Costs after partial relief and mootness in child benefit case

BFH III R 19/09Bfh / 3e division18 juin 2013Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH held that after the parties declared the case moot, only costs remained to be decided under § 143 FGO. Because the Familienkasse had granted child benefit only in part, costs were to be divided proportionally under §§ 138(2) sentence 1 and 138(1) FGO: the authority bears the costs for the successful part, while the claimant bears the costs for the unsuccessful remainder. The court refused to apply § 136(1) sentence 3 FGO, because the claimant’s unsuccessful share was not merely minor; a loss of about 7% did not qualify as negligible.

Regeste Omnilex

§ 138 Abs. 1 und 2 FGO; Kostenentscheidung nach Hauptsachenerledigung und Teilabhilfe; § 136 Abs. 1 S. 3 FGO nur bei geringfügigem Unterliegen: Nach Erledigung der Hauptsache ist die Kostenentscheidung grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen zu treffen. Gewährt die Behörde dem Klagebegehren nur teilweise ab, trägt sie die Kosten insoweit, als sie abgeholfen hat; im Übrigen trägt der Kläger die Kosten. § 136 Abs. 1 S. 3 FGO kann zwar auch nach Teilabhilfe und Hauptsachenerledigung herangezogen werden, setzt aber ein nur geringfügiges Unterliegen voraus. Ein Unterliegen von etwa 7 % ist nach der Rechtsprechung des BFH nicht mehr geringfügig (vgl. consid. 3c).

Texte intégral

BFH — III R 19/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-06-18

Aktenzeichen: III R 19/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 136 Abs 1 S 3 FGO, § 138 Abs 1 FGO, § 138 Abs 2 S 1 FGO

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 17. Februar 2009, Az: 10 K 1810/08 Kg, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

(Verhältnismäßige Teilung der Kosten bei Teilabhilfe - geringes Unterliegen i.S. von § 136 Abs. 1 Satz 3 FGO)

Leitsatz

  1. NV: Es entspricht regelmäßig dem billigen Ermessen, wenn der Kläger in Höhe des von der Abhilfe nicht erfassten Teils des Klageanspruchs die Kosten zu tragen hat.

  2. NV: § 136 Abs. 1 Satz 3 FGO ist im Rahmen der Kostenentscheidung, die nach Teilabhilfe und insgesamt erfolgter Hauptsacheerledigung zu treffen ist, anwendbar.

Gründe

1 1. Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit Nr. 21/2013 vom 18. April 2013 gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 11 des Finanzverwaltungsgesetzes, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S. 6 ff.) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur für Arbeit … --Familienkasse-- eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 3. März 2011 V B 17/10, BFH/NV 2011, 1105, unter II.A.).

2 2. Aufgrund der übereinstimmenden Erklärungen des Klägers und Revisionsklägers (Kläger) und der Familienkasse ist der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt. Das Urteil des Finanzgerichts ist damit einschließlich der darin enthaltenen Kostenentscheidung gegenstandslos geworden (BFH-Beschlüsse vom 29. Mai 1996 I R 79/95, BFH/NV 1996, 846; vom 25. Januar 1994 V R 128/85, BFH/NV 1995, 918; vom 29. August 2012 X R 5/12, BFH/NV 2013, 53). Gemäß § 143 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hat der BFH durch Beschluss nur noch über die Kosten zu entscheiden.

3 3. Die nach Erledigung der Hauptsache zu treffende Kostenentscheidung richtet sich nach § 138 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 1 FGO.

4 a) Die Familienkasse hat dem Antrag des Klägers, Kindergeld für seine beiden Kinder in Höhe von insgesamt 5.082 € festzusetzen, nur teilweise entsprochen. Es hat nach Anrechnung polnischer Familienleistungen im Abhilfebescheid lediglich Differenzkindergeld in Höhe von 4.700,88 € festgesetzt.

5 b) Mithin sind die Kosten des Verfahrens verhältnismäßig zu teilen. Soweit die Familienkasse dem Klagebegehren abgeholfen hat, trägt sie die Kosten gemäß § 138 Abs. 2 Satz 1 FGO. In Bezug auf den von der Abhilfe nicht erfassten Teil des Begehrens trifft den Kläger die Kostenpflicht nach § 138 Abs. 1 FGO. Denn es entspricht regelmäßig dem billigen Ermessen, wenn der Kläger in Höhe des von der Abhilfe nicht erfassten Teils des Klageanspruchs die Kosten trägt (BFH-Beschlüsse vom 13. August 1986 V R 112/80, BFH/NV 1987, 54; vom 23. November 1994 II B 157/92, BFH/NV 1995, 332; vom 11. Mai 2009 VIII R 81/05, BFH/NV 2009, 1447).

6 c) Von der Anwendung des § 136 Abs. 1 Satz 3 FGO, wonach einem Beteiligten die Kosten ganz auferlegt werden können, wenn der andere nur zu einem geringen Teil unterlegen ist, war im Streitfall abzusehen. Zwar ist die genannte Vorschrift grundsätzlich auch bei Hauptsacheerledigung nach erfolgter Teilabhilfe anwendbar (BFH-Beschluss vom 23. August 1990 V R 79/88, BFH/NV 1991, 472), doch fehlt es vorliegend an der Geringfügigkeit des klägerischen Unterliegens. Bei einer Quote von 7 % kann davon nach der Spruchpraxis des BFH nicht mehr ausgegangen werden (BFH-Beschluss vom 24. Mai 1993 V B 33/93, BFH/NV 1994, 133; BFH-Urteil vom 20. April 2005 X R 53/04, BFHE 210, 100, BStBl II 2005, 698).

Mots-clés

cost allocationpartial reliefmootnesschild benefitminor lossproportional costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

How are costs to be allocated after partial relief and subsequent mootness of the main proceedings?

Solution extraite

Costs are to be allocated proportionally: the authority bears the costs to the extent it granted relief, and the claimant bears the costs for the remaining part of the claim.

Motifs extraits

After the main matter became moot, only the cost issue remained. Under §§ 138(2) sentence 1 and 138(1) FGO, costs follow the outcome of the partial relief and the remaining unsuccessful part of the claim.

Question juridique clé

Can § 136(1) sentence 3 FGO apply when the claimant lost only a small part after partial relief?

Solution extraite

Yes, the provision is in principle applicable after mootness and partial relief, but not here because the claimant’s loss was not merely minor.

Motifs extraits

A loss share of about 7% was not considered negligible under BFH practice, so complete cost shifting under § 136(1) sentence 3 FGO was excluded.

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