Child benefit entitlement only in months with domestic income; rubric corrected

BFH XI R 29/13Bfh / Division 1129 janv. 2014Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH decided in written proceedings under § 126a FGO. It corrected the fiscal court’s rubric because the wrong family office had been named after an organizational change; the competent respondent remained Familienkasse X. The change of the family office did not affect the local jurisdiction of the seized fiscal court because the dispute still concerned the legality of the original administrative act and no amending decision had been issued. On the merits, the BFH upheld that child benefit under § 62(1)(2)(b) and § 1(3) EStG is available only for months in which domestic income under § 49 EStG was earned. Since the claimant had no domestic income in the months at issue, the revision was dismissed.

Regeste Omnilex

§ 107 Abs. 1 FGO; Rubrumberichtigung von Amtes wegen bei offenbarer Unrichtigkeit; Zuständigkeitswechsel der Familienkasse durch Organisationsakt; örtliche Zuständigkeit des angerufenen FG bleibt nach dem Grundsatz der perpetuatio fori unberührt, solange kein Änderungsbescheid ergeht und derselbe Verwaltungsakt Streitgegenstand bleibt (Art. 38 FGO, Art. 66, 70 Satz 1 FGO i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Satz 1 GVG). § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b i.V.m. § 1 Abs. 3 EStG 2002 begründet einen Kindergeldanspruch nur für die Kalendermonate, in denen inländische Einkünfte i.S. des § 49 EStG erzielt werden; fehlt es in einem Monat an solchen Einkünften, besteht insoweit kein Anspruch (vgl. consid. 9 f.).

Texte intégral

BFH — XI R 29/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-29

Aktenzeichen: XI R 29/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 38 FGO, § 66 FGO, § 70 S 1 FGO, § 17 Abs 1 S 1 GVG, § 1 Abs 3 EStG 2002, § 49 EStG 2002, § 62 Abs 1 Nr 2 Buchst b EStG 2002, EStG VZ 2007, § 107 Abs 1 FGO

Vorinstanz: vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 16. Mai 2013, Az: 10 K 233/10, Urteil

Spruchkörper: 11. Senat

Titelzeile

(Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 05.09.2013 XI R 26/12 - Örtliche Zuständigkeit des Finanzgerichts bei Beklagtenwechsel - Perpetuatio fori - Kindergeldberechtigung bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nach § 1 Abs. 3 EStG - Zuständigkeit für Urteilsberichtigung)

Leitsatz

  1. NV: Wird nach Erhebung einer Klage wegen Kindergeld durch Organisationsakt eine andere Familienkasse für die Bearbeitung des Kindergeldfalls zuständig, die ihren Sitz nicht im Gerichtsbezirk des angerufenen FG hat, lässt dies die örtliche Zuständigkeit des angerufenen FG unberührt, solange die neu zuständige Familienkasse keinen Änderungsbescheid erlässt .

  2. NV: Eine Kindergeldberechtigung nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b i.V.m. § 1 Abs. 3 EStG besteht nur in den Monaten des betreffenden Kalenderjahrs, in denen der Kindergeldberechtigte inländische Einkünfte i.S. des § 49 EStG erzielt hat .

Gründe

1 I. Das Rubrum des Urteils des Finanzgerichts (FG) ist nach § 107 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) von Amts wegen zu berichtigen. Beklagte war die Familienkasse X. Diese ist deshalb auch Revisionsbeklagte.

2 1. Das Rubrum des Urteils des FG vom 16. Mai 2013 ist offenbar unrichtig.

3 a) Das FG hat zwar zutreffend erkannt, dass zum 1. Mai 2013 ein gesetzlicher Beteiligtenwechsel stattgefunden hat (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 16. Mai 2013 III R 8/11, BFHE 241, 511, BStBl II 2013, 1040, m.w.N.).

4 b) Beklagter war allerdings seither die Familienkasse X und nicht --wie das FG angenommen hat-- die Familienkasse Y. Dies ergibt sich aus Anlage 2 Nr. 2.2 des Beschlusses des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit Nr. 21/2013 vom 18. April 2013 (Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S. 6 ff.) Danach ist die Familienkasse X für die Entscheidung des Streitfalls zuständig, weil die Klägerin ihren Wohnsitz in der Republik A hat.

5 Das FG hat gleichwohl die Familienkasse Y als Beklagte aufgenommen. Darin liegt eine zu berichtigende ähnliche offenbare Unrichtigkeit i.S. des § 107 FGO (vgl. dazu Senatsbeschluss vom 30. September 2013 XI B 57/13, BFH/NV 2014, 61, m.w.N.).

6 c) Dieser Wechsel der Beklagten ließ gemäß §§ 66, 70 Satz 1 FGO i.V.m. § 17 Abs. 1 Satz 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes die örtliche Zuständigkeit des Niedersächsischen FG nach § 38 FGO unberührt, obwohl die Familienkasse X ihren Sitz nicht im Gerichtsbezirk des Niedersächsischen FG hat (sog. perpetuatio fori; vgl. BFH-Urteil vom 25. Januar 2005 I R 87/04, BFHE 209, 9, BStBl II 2005, 575, m.w.N.; BFH-Beschlüsse vom 19. Mai 2008 V B 29/07, BFH/NV 2008, 1501; vom 18. August 2010 IX B 36/10, juris). Streitgegenstand war nämlich weiterhin die Rechtmäßigkeit eines Verwaltungsakts der Familienkasse Z. Ein Änderungsbescheid der Familienkasse X war nicht ergangen.

7 2. Für die danach erforderliche Berichtigung ist bei Anhängigkeit einer Revision der BFH zuständig (vgl. BFH-Urteil vom 29. März 2007 IV R 55/05, BFHE 217, 103, BStBl II 2007, 655, m.w.N.).

8 II.Die Entscheidung ergeht gemäß § 126a FGO. Der Senat hält einstimmig die Revision für unbegründet und eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.

9 Der erkennende Senat verweist im Übrigen zur Begründung auf das Senatsurteil vom 5. September 2013 XI R 26/12 (BFH/NV 2014, 313), mit dem er sich der Auffassung des III., V. und VI. Senats des BFH angeschlossen hat, dass eine Kindergeldberechtigung nach § 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b des Einkommensteuergesetzes (EStG) nur in den Monaten des betreffenden Kalenderjahrs besteht, in denen der Anspruchsberechtigte inländische Einkünfte i.S. des § 49 EStG erzielt hat (vgl. dazu z.B. BFH-Urteile vom 24. Oktober 2012 V R 43/11, BFHE 239, 327, BStBl II 2013, 491, Rz 19 ff.; vom 18. April 2013 VI R 70/11, BFH/NV 2013, 1554; vom 18. Juli 2013 III R 59/11, BFHE 242, 228, BFH/NV 2013, 1992). An dieser Rechtsauffassung, von der das FG ebenfalls ausgegangen ist, hält der erkennende Senat auch nach nochmaliger Überprüfung fest. Die Einwendungen der Klägerin geben keinen Anlass, von der genannten Rechtsprechung abzurücken.

10 Nach diesen Grundsätzen steht --wie das FG zu Recht ausgeführt hat-- der Klägerin, die weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hatte, im Streitzeitraum (Januar bis März 2007 und September bis Dezember 2007) kein Kindergeld für ihre beiden Kinder zu; denn sie hat in diesen Monaten nach den tatsächlichen Feststellungen des FG keine inländischen Einkünfte erzielt.

Mots-clés

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Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the fiscal court judgment had to be corrected because the wrong family office was named as defendant/respondent.

Solution extraite

Yes. The operative part contained an obvious clerical error and had to be corrected ex officio; the defendant was Familienkasse X.

Motifs extraits

After the organizational change on 1 May 2013, Familienkasse X was the competent family office for the dispute because the claimant resided abroad. Naming Familienkasse Y instead was an obvious inaccuracy within the meaning of Art. 107 FGO.

Question juridique clé

Whether the change of the competent family office deprived the originally seized fiscal court of local jurisdiction.

Solution extraite

No. The local jurisdiction of the seized fiscal court remained unchanged under perpetuatio fori because the subject matter remained the legality of the original administrative act and no amendment decision by Familienkasse X had been issued.

Motifs extraits

Under Arts. 66 and 70 sentence 1 FGO in conjunction with Art. 17(1) sentence 1 GVG and Art. 38 FGO, a mere change of the competent family office by organizational act does not shift venue while the same administrative act remains in dispute.

Question juridique clé

Whether the claimant was entitled to child benefit for the months in dispute under Art. 62(1)(2)(b) in conjunction with Art. 1(3) EStG 2002.

Solution extraite

No. Entitlement exists only for those months of the calendar year in which the claimant earned domestic income within the meaning of Art. 49 EStG 2002; in the months at issue she had no such income.

Motifs extraits

The court adhered to its prior case law and found no reason to depart from it. Since the claimant had neither residence nor habitual abode in Germany and earned no domestic income in the months January to March 2007 and September to December 2007, no child benefit was due.

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