No child benefit for criminally placed child

BFH VI B 86/12Bfh / 6e division8 nov. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH dismissed the mother's non-admission complaint in a child-benefit case. It held that no revision-worthy issue of fundamental importance existed because a child's criminal placement breaks the causal link required under child-benefit law between disability and inability to maintain oneself. It also found no divergence in case law and no procedural defect, since the alleged psychiatric illness was irrelevant to the decisive legal question.

Regeste Omnilex

§ 115 Abs. 2 Nr. 1, Nr. 2 Alt. 2, Nr. 3 FGO; § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG: A revision is not to be admitted for fundamental importance where the legal question is already clarified by BFH case law and the requested reassessment would not yield new aspects. Criminal placement of a child does not, by itself, establish the causal disability-related inability to support oneself required for child benefit; the decisive cause is then the placement, not the disability. Divergence requires an abstract contradictory legal proposition of the FG; mere assertions of differing regional practice do not suffice. A procedural complaint fails if the omitted clarification concerns a fact that is legally irrelevant to the outcome.

Texte intégral

BFH — VI B 86/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-11-08

Aktenzeichen: VI B 86/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 32 Abs 4 S 1 Nr 3 EStG, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Finanzgericht, 7. Mai 2012, Az: 8 K 221/12, Urteil

Spruchkörper: 6. Senat

Titelzeile

Kein Kindergeld für strafrechtlich verurteiltes und untergebrachtes Kind - Keine grundsätzliche Bedeutung

Leitsatz

NV: Die strafrechtliche Unterbringung lässt den Kindergeldanspruch entfallen. In diesem Fall ist eine Behinderung des Kindes nicht ursächlich für die Unfähigkeit zum Selbstunterhalt .

Gründe

1 Es kann dahinstehen, ob die Beschwerde den Erfordernissen, die § 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) an die Darlegung der Revisionszulassungsgründe stellt, genügt. Denn die Beschwerde ist jedenfalls unbegründet. Die geltend gemachten Revisionszulassungsgründe der grundsätzlichen Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO), der Notwendigkeit der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO) sowie eines Verfahrensmangels (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) liegen nicht vor.

2 1. Eine Rechtssache hat grundsätzliche Bedeutung i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO, wenn die für die Beurteilung des Streitfalls maßgebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt. Die Rechtsfrage muss klärungsbedürftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren klärungsfähig sein (ständige Rechtsprechung, vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 27. Mai 2009 VI B 123/08, BFH/NV 2009, 1434, m.w.N.). An der Klärungsbedürftigkeit fehlt es, wenn die Rechtsfrage bereits durch die Rechtsprechung des BFH hinreichend geklärt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Prüfung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH erforderlich machen (Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 115 Rz 28, m.w.N.).

3 Von einer solchen hinreichenden Klärung ist auszugehen. Die von der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) als vermeintlich grundsätzlich bedeutsam angesehene Rechtsfrage, ob und inwieweit die strafrechtliche Unterbringung den Kindergeldanspruch entfallen lässt, hat keine grundsätzliche Bedeutung. Sie ist nicht klärungsbedürftig. Denn die Frage ist offensichtlich so zu beantworten wie vom Finanzgericht (FG) entschieden. Das FG hat unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung anderer FG zutreffend ausgeführt, dass die Behinderung des Kindes ursächlich für die Unfähigkeit zum Selbstunterhalt sein müsse. Es hat die Kausalität verneint, wenn das Kind der Klägerin wegen einer strafrechtlichen Verurteilung untergebracht ist und bereits wegen dieser Beschränkung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Aus den nämlichen Gründen hat der BFH bereits in einem anderen Streitfall die dort erhobene Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen (BFH-Beschluss vom 25. Februar 2009 III B 47/08, BFH/NV 2009, 929).

4 2. Nach § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO ist die Revision zuzulassen, wenn die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des BFH erfordert. In diesem Sinne ist eine Entscheidung des BFH u.a. dann erforderlich, wenn im Falle der sog. Divergenz das FG seiner Entscheidung einen abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt hat, der mit den tragenden Rechtsausführungen in der Divergenzentscheidung nicht übereinstimmt (vgl. BFH-Beschlüsse vom 6. November 2007 VI B 70/07, BFH/NV 2008, 216; vom 12. Oktober 2006 VI B 154/05, BFH/NV 2007, 51; Gräber/Ruban, a.a.O., § 115 Rz 53; jeweils m.w.N.). Solche divergierenden Rechtssätze liegen nicht vor; die Klägerin hat solche auch nicht vorgebracht. Insoweit erschöpft sich ihr Vortrag in nicht weiter substantiierten Ausführungen dazu, dass die Frage, ob für ein strafrechtlich untergebrachtes Kind Kindergeld gewährt wird, je nach Region unterschiedlich beantwortet werde.

5 3. Die Klägerin kann schließlich die Zulassung der Revision auch nicht mit Erfolg auf einen Verfahrensfehler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) stützen. Die Klägerin rügt insoweit zu Unrecht, dass das FG weiter hätte aufklären müssen, dass der Sohn der Klägerin vor, während und nach der strafrechtlichen Unterbringung erheblich psychisch erkrankt gewesen sei. Denn auf diese Frage kommt es nach der vorstehend näher erläuterten materiell-rechtlichen Rechtslage ersichtlich nicht an.

Mots-clés

child benefitdisabilitycausationcriminal placementfundamental importancedivergenceprocedural defect

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint raised a question of fundamental importance concerning child benefit for a child placed due to a criminal conviction.

Solution extraite

The asserted legal question was not in need of further clarification because the decisive point is already settled: child benefit requires that the child's disability cause the inability to support himself or herself, which is absent where criminal placement is the relevant cause.

Motifs extraits

The court relied on its established case law and that of other tax courts. Because the child could not work due to the criminal placement itself, the disability was not the causal reason for the inability to earn a living.

Question juridique clé

Whether divergence in case law justified admission of the revision to secure uniform jurisprudence.

Solution extraite

No admissible divergent abstract legal rule was shown; the complaint contained only unsubstantiated assertions of regional differences.

Motifs extraits

For divergence, the FG must have adopted an abstract legal proposition inconsistent with controlling case law. The complainant did not identify such a conflicting rule.

Question juridique clé

Whether a procedural defect required admission because the FG failed to clarify the son's mental illness before, during, and after placement.

Solution extraite

No. The proposed clarification was irrelevant under the substantive law governing the claim.

Motifs extraits

A procedural complaint cannot succeed where the allegedly omitted evidence would not affect the legally decisive question.

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