehrt nicht den Vorsteuerabzug aus berichtigten Rechnungen, sondern aufgrund von eigenen Rechnungsberichtigungen aus den Jahren 2009 und 2010 eine Minderung der Umsatzsteuerfestsetzungen 1996 bis 2000 insoweit, als diese auf Rechnungen mit offenem Steuerausweis für nicht steuerbare Anwaltsleistungen beruhen.

8 2. Die Revision ist auch nicht zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung wegen Divergenz zuzulassen.

9 a) Eine Divergenz i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO ist anzunehmen, wenn das Finanzgericht (FG) mit einem das angegriffene Urteil tragenden und entscheidungserheblichen Rechtssatz von einem ebensolchen Rechtssatz einer anderen Gerichtsentscheidung abgewichen ist. Das angefochtene Urteil und die vorgebliche Divergenzentscheidung müssen dabei dieselbe Rechtsfrage betreffen und zu gleichen oder vergleichbaren Sachverhalten ergangen sein (BFH-Beschluss vom 2. Juni 2014 III B 153/13, BFH/NV 2014, 1377).

10 b) In der Beschwerdebegründung des Klägers wird weder ein Urteil, von dem die Vorinstanz abgewichen sein soll, noch der Rechtssatz, den sie falsch angewandt oder ausgelegt haben soll, bezeichnet. Damit scheitert die Zulassung der Revision bereits daran, dass der Kläger eine Divergenz nicht in einer den Anforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO entsprechenden Weise dargelegt hat.

11 3. Soweit der Kläger im Übrigen nach Art einer Revisionsbegründung geltend macht, die Ausführungen des FG zum Eintritt der Festsetzungsverjährung (Bl. 9 der Urteilsgründe) seien unzutreffend, rügt er einen materiell-rechtlichen Fehler des FG, der im Beschwerdeverfahren wegen Nichtzulassung der Revision grundsätzlich unbeachtlich ist.

12 Eine Ausnahme hiervon gilt nur dann, wenn es sich bei dem behaupteten Fehler um einen offensichtlichen Rechtsanwendungsfehler von erheblichem Gewicht im Sinne einer willkürlichen oder greifbar gesetzeswidrigen Entscheidung handelt, die geeignet wäre, das Vertrauen der Allgemeinheit in die Rechtsprechung zu beschädigen, wenn sie nicht von einem Rechtsmittelgericht korrigiert würde (vgl. z.B. BFH-Beschlüsse vom 25. März 2010 X B 176/08, BFH/NV 2010, 1455; vom 1. September 2008 IV B 4/08, BFH/NV 2009, 35).

13 Derartige Fehler des Urteils sind vom Kläger nicht dargelegt worden. Der bloße Hinweis auf Rechtsfehler des FG bei der Subsumtion unter § 171 Abs. 10 der Abgabenordnung reicht hingegen nicht aus, um eine greifbare Gesetzwidrigkeit oder gar eine Willkürlichkeit der angefochtenen Entscheidung darzulegen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 11. Februar 2004 VII B 224/03, BFH/NV 2004, 1060, unter II.3.).

14 4. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weiteren Begründung sieht der Senat gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO ab.

15 5. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 135 Abs. 2 FGO.

Mots-clés

VATinvoice correctionnon-admission complaintdivergencelimitation periodinput tax deductionassessment periodtax debtlegal clarificationcosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether revision should be admitted for development of the law under § 115(2) no. 2 FGO.

Solution extraite

No. The complaint did not formulate a concrete abstract legal question, and the asserted issue on retrospective effects of invoice correction was not in need of clarification for this dispute.

Motifs extraits

The BFH reiterated settled case law that VAT under § 14c UStG remains due until the invoice amount is corrected, without retroactive effect. The CJEU decision in Pannon Gép concerns only input VAT deduction and does not affect the supplier's tax debt.

Question juridique clé

Whether revision should be admitted to ensure uniform case law because of divergence.

Solution extraite

No. The complaint did not identify a divergent decision or a conflicting legal proposition of the FG.

Motifs extraits

A divergence requires a decisive legal rule from the FG that departs from another court's equally decisive rule on the same legal issue and comparable facts; this was not sufficiently substantiated.

Question juridique clé

Whether alleged errors concerning limitation and § 171(10) AO justify admission.

Solution extraite

No. Alleged substantive-law errors in the FG judgment are generally irrelevant in non-admission complaint proceedings unless they amount to obvious, arbitrary or manifestly unlawful error, which was not shown.

Motifs extraits

The court found no sufficiently grave and obvious legal error in the FG's reasoning on assessment limitation.

Question juridique clé

Who bears the costs of the non-admission complaint proceedings.

Solution extraite

The complainant bears the costs.

Motifs extraits

Costs follow from § 135(2) FGO.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.