Court fee advance for compensation claim and decision by rapporteur

BFH X S 20-23/13, X S 20/13, X S 21/13, X S 22/13, X S 23/13Bfh / Division 1028 mai 2013Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH, 10th Senate, dealt with a cost debtor’s renewed filings seeking annulment of fee assessments, suspensive effect, and a preliminary reference in compensation-claim proceedings. The court construed the submissions as hearing complaints and reconsideration requests, but found no hearing violation and no exceptional grounds for an extraordinary remedy. It held that the court fee advance requirement and service of the claim only after payment are lawful and do not violate Article 47 of the EU Charter in this case, especially because legal aid remains available. A CJEU reference was refused. Court charges were not imposed and no costs were reimbursed.

Regeste Omnilex

§ 69a GKG; § 12a, § 12 Abs. 1 Satz 1, § 14 Nr. 1 GKG; Art. 47 Abs. 3 EUGrdRCh; court fee advance in compensation-claim proceedings and effective judicial protection: The requirement of a court fee advance and service of the claim only after payment do not, as such, infringe the right to effective judicial protection under Art. 47 EUGrdRCh where legal aid remains available and the advance-payment rule is thereby displaced. A hearing complaint fails where the deciding judge has taken the entire submissions into account; an extraordinary reconsideration is admissible only in exceptional cases of manifestly untenable or fundamentally unlawful decisions (consid. II.2.a-c). No basis exists for a preliminary reference under Art. 267 TFEU if the EU-law complaint is unfounded.

Texte intégral

BFH — X S 20-23/13, X S 20/13, X S 21/13, X S 22/13, X S 23/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-05-28

Aktenzeichen: X S 20-23/13, X S 20/13, X S 21/13, X S 22/13, X S 23/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 142 Abs 1 FGO, § 155 S 2 FGO, § 114 S 1 ZPO, § 12 Abs 1 S 1 GKG, § 12a GKG, § 14 Nr 1 GKG, § 198 GVG, Art 47 Abs 3 EUGrdRCh, § 79a Abs 1 Nr 5 FGO, § 79a Abs 4 FGO

Spruchkörper: 10. Senat

Titelzeile

Kostenvorschuss bei Entschädigungsklage - Entscheidung durch Berichterstatter

Leitsatz

NV: Die Anforderung des Gerichtskostenvorschusses und die Zustellung der Klage erst nach Zahlung des Vorschusses verstoßen nicht gegen den Grundsatz des effektiven gerichtlichen Schutzes aus Art. 47 EuGrdCh .

Tatbestand

1 I. Mit Beschlüssen vom 20. Februar 2013 hat der Bundesfinanzhof (BFH) die Erinnerungen vom 5. Dezember 2012 sowie die Anträge auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung vom 21. Dezember 2012 des Kostenschuldners, Erinnerungsführers und Rügeführers (Kostenschuldner) zurückgewiesen. Diese Beschlüsse sind der Prozessbevollmächtigten des Kostenschuldners (Prozessbevollmächtigte) am 23. Februar 2013 zugestellt worden.

2 Am 26. März 2013 hat der Kostenschuldner u.a. erneut beantragt, sämtliche Kostenfestsetzungen aufzuheben und bis zur Aufhebung der festgesetzten Gerichtskosten Aussetzung der Vollziehung (AdV) zu gewähren. Zudem beantragt er Vorlage der Rechtssache beim Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH).

3 Der Kostenschuldner ist der Ansicht, dass die Umsetzung der Entschädigungsklage im Finanzgerichtsprozess nicht europarechtskonform erfolgt sei, da das Eigentum nicht geschützt werde. Auch liege ein zusätzlicher Verstoß gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (EUGrdRCh) vor, wenn der für die Entschädigung zuständige Senat des BFH Gerichtskosten festsetze und die Einleitung des Entschädigungsklageverfahrens von der Zahlung der Gerichtskosten abhängig mache.

4 Mit Schreiben vom 2. April 2013 wiederholte er seine Anträge.

Entscheidungsgründe

5 II. 1. Die Verbindung der Verfahren beruht auf § 73 Abs. 1 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).

6 2. Die Anträge des Kostenschuldners im Schreiben vom 26. März 2013, sämtliche Kostenfestsetzungen aufzuheben und bis zur Aufhebung der festgesetzten Gerichtskosten AdV zu gewähren, sind als Anhörungsrügen und Gegenvorstellungen auszulegen. Sie haben keinen Erfolg.

7 a) Für die Entscheidung über Einwendungen gegen eine Erinnerungsentscheidung des BFH in Entschädigungsklageverfahren (§ 198 des Gerichtsverfassungsgesetzes i.V.m. § 155 Satz 2 FGO) ist gemäß § 79a Abs. 1 Nr. 5, Abs. 4 FGO der Berichterstatter zuständig. Es handelt sich um Entscheidungen im vorbereitenden Verfahren (vgl. weiterführend: Beschluss vom 20. Februar 2013 X E 8/12, BFH/NV 2013, 763, unter II.1.).

8 b) Mit den Beschlüssen vom 20. Februar 2013 X E 8/12 bis X E 11/12 hat das Gericht entschieden, dass die Erinnerungen des Kostenschuldners gegen die angegriffenen Kostenrechnungen des BFH und die insoweit gestellten Anträge auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung zurückgewiesen werden. Gegen eine Erinnerungsentscheidung des BFH kommt als Rechtsbehelf gemäß § 69a des Gerichtskostengesetzes (GKG) die Anhörungsrüge in Betracht (vgl. nur BFH-Beschluss vom 24. November 2010 IX E 5/10, BFH/NV 2011, 443). Nach § 69a Abs. 1 GKG ist auf die Rüge das Verfahren fortzuführen, wenn (1.) ein Rechtsmittel oder anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist --was hier der Fall ist-- und (2.) das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat.

9 Eine Gehörsverletzung des Kostenschuldners liegt nicht vor. Der Berichterstatter hat das gesamte Vorbringen des Kostenschuldners in den Erinnerungsverfahren X E 8/12 bis X E 11/12 zur Kenntnis genommen.

10 c) Eine Gegenvorstellung hat ebenfalls keinen Erfolg. Als außerordentlicher Rechtsbehelf kommt eine Gegenvorstellung nur in Ausnahmefällen in Frage, insbesondere bei schwerwiegenden Grundrechtsverstößen oder wenn die angegriffene Entscheidung unter keinem denkbaren Gesichtspunkt vertretbar erscheint oder jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt (so Senatsentscheidung vom 17. November 2011 X E 1/11, BFH/NV 2012, 428, m.w.N.). Ein solch schwerwiegender Rechtsverstoß ist im Streitfall nicht erkennbar.

11 Soweit der Kostenschuldner die Umsetzung der Entschädigungsklage im Finanzgerichtsprozess als nicht europarechtskonform ansieht, weil ein Schutz des Eigentums nicht gewährleistet sei, ist für das Gericht nicht erkennbar, weshalb eine solche Verletzung vorliegen soll. Die Anordnung eines Gerichtskostenvorschusses und die Zustellung der Klage erst nach Zahlung dieses Vorschusses beruhen auf §§ 12a, 12 Abs. 1 Satz 1 GKG.

12 Weder die Anforderung des Vorschusses noch die Zustellung der Klageschrift entsprechend diesen Vorschriften ist europarechtswidrig. Insbesondere verstößt eine nationale Regelung, nach der die gerichtliche Geltendmachung von der Zahlung eines Kostenvorschusses abhängig gemacht wird, nicht gegen den in Art. 47 EUGrdRCh verankerten Grundsatz des effektiven gerichtlichen Schutzes. Vielmehr sieht das nationale Recht in § 14 Nr. 1 GKG ausdrücklich vor, dass bei Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) die Regelung des § 12 GKG und damit die Vorschusszahlungspflicht entfällt. Dies entspricht der Regelung des Art. 47 Abs. 3 EUGrdRCh. Erst dann, wenn PKH ausgeschlossen ist und dennoch ein Gerichtskostenvorschuss gefordert wird, kann der in Art. 47 EUGrdRCh verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes verletzt sein (vgl. insoweit auch EuGH-Urteil vom 22. Dezember 2010 C-279/09, Slg. 2010, I-13849, Rz 59 für den Fall des Ausschlusses der Geltendmachung von PKH durch juristische Personen ohne Befreiung von der Zahlung des Gerichtskostenvorschusses). Dies ist hier nicht der Fall. Der Kostenschuldner ist gemäß § 114 Satz 1 der Zivilprozessordnung i.V.m. § 142 Abs. 1 FGO berechtigt, PKH zu beantragen.

13 d) Ein Vorabentscheidungsersuchen gemäß Art. 267 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union kommt aus den unter II.2.c genannten Gründen nicht in Frage.

14 e) Mangels Erfolgs der Anhörungsrüge wie auch der Gegenvorstellung ist, soweit überhaupt ein eigenständiger Antrag des Kostenschuldners auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung i.S. des § 66 Abs. 7 Satz 2 GKG vorliegt, nicht (erneut) über diesen zu entscheiden.

15 3. Die Entscheidungen des Gerichts ergehen gerichtskostenfrei, Kosten werden nicht erstattet (§ 66 Abs. 8 GKG).

Mots-clés

court fee advanceeffective judicial protectionhearing complaintextraordinary reconsiderationlegal aidpreliminary referencecost proceedings

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the filings of 26 March 2013 should be treated as hearing complaints and further objections, and whether they succeed.

Solution extraite

The filings are construed as hearing complaints and reconsideration requests, but they are unsuccessful because no hearing violation or manifestly untenable decision is shown.

Motifs extraits

The rapporteur had considered the applicant’s entire prior submissions; extraordinary reconsideration is available only in exceptional cases, which were not present.

Question juridique clé

Whether requiring an advance court fee and serving the claim only after payment violates effective judicial protection under EU law.

Solution extraite

No. The fee-advance requirement and delayed service are based on domestic law and do not breach Article 47 of the EU Charter in the present case.

Motifs extraits

National law provides for legal aid, which disapplies the advance-payment rule. The applicant may still request legal aid; only where legal aid is excluded and payment still required could an EU-law issue arise.

Question juridique clé

Whether a preliminary reference to the CJEU is necessary.

Solution extraite

No preliminary reference is required on the facts of the case.

Motifs extraits

Because the EU-law objection lacks merit, the court saw no basis for a reference under Article 267 TFEU.

Question juridique clé

Whether the applicant is again to be ruled upon on suspensive effect.

Solution extraite

No separate renewed decision is made on suspensive effect.

Motifs extraits

Since the hearing complaint and reconsideration request fail, any independent request for suspensive effect is not revisited.

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