PKH denied in non-admission complaint over late-payment surcharges

BFH II S 9/11 (PKH)Bfh / 2e division12 janv. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BFH denied the applicant legal aid for a contemplated non-admission complaint. It held that the complaint offered no sufficient prospect of success because the alleged omission of a request in the FG judgment had to be pursued by timely correction of the judgment record, not as a procedural defect in the complaint. The court also stressed that, after oral hearing, the relevant motions are those made at the hearing, and that protocol correction cannot be achieved through a non-admission complaint. Finally, a waiver of late-payment surcharges must be sought in a separate procedure, not via an assessment statement.

Regeste Omnilex

§ 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 114 ZPO; Zulassung der Revision, Tatbestandsberichtigung und Protokollberichtigung: PKH is to be refused where the intended non-admission complaint lacks a plausible prospect of success. Objections to the accuracy of the judgment’s facts, including the parties’ motions, are not procedural defects within § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO; they must be raised by a timely application under § 108 Abs. 1 FGO. After oral hearing, the decisive requests are those made at the hearing, not the written submissions. A correction of the hearing minutes cannot be obtained in non-admission complaint proceedings. Relief concerning late-payment surcharge remission is to be pursued in a separate substantive procedure, not in an assessment statement proceeding (consid. 2a–d).

Texte intégral

BFH — II S 9/11 (PKH), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-01-12

Aktenzeichen: II S 9/11 (PKH)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 218 Abs 2 S 1 AO, § 240 AO, § 92 Abs 3 FGO, § 94 FGO, § 105 Abs 3 S 1 FGO, § 108 Abs 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Entscheidung über den Erlass von Säumniszuschlägen; Geltendmachung der Unrichtigkeit des Tatbestands eines FG-Urteils; Maßgeblichkeit der in der mündlichen Verhandlung gestellten Anträge; Protokollberichtigung

Leitsatz

  1. NV: Über den Erlass von Säumniszuschlägen ist nicht im Rahmen eines Abrechnungsbescheids, sondern in einem eigenständigen Verfahren zu entscheiden.

  2. NV: Einwendungen gegen die Richtigkeit des Tatbestands eines aufgrund mündlicher Verhandlung ergangenen FG-Urteils können nicht als Verfahrensmangel im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren, sondern nur mit einem Antrag auf Tatbestandsberichtigung geltend gemacht werden.

  3. NV: Für die Entscheidung über eine Klage nach mündlicher Verhandlung kommt es nicht auf die schriftsätzlich formulierten Klageanträge, sondern auf die in der mündlichen Verhandlung gestellten Anträge an.

  4. NV: Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision kann eine Protokollberichtigung nicht erreicht werden.

Tatbestand

1 I. Der Antragsteller beantragte in der mündlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht (FG) ausweislich der Niederschrift (§ 94 der Finanzgerichtsordnung --FGO-- i.V.m. §§ 159 ff. der Zivilprozessordnung --ZPO--),

2 "1. den Abrechnungsbescheid vom 22.11.2004 in der Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.10.2005 dahingehend zu ändern, daß die Säumniszuschläge aufgehoben werden

3 2. die Umsatzsteuerbescheide 1996 bis 2000 dahingehend zu ändern, daß die Vorsteuerbeträge laut Betriebsprüfung 1998 anerkannt werden.

4 3. die Gewinnfeststellungsbescheide 1994 bis 2000 dahingehend zu ändern, daß die Zinszahlungen bzw. Rückstellungen anerkannt werden."

5 In der Niederschrift heißt es ferner u.a., die Beteiligten seien sich darüber einig, dass über den Antrag auf Erlass (der Säumniszuschläge) in dem beim 1. Senat anhängigen Verfahren 1 K 1511/08 zu entscheiden sei. Mit Schreiben vom 6. Juni 2011 beantragte der Antragsteller, die Niederschrift insoweit zu ändern. Zur Begründung führte er einerseits aus, über den Antrag auf Erlass der Säumniszuschläge sei im Verfahren 1 K 1512/06 zu entscheiden (Abschn. 1 des Schreibens), und andererseits, die in der Niederschrift zitierte Einigkeit habe nicht bestanden, "da in der Klage der Antrag auch die Anerkennung der Unbilligkeit auf die Säumniszuschläge zur Grunderwerbsteuer festgelegt" gewesen sei (Abschn. 9 des Schreibens). Die Einzelrichterin teilte dem Antragsteller mit Schreiben vom 14. Juni 2011 mit, sie sehe keine Veranlassung für eine Ergänzung oder Berichtigung des Protokolls.

6 Das FG wies die Klage ausgehend von den in der Niederschrift angegebenen Klageanträgen ab.

7 Der Antragsteller beantragt, ihm für die Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision Prozesskostenhilfe (PKH) zu gewähren. Das FG habe zu Unrecht nicht über den bereits in der Klageschrift gestellten Antrag auf Erlass der Säumniszuschläge entschieden. Dieser Antrag sei nicht Gegenstand des Verfahrens 1 K 1511/08. Der somit gegebene Verfahrensmangel müsse zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das FG führen.

Entscheidungsgründe

8 II. Der Antrag auf Bewilligung von PKH hat keinen Erfolg.

9 1. Nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 114 Satz 1 ZPO erhält eine Partei, die nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, auf Antrag PKH, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint.

10 2. Die beabsichtigte Rechtsverfolgung des Antragstellers bietet keine hinreichende Aussicht auf Erfolg. Gründe für die Zulassung der Revision (§ 115 Abs. 2 FGO) sind weder vorgetragen noch ersichtlich.

11 a) Der Antragsteller kann mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision nicht rügen, das FG habe den auf Erlass der Säumniszuschläge gerichteten Antrag zu Unrecht im Tatbestand und in den Entscheidungsgründen des Urteils übergangen. Der Antragsteller hätte vielmehr innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Urteils eine entsprechende Berichtigung des Urteilstatbestands gemäß § 108 Abs. 1 FGO beantragen müssen (Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 31. August 1994 II B 68/94, BFH/NV 1995, 240, und vom 31. Januar 2006 XI B 18/05, BFH/NV 2006, 1113). Einwendungen gegen die Richtigkeit des Tatbestands eines aufgrund mündlicher Verhandlung ergangenen FG-Urteils können nicht als Verfahrensmangel im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren geltend gemacht werden; sie müssen vielmehr zum Gegenstand eines Antrags auf Tatbestandsberichtigung (§ 108 Abs. 1 FGO) gemacht werden (BFH-Beschlüsse vom 7. Februar 2011 XI S 29/10, BFH/NV 2011, 824, unter 4.b; vom 30. Juni 2011 VII B 124/10, BFH/NV 2011, 2112, unter II.4., und vom 10. August 2011 X B 100/10, BFH/NV 2011, 2098, unter 2.b, je m.w.N.). Zum Tatbestand i.S. § 108 Abs. 1 FGO gehören auch die von den Beteiligten gestellten Anträge (§ 105 Abs. 3 Satz 1 FGO; BFH-Beschluss vom 27. November 2003 VI B 261/00, BFH/NV 2004, 364; Brandt in Beermann/Gosch, FGO § 108 Rz 26; Lange in Hübschmann/Hepp/ Spitaler, § 108 FGO Rz 9; Brandis in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 108 FGO Rz 4; Gräber/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 108 Rz 3).

12 b) Im Übrigen kommt es entgegen der Ansicht des Antragstellers für die Entscheidung über eine Klage nach mündlicher Verhandlung nicht auf die schriftsätzlich formulierten Klageanträge, sondern auf die in der mündlichen Verhandlung gestellten Anträge an (§ 92 Abs. 3 FGO; BFH-Urteile vom 14. Juni 1994 IX R 36/89, BFH/NV 1995, 218, und vom 4. September 2008 IV R 1/07, BFHE 222, 220, BStBl II 2009, 335, unter II.3.a; BFH-Beschluss vom 30. Januar 2004 XI S 21/03, BFH/NV 2004, 802; Lange, a.a.O., § 96 FGO Rz 182).

13 c) Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision kann eine Protokollberichtigung nicht erreicht werden (BFH-Beschlüsse vom 25. November 2010 II B 3/10, BFH/NV 2011, 415, unter 2.c, und vom 8. Juli 2011 III B 7/10, BFH/NV 2011, 1895, unter 1.).

14 d) Über die Frage, ob Säumniszuschläge (§ 240 der Abgabenordnung --AO--) nach § 227 AO zu erlassen sind, ist nicht im Rahmen eines Abrechnungsbescheids (§ 218 Abs. 2 Satz 1 AO), sondern in einem eigenständigen Verfahren zu entscheiden (Grundsatz der Zweigleisigkeit; BFH-Beschlüsse vom 20. Juli 2007 VIII B 8/06, BFH/NV 2007, 2069; vom 31. Juli 2007 VIII B 42/05, BFH/NV 2007, 2305, und vom 21. Dezember 2010 V B 16/09 u.a., BFH/NV 2011, 565).

15 3. Eine Kostenentscheidung ist nicht zu treffen. Gerichtskosten fallen nicht an.

Mots-clés

legal aidnon-admission complaintjudgment recordprotocol correctionoral hearinglate-payment surchargestax procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether legal aid should be granted for the intended non-admission complaint

Solution extraite

No. The intended complaint had no sufficient prospect of success.

Motifs extraits

The applicant showed no admissible ground for admitting revision under § 115 Abs. 2 FGO.

Question juridique clé

Whether alleged omission of a claim in the FG judgment can be raised in a non-admission complaint

Solution extraite

No. Such objections must be pursued by an application for correction of the judgment record within two weeks under § 108 Abs. 1 FGO.

Motifs extraits

Errors in the factual record of a judgment, including the parties' motions, are not a procedural defect in the non-admission complaint.

Question juridique clé

Whether the written claim statements controlled the FG's decision after oral hearing

Solution extraite

No. After an oral hearing, the decisive motions are those made at the hearing, not the written pleadings.

Motifs extraits

Under § 92 Abs. 3 FGO, the court must rely on the motions stated in the hearing.

Question juridique clé

Whether a protocol correction can be obtained through the non-admission complaint

Solution extraite

No. A non-admission complaint cannot secure a correction of the hearing minutes.

Motifs extraits

Protocol correction is not the function of revision-admission proceedings.

Question juridique clé

Whether waiver of late-payment surcharges must be decided in an assessment statement case

Solution extraite

No. Waiver of late-payment surcharges must be decided in a separate procedure, not within an assessment statement.

Motifs extraits

The issue is governed by the principle of dual-track proceedings; the assessment statement only concerns accounting.

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